Widerstand gegen Frilite-Produktionshalle

Thun

Am Montag läuft die Einsprachefrist für die geplante Produktionshalle der Frilite SA im Wirtschaftspark Schoren ab. Bereits jetzt ist klar: Dem Projekt erwächst breiter Widerstand.

Stösst auf Widerstand: Das Neubauprojekt der Aries Libra AG für die Frilite SA im Thuner Wirtschaftspark Schoren. Noch stehen die Profile, welche die Dimensionen der geplanten, bis zu 17 Meter hohen Produktionshalle verdeutlichen sollen. Foto: Patric Spahni

Stösst auf Widerstand: Das Neubauprojekt der Aries Libra AG für die Frilite SA im Thuner Wirtschaftspark Schoren. Noch stehen die Profile, welche die Dimensionen der geplanten, bis zu 17 Meter hohen Produktionshalle verdeutlichen sollen. Foto: Patric Spahni

Thomas Schaller Caviezel nimmt kein Blatt vor den Mund: «Das Ganze stinkt zum Himmel», sagt der Thuner, der mit seiner Familie in unmittelbarer Nähe zum Wirtschaftspark Schoren lebt. Mit weiteren Nachbarn wehrt er sich gegen das Bauprojekt der Aries Libra AG, die dort einen Industrieneubau erstellen will, in welchem während sieben Tage die Woche rund um die Uhr Füll- und Isolationsmaterial aus Vulkangestein produziert wird.

«Ein solches Projekt passt nicht in ein Wohnquartier und entspricht in keiner Art und Weise dem ursprünglichen Konzept des Wirtschaftsparks», sagt auch Daniel Bütler, ein weiterer Anwohner. Und meint damit die möglichen Emissionen wie Lärm, Hitze, Geruch sowie das nicht bekannte Risiko des Verarbeitungsprozesses, aber auch den Mehrverkehr.

Alles Punkte, welche seitens der Stadt als Landbesitzerin zu wenig abgeklärt worden seien. Schliesslich werde das Gestein von weit her, unter anderem aus Griechenland, nach Thun gefahren und das Endprodukt wieder ins Ausland wegtransportiert. Den beiden ist deshalb nicht klar, wo Wertschöpfung und Nachhaltigkeit für die Stadt sein sollen.

«Es ist für uns nicht nachvollziehbar, wie man überhaupt auf Thun als idealen Standort kommt», sagt Thomas Schaller, «zumal die Betreiberin der Firma, die Frilite SA, durch einen russischen und einen ukrainischen Direktor sowie einen Verwaltungsrat aus Genf geführt wird.» Diese Firma ist es, welche als Mieterin der Anlage auftritt und damit auch für den Betrieb verantwortlich ist. Die Aries Libra AG fungiert lediglich als Bauherrin und als Baurechtsnehmerin gegenüber der Stadt .

Das ist geplant: Die Visualisierung des Neubaus. Foto: PD

All diese Gründe haben die Gruppe von Nachbarn, zu welchen auch FDP-Parteipräsident Mark van Wijk gehört, dazu veranlasst, sich mit einer Einsprache gegen das Bauprojekt zu wehren, dessen Gesuchsakten noch bis nächsten Montag beim städtischen Bauinspektorat aufliegen. Dass die Baupublikation Anfang Herbstferien erfolgte, sehen die beiden Nachbarn denn auch nicht als reinen Zufall: «So fand das Gesuch kaum Beachtung», sagt Daniel Bütler.

Auch Leist wehrt sich

Die Opposition im Quartier geht aber weit über den Kreis der direkten Nachbarn hinaus: Auch der Gwatt-Schoren-Buchholz-Leist hat sich für eine Einsprache entschieden, wie Leistpräsident Stefan Wiedmer gegenüber dieser Zeitung erklärte. «Der Vorstand hat das Thema nach etlichen Rückmeldungen von Leistmitgliedern diskutiert und ist zum Schluss gekommen, dass die Frilite SA mit ihrer Produktionsanlage nicht in das Wohngebiet gehört», sagt dieser.

So müsse unter anderem die ganzheitliche Verkehrssituation betrachtet werden: «Die Belastung der Strättligenstrasse ist bereits jetzt sehr gross und die Einfahrt in den Wirtschaftspark ein eigentliches Nadelöhr», so Wiedmer. Der Leist stört sich auch daran, dass der geplante Bau nicht dem ursprünglichen Konzept des Wirtschaftsparks entspricht: «Die Stadt hat der Bevölkerung ursprünglich etwas anderes versprochen», sagt Wiedmer.

Der Leistpräsident hatte sich bereits Ende August in einem Schreiben an den Stadtpräsidenten gewandt und die spärliche Information zum geplanten Neubau beanstandet: «Nur ein Teil der Anwohner wurde zu einem Informationsanlass geladen. Und dies erst noch sehr kurzfristig», sagt Wiedmer. «Auch wir wurden erst im Oktober und auf unser Bitten hin vom Investor über das Projekt informiert.» Ein vom Leist vorgeschlagener öffentlicher Informationsanlass durch die Stadt sei abgelehnt worden.

Vorstoss im Stadtrat

Involviert sind mittlerweile auch die politischen Parteien Thuns: An der gestrigen Stadtratssitzung reichten die Fraktionen von FDP und Grünen zusammen mit weiteren Mitunterzeichnenden aus diversen Parteien eine Interpellation ein, in welcher sie Antworten auf verschiedenste Fragen verlangen.

So wollen diese unter anderem vom Gemeinderat wissen, wie er die «Abkehr vom bisherigen Konzept» in Sachen Wirtschaftspark beurteilt, zumal die Stadt nun «einen nüchternen Industriebau» ansiedle, statt auf den ursprünglich vorgesehenen hohen Qualitätsstandard und ein lokales, innovatives Unternehmen setze. Die Interpellanten verstehen auch nicht, weshalb die Stadt für die relativ wenigen Arbeitsplätze und den beinahe vollständig automatisierten Betrieb so viel wertvolles Land abgibt.

Neben Fragen zu der verkehrstechnischen Situation, dem wirtschaftlichen Nutzen für die Stadt oder der Nachhaltigkeit des Projekts interessiert die Stadträte aber auch, ob sich der Strombezug von 1200 Kilowattstunden mit dem Label Energiestadt verträgt, ob die Abwärme genutzt und weshalb auf dem Dach der Halle keine Fotovoltaikanlage vorgesehen ist. Schliesslich befürchten die Stadträte, dass sich bei einem allfälligen Misserfolg der Fall Meyer Burger wiederholen und in Thun erneut grosse Produktionsflächen leer stehen könnten.

Stapi zeigt Verständnis

«Ich kann gut nachvollziehen, dass die Anwohner Fragen zur Entwicklung des Wirtschaftsparks haben», meinte Stadtpräsident Raphael Lanz gestern in einer schriftlichen Stellungnahme. An den zwei Informationsveranstaltungen durch die Investoren hätten offenbar noch nicht alle Punkte geklärt werden können. Und er verwies gleichzeitig darauf, dass der Gemeinderat die Interpellation noch beantworten werde.

Für den Stadtpräsidenten ist es «eine Selbstverständlichkeit, dass das Projekt sämtliche Bau- und Umweltvorschriften einhalten muss». Das Baubewilligungsverfahren werde klären, ob dies der Fall sei oder ob es Anpassungen brauche. «Die Rechte der Anwohner werden dabei vollumfänglich gewahrt», schliesst Lanz, der gestern auch aus Zeitgründen darauf verzichtete, auf die einzelnen konkreten Fragen und Vorwürfe einzugehen.

Thuner Tagblatt

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