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Beamte sichern sich mit Alarmknöpfen

Kanton BernDie Gewalt

In der Verwaltung des Kantons Bern hat man genug von Gewalt, Aggressionen und Drohungen von renitenten Klienten. Mit Alarmknöpfen, Deeskalationskursen und Zutrittsschleusen wie bei Flughäfen will die Verwaltung dem Phänomen beikommen. Die kantonale Justizdirektion hat für die Umsetzung des Projekts im November eine Arbeitsgruppe «Sicherheit in Verwaltungsgebäuden» ins Leben gerufen, wie erst jetzt bekannt wird. Das bestätigt Rudolf Reist, Vorsteher des Amtes für Betriebswirtschaft und Aufsicht. Geleitet wird das Projekt von einem externen Berater. Alarm bei Aggression Für einige Verwaltungseinheiten liegt das Konzept bereits vor: Zum Beispiel für die Betreibungsämter. Bei allen Betreibungsämtern im Kanton Bern ist vorgesehen, dass die herkömmlichen Schalter durch kleine Einzelkabinen ersetzt werden. In diese Kabäuschen müssen die Klienten einzeln eintreten, wenn sie mit den Konkursamtsangestellten in Kontakt treten. Das genügt offenbar nicht: Hinter jedem Schalter lässt die Verwaltung zudem neu einen Alarmknopf anbringen, welchen die Betreibungsamtsangestellten drücken können, wenn ihr Gegenüber trotz Kabine aggressiv wird. Drückt der Schalterangestellte den Knopf, geht beim Chef der Alarm los. In den Betreibungsämtern Biel, Ostermundigen und Thun wurden diese Sicherheitsmassnahmen jüngst bereits realisiert. Bei den anderen Betreibungs- und Konkursstellen im Kanton soll das demnächst erfolgen. Eine weitere Massnahme: Die Angestellten sollen in Kursen geschult werden, wie sie mit aggressiven Klienten umgehen. Solche Kurse sieht die Arbeitsgruppe auch etwa für die Angestellten der Regierungsstatthalterämter vor. Gegen bewaffnete Besucher Noch weiter als bei den Betreibungsämtern geht man indessen im Berner Amthaus. Bislang konnte man grosse Teile des Amthauses an der Genfergasse in Bern ohne Kontrolle betreten. Das wird sich aber sehr bald ändern: Gerade jetzt baut die Behörde beim Eingang Schleusen , wie sie von Flughäfen bekannt sind, ein – Metalldetektoren inbegriffen. Wer ins Amthaus will, muss sich künftig einer regelrechten Zutrittsprozedur unterziehen: Zuerst müsse man sich beim Empfang am Haupteingang anmelden und ausweisen, sagt Christine Schär, Geschäftsleiterin des Regionalgerichts Bern Mittelland. Dann bekommt jeder, der ins Amthaus will, einen Besucherbatch in Kreditkartenformat. Diesen muss er während des gesamten Aufenthalts auf sich tragen. Im dritten Teil der Zutrittsprozedur müssen die «Besucher» dann die mit Detektoren ausgerüstete Zutrittsschleusen passieren. Die Detektoren prüfen dort, ob jemand eine Waffe oder andere illegale Gegenstände auf sich trägt. Im Berner Amthaus sind seit letztem Jahr nur noch Behörden untergebracht, die mit dem Strafrecht zu tun haben: Strafgerichte, Zwangsmassnahmengericht und Staatsanwälte. Das Grundbuchamt und das Regierungsstatthalteramt sind hingegen ausgezogen. Die Sicherheitsmassnahmen im Amthaus haben Vorbildcharakter für alle anderen Regionalgerichte im Kanton Bern. Die Sicherheitsvorkehrungen sollen auch bei den Gerichten im Kanton vereinheitlicht werden, heisst es bei der Justizdirektion. Welche Massnahmen man zur Erhöhung der Sicherheit bei den anderen Gerichten im Kanton einführe, sei aber noch nicht klar. So hohe Standards wie im Amthaus seien indessen nicht bei allen Gerichten nötig, Wie viel das kostet, ist noch ungewiss. Der Grund, warum sich die Behörden absichern: «Das Gewaltpotenzial an den Gerichten ist in den letzten Jahren angestiegen», sagt Schär. Wie viele konkrete Vorfälle es gegeben habe, kann sie nicht sagen. Reist vom Betriebswirtschaftsamt sagt: «Vor allem bei den Betreibungsämtern ist der Ton der Klienten spürbar rauer geworden. In den letzten Jahren habe es dort ziemlich viele Vorfälle mit Drohungen oder Gewalt gegeben.» Mischa Aebi>

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