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«Solange wir leben, sind wir unsterblich»

Wie lebt es sich mit der unheilbaren Erbkrankheit Cystische Fibrose? Die neunjährige Isabeau Leuthold aus Homberg weiss es. Wie, sagt sie heute um 20 Uhr im Dokumentarfilm «Solange wir leben, sind wir unsterblich».

Im Moment lebt sie gerade im Inselspital in Bern. Wegen dreier Bakterienarten und eines Pilzes. Ansonsten wohnt Isabeau Leuthold in Homberg, bei ihren Eltern und ihren jüngeren Brüdern Nico und Nicola. «Wenn alles klappt und ich noch ein paar Kilogramm zunehme, kann ich nächste Woche schon wieder nach Hause», frohlockt sie am Telefon, überglücklich, dass sie heute Abend das Spital für einen Ausflug nach Thun kurz verlassen darf. Sie hat allen Grund dazu: Isabeau Leuthold ist eine der fünf Protagonistinnen und Protagonisten im Film «Solange wir leben, sind wir unsterblich», der heute um 20 Uhr im Gemeindesaal der Kirche Thun-Lerchenfeld gezeigt wird. Bei den Aufnahmen war Isabeau fünfjährig, heute ist sie neun Jahre alt. Der Regisseur ist anwesend Der 57-minütige Dokumentarfilm von Urs Kriech aus Bern lässt die fünf Frauen, Männer und Kinder, die alle an der unheilbaren Lungenkrankheit Cystische Fibrose (CF) leiden, über ihr Leben, ihre Erfahrungen, Hoffnungen und ihre Lebensfreude erzählen. Einer der Porträtierten starb mit 42 Jahren, kurz vor der Filmpremiere vom 18.Oktober 2009. «Es ist nicht einfach ein Film über die Krankheit, der über die medizinischen Zusammenhänge informiert. Sondern: Er macht spürbar, dass auch ein Leben mit einer Krankheit lebenswert ist», sagt der 47-jährige Regisseur. Urs Kriech, der selbst von CF betroffen ist und vor acht Jahren eine Lungentransplantation überstanden hat, ist heute anwesend und wird zusammen mit Isabeau mit dem Publikum in ein Gespräch eintauchen und Fragen beantworten. Cystische Fibrose (Mukoviszidose) ist eine Erbkrankheit mit fortschreitendem Verlauf. Die angeborene Stoffwechselstörung verstopft den Schleim in Lunge, Bauchspeicheldrüse, Leber und Darm und hat unter anderem zur Folge, dass das Lungengewebe nach und nach zerstört wird. Tägliche Medikamente und Therapien sowie regelmässige Spitalbesuche gehören zum Alltag, das Ringen nach Luft bleibt der ständige Begleiter. Eine Lungentransplantation ist die wohl grösste Chance auf ein längeres Leben. Urs Kriech hat den Film seiner Lebenspartnerin Heidi Karlen gewidmet. Sie starb im Dezember 2007. An CF. Wie auch seine beiden Geschwister, die als Kleinkinder daran starben. Urs Kriech produziert seit Jahren Film- und Videoprojekte, vor allem für Schulen und im Auftrag, dieser Dokumentarfilm ist sein erstes grosses Projekt. «Die Operation gab mir neue Lebenskraft, sodass ich den lang geplanten Wunsch, diesen Film zu realisieren, erfüllen konnte.» Die Arbeiten haben insbesondere wegen seiner Krankheit, die täglich Zeit in Anspruch nehme, schliesslich vier Jahre gedauert. Dies inklusive der Suche nach dem nötigen Geld von 70000 Franken. «Im ersten Jahr habe ich über 20 Interviews geführt, recherchiert und die fünf Protagonistinnen und Protagonisten ausgesucht», erzählt er. Im zweiten Jahr seien die Aufnahmen erfolgt, und zwei Jahre hätten die Schneid- und Fertigungsarbeiten in Anspruch genommen. Bis jetzt konnte Urs Kriech den Film ausschliesslich in privaten Kreisen zeigen. Zusammen mit seiner Co-Produzentin Annette Berger wartet er noch auf eine Rückmeldung des Schweizer Fernsehens. «Wir hoffen auf eine positive Antwort.» Philosoph dank Krankheit Der Filmtitel «Solange wir leben, sind wir unsterblich» ist ein Zitat des damals 17-jährigen Protagonisten Tobias aus Basel. «Trotz seines jungen Alters ist er schon ein richtiger Philosoph», findet Urs Kriech. Eine solche Tiefe im Leben ergebe sich durch die ständige Konfrontation mit dem Tod, der jeden Tag zum Geschenk werden lasse. «Es ist nicht die Krankheit, die das Leben ausmacht, sondern das Leben», betont der Filmemacher und erwähnt etwas Spezielles am Film: «Ich glaube, dass das Teilen der Krankheit mit den Protagonisten eine besondere Nähe ermöglicht hat.» Für Isabeau Leuthold ist ihre Krankheit keine Behinderung, sagt sie am Telefon, kurz vor der Abreise nach Thun: «Ich kenne nichts anderes und fühle mich nicht behindert, sondern ‹normal›.»Franziska Streun •www.lebenmitcystischerfibrose.ch •www.cystischefibrose-mukoviszidose.ch Bestellung der DVD (Fr.34.–): Urs Kriech, Looslistrasse 73, 3027 Bern, Telefon 031 9920759 oder per E-Mail an die Adresse kriechkarlen@bitterechtfreundli.ch. >

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