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100 Jahre Gentlemen’s Sport

WengenDer Wengen Curling Club feiert seinen 100.Geburtstag. Er ist der älteste britische Curlingclub im Berner Oberland und blickt auf eine lange Geschichte zurück.

«Curling war ein richtiger Gentlemen’s Sport und hatte nichts mit Kampfsport zu tun», schrieb das «Oberländische Volksblatt» 1985 in einer Jubiläumsbeilage mit dem Titel «75 Jahre Wintersport Wengen». In den Zwanziger- und Dreissigerjahren des 20.Jahrhunderts hätten sich die Curler, die Mehrzahl britische Gäste, nach einem Friendly-Game in einer Bar getroffen und noch lange über das Spiel dis-kutiert. Freundschaft und Gemütlichkeit dominieren auch heute im Wengen Curling Club (WCC), der nächsten Freitag seinen 100.Geburtstag zelebriert. «Auf der Eisbahn spielen wir das Centenary-Bonspiel, im Beausite Park Hotel ist der Galaabend angesagt», informiert Präsident Allan Higgins. Von den rund 150 Mitgliedern würden etwa 80 mitfeiern, weiss Ehrensekretär Fred A.MacKenzie. Der WCC hat seinen einzigartigen Stil und Charakter beibehalten können und ist bei seinen Mitgliedern so beliebt, dass ein Grossteil davon immer im Januar zum frohen Wiedersehen nach Wengen reist. Vom 12. bis 31.Januar organisiert der WCC 15 Turniere, vom Holland-Cup über das Centenary-Bonspiel bis zum Wright-Bowl. Eigenes Klubhaus«Obschon die ersten neun Jahre seiner Existenz nicht dokumentiert sind, belegen Protokolle des einstigen Weltverbandes Royal Caledonian Curling Club, dass der WCC im Januar 1911 gegründet wurde», heisst es in dessen 75-Jahr-Schrift von 1986. 1926 konnte sich der WCC für 284 englische Pfund ein kleines Clubhaus, den Curlingpavillon neben der Natureisbahn im Wengiboden, bauen. Im Winter 1928 habe der WCC seine Turniere auf der Eisbahn der Scheidegg-Hotels ausgetragen, weil das Spielen in Wengen bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt problematisch oder gar unmöglich gewesen sei, schreibt der Chronist in der Jubiläumsbroschüre «75 Jahre WCC». Schneller AnfängerKein Anfänger wurde schneller ins Curlingspiel eingeführt als der nachmalige Präsident Remy Ades (1970/1971). Als Ades 1961 mit seiner Frau und seinen vier Kindern erstmals in Wengen war, flehte ihn sein jüngstes an: «Daddy, höre bitte auf mit Skifahren. Du kannst es nicht.» Der Vater gehorchte und klopfte am Vortag seiner Abreise beim Wengen Curling Club an. Clubmitglied Bill Black stellte ihm um 10 Uhr vier alte Steine zur Verfügung, die er bis um 12 Uhr auf dem Eis hin und her schieben sollte. Um 12.20 Uhr beschied Black dem Neuling, er sei qualifiziert und bekomme den «Blue Bar» (das Clubabzeichen). Als am Nachmittag im Halbfinale des Hewitt-Cups in einem der beiden Teams die Nummer 2 fehlte, wurde dessen Platz Remy Ades angeboten. Um 4 Uhr nachmittags stand sein Team im Final, und am nächsten Morgen betrat Remy Ades erstmals das Clubhaus – als Preisgewinner. Ein Treffpunkt in Wengen«Die Briten sind sehr angenehme und liebenswürdige Spieler», loben die WCC-Mitglieder Herta und Bruno Wezel. Die leidenschaftlichen Skifahrer aus Winterthur schwören seit 25 Jahren auch auf Curling: «Weil Curling ein Gesellschaftsspiel ist, in Viererteams gegeneinander gespielt wird und die Sieger die Verlierer zu einem Apéro einladen, kamen immer mehr Kontakte zu Briten, Schweizern und Einheimischen zustande.» Skifahren bringe keine Geselligkeit in diesem Sinne. Curling sei hingegen ein wahrer Treffpunkt in Wengen, wo auch Alleinstehende leicht Anschluss fänden, betonen die Stammgäste Wezel. Sie und andere Schweizer freuen sich jeden Herbst auf einen Gegenbesuch im schottischen Perth und erwidern damit die treue Präsenz der Briten in Wengen. Umgänglich und treu Bruno Wezel schwärmt zudem vom WCC-System, alle zwei Jahre den Präsidenten zu wechseln: «Da wird keiner auf alle Ewigkeit verknurrt.» Hans-Ueli Trachsel, Alt-Präsident des 1921 gegründeten Jungfrau-Curling-Clubs in Wengen, bezeichnet die Mitglieder des jubilierenden WCC als umgänglich und treu. Bei den alljährlichen Turnieren mit Schweizer Beteiligung im schottischen Perth werde die Geselligkeit grossgeschrieben. Ferdinand Waespe>

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