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Auch mit Suchgeräten ist der Verstand sicherer

LawinengefahrWer Pech hat und von einem Schneebrett erfasst wird, dem

Wer sich abseits von präparierten Skigebieten aufhält, ist grundsätzlich einer erhöhten Lawinengefahr ausgesetzt. Der beste Schutz dagegen sind der Menschenverstand und die Vorsicht. Für den Fall, dass ein Schneeschuhläufer oder Tiefschnee-fahrer – heutzutage Freerider genannt – trotzdem von der weissen Masse erfasst werden sollte, kann ein Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) sein Leben retten, indem er von Kameraden und Suchmannschaften rasch geortet und geborgen werden kann. «Das absolute Minimum an Sicherheit bieten die kleinen Recco-Plättchen, die kleiner sind als ein Radiergummi und heute oftmals in die Outdoortextilien eingenäht sind», stellt Hansjürg Müller fest. Der 61-jährige Reichenbacher blickt auf eine langjährige Erfahrung im alpinen Rettungswesen zurück und gilt heute im Berner Oberland als der «Recco-Experte» schlechthin. Recco: Nur für Rettungsprofis Müller erklärt: «Grundsätzlich gibt es zwei Suchsysteme: das in Schweden entwickelte Recco-Suchgerät, welches mit Radarwellen arbeitet, und die LVS-Sendegeräte verschiedenster Hersteller, welche Signale senden wie auch empfangen können.» Über Recco-Suchgeräte verfügen alle Pisten- und Rettungsdienste sowie Helikopterbasen. Zurzeit ist Hansjürg Müller dabei, den Bestand im Oberland auf das neuen Recco 9 umzurüsten und die Pistenrettungsdienste auf das neue Gerät umzuschulen. Der Einsatz des Recco-Gerätes mit einem Suchstreifen von zehn Metern Breite muss oft geübt werden und dient ausschliesslich den Rettungsdiensten bei der Suche nach Lawinenverschütteten. Müller stellt denn auch den viel verbreiteten Fehler fest, welchem ein Grossteil der jeweiligen Kursteilnehmer unterliegt: «Meistens zielt man mit dem Recco viel zu weit nach vorne. Ideal wäre, wie mit einer Taschenlampe vier Meter vor sich in den Boden zu zielen und das Recco bei jedem Richtungswechsel mit dem Handgelenk um 90 Grad in der Längsachse zu drehen.» Der grosse Vorteil des Recco liegt darin, dass es auch elektronische Geräte wie iPods und Mobiltelefone orten kann. 3 Antennen, 3 Dimensionen Die jüngste Generation der unter Tourenskifahrern und Freeridern weit verbreiteten LVS erreicht je nach Schneedichte einen Suchstreifen von vierzig Metern. Dabei spielt auch die Geländebeschaffenheit eine wichtige Rolle. «Es ist sinnvoll, darauf zu achten, dass man ein Gerät mit drei Antennen verwendet. Nur dieses kann die kürzeste Distanz zum unter der Schneeoberfläche liegenden Verschütteten ausrechnen, was zu entscheidend schnellerem Auffinden des Lawinenopfers verhelfen kann», sagt Hansjürg Müller. Einzig bei Skitourenrennen werden aus Gewichtsgründen vor allem Geräte mit nur einer Antenne eingesetzt. «Aber diese Athleten bewegen sich ja in der Regel auf abgesicherten Wettkampfstrecken», argumentiert der LVS-Spezialist. Der Experte rät vor dem Gebrauch alter Suchgeräte ab: «Diese müssen zwingend durch den Hersteller auf ihre Funktion geprüft werden. Sie haben auch eine deutlich geringere Reichweite und senden ihre Signale oft in einem langsameren Takt aus, was bei der Suche zu Kompatibilitätsproblemen mit den neueren Geräten führen kann.» Verspurte Hänge sicherer Aller moderner Technik zum Trotz appelliert Hansjürg Müller an die Vernunft der Freiheitsuchenden: «Ein LVS, eine Schaufel und eine Sonde gehören zur Standardausrüstung. Aber mindestens so wichtig ist der Verstand. So dürfen Steilhänge von mehr als 30 Grad nicht einfach gedankenlos begangen werden, und nach Schneefällen wartet man drei Tage, bis sich der Schnee gesetzt hat. Und ein bereits verspurter Hang ist wesentlich sicherer, weil gefestigter, als ein einladend jungfräulich verschneiter.» Bruno Petroni>

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