Cinedolcevita ist mehr als nur Kino

Die Bielerin Eva Furrer hat ihr Seniorenkino Cinedolcevita vor 10 Jahren auch in Thun lanciert. Mit Erfolg: Die Monats­filme für Jung und Alt sind beliebt und locken stets bis zu 160 Personen in den Saal.

Im Kino Rex in Thun findet ab nächste Woche wieder einmal monatlich das Cinedolcevita Seniorenkino statt.

Im Kino Rex in Thun findet ab nächste Woche wieder einmal monatlich das Cinedolcevita Seniorenkino statt. Bild: Manuel Lopez

«Man geht nicht bloss ins Kino, um sich Filme anzusehen. Man geht vielmehr ins Kino, um mit zweihundert Menschen zu lachen und zu weinen.» Dieses Zitat von John Naisbitt, einem amerikanischen Prognostiker, ist gross auf der Website des Seniorenkinos Cinedolcevita zu lesen – und genau diesen Nerv scheint das Angebot zu treffen. «Die Leute freuen sich jeweils unglaublich auf diesen Dienstag im Monat, um gemeinsam mit anderen einen tollen Film zu schauen und Emotionen zu teilen», sagt Jörg Weidmann von den Thuner Kinobetrieben. «Sie kommen jeweils aus dem ganzen Oberland und auch immer mehr aus Bern.»

Das Seniorenkino hat Eva Furrer-Haller aus Biel initiiert; zunächst in Biel und in Bern, vor zehn Jahren in Thun und zuletzt in Solothurn (wir berichteten). Mittlerweile gibt es siebzehn autonome Spielstellen mit einem Monatsfilm, so zum Beispiel auch in Delsberg, Freiburg, Nyon, Neuenburg, Glarus und Zürich.

Dokumentarfilme sind beliebt

Das Konzept ist einfach: einmal im Monat, am gleichen Tag, zur gleichen Zeit und im gleichen ­Kino eine zeitlose Filmperle für Jung und Alt. «Auch beim schönsten Wetter ist das Angebot beliebt, insbesondere die Dokumentarfilme», sagt Furrer. Wenn möglich begrüsse sie in Biel, Bern, Solothurn und Thun selbst das Publikum, eine Verbindung, die der Rentnerin am Herzen liegt. Der Erfolg von Cinedolce­vita hat 2016 sogar dazu geführt, dass der gleichnamige Verein aufgelöst werden konnte und je die Kinobetriebe die Organisation übernommen haben. «Verantwortlich für das Programm bin ich noch in den erwähnten vier Städten», sagt die Cineastin. Sie ist glücklich, dass sie ihr «Baby» in die Zukunft sichern konnte.

«Dass sich im Kino die Menschen finden, gemeinsam einen Film schauen und sich über das Thema unterhalten, war meine Vision – und sie hat sich erfüllt.»

In grösseren Saal gewechselt

Cinedolcevita stellt stets die Menschen und ihre Schicksale unabhängig von Herkunft und Kultur in den Mittelpunkt. Im bevorstehenden Programm in Thun sind es etwa ein argentinischer Ermittler und ein gefürchteter Richter aus Frankreich (vgl. Kasten «Die Filme»). Gestartet wird am nächsten Dienstag mit «El Secreto de sus Ojos.» «Da die Besucherzahl seit dem Wechsel vom Kino City ins Rex um rund vierzig Prozent höher liegt, zeigen wir neu die Filme im grösseren Saal», sagt Weidmann. 2008 bis 2015 seien stets 80 bis 100 Eintritte gezählt worden, 2016 liege der Durchschnitt bei 133. 2016 hält den Rekord mit 160 Eintritten «Das Fräulein», den Januar-Film von disesem Jahr, «Tableau noir», haben 159 Leute geschaut.

«Cinedolcevita ist mehr als ‹nur einen Film schauen›», sagt Jörg Weidmann. «Das Seniorenkino ist ein überlegt zusammengestelltes Programm, ein sozialer Treffpunkt in einer herzlichen Stimmung.» Diese Freude wollen die Kinobetriebe am Dienstag mit dem Publikum feiern. «Nach dem Film sind alle zu einem Apéro eingeladen, um auf unser 10-Jahr-Jubiläum anzustossen.»

Bis zum Juli zeigt das Seniorenkino Cinedolcevita jeweils am dritten Dienstag im Monat, wie gewohnt um 14.15 Uhr im Kino Rex, sechs Filme. Gestartet wird am nächsten Dienstag, kombiniert mit einem Apéro zum 10-Jahr-Jubiläum nach der Filmvorführung.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 21.02.2017, 11:58 Uhr

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