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Beide kämpfen um jeden Fünfliber

EishockeyDie SCL Tigers und der SC Bern sind gar nicht derart unterschiedlich, wie es auf den ersten Blick scheint. Das hat ein Gespräch mit den Chefs der beiden Klubs in Oberburg gezeigt.

Der SC Bern erzielt einen Jahresumsatz von 45 bis 50 Millionen Franken, schreibt regelmässig schwarze Zahlen und spielt in einem renovierten Stadion mit einer Kapazität von über 17000 Zuschauern. Da können die SCL Tigers nicht annähernd mithalten: Sie müssen mit einem Budget von rund 8 Millionen auskommen, standen in den vergangenen Jahren fast permanent am finanziellen Abgrund und spielen in einer 6500-plätzigen Eishalle, die eine Sanierung dringend nötig hat. SC Bern gegen SCL Tigers, das ist also ein Duell reich gegen arm, Stadt gegen Land, und – so behaupten manche – arrogant gegen sympathisch. Rolf Bachmann, der Chief Operating Officer des SC Bern, erhebt Einspruch. «Wir sind gar nicht so viel grösser als die andern», sagt er am Podiumsgespräch vor dem Verbandsturnfest 2012 in Oberburg (siehe Kasten). Im Jahresumsatz des SCB seien auch alle Restaurants, die der Klub betreibe, inbegriffen. Die 1. Mannschaft koste nicht viel mehr als 10 Millionen Franken. Und es stimme zwar, dass der SCB in der Postfinance-Arena höhere Gastronomieeinnahmen erziele als andere Klubs, dafür blättere er auch mehr Miete hin: 3,2 Millionen. Der SC Rapperswil-Jona zahle in seiner Heimspiel-Halle für die gleichen Rechte bloss 60000 Franken. «Sie sehen also: Auch wir kämpfen um jeden Fünfliber», so Bachmann. Hamme statt Lachs Auf der anderen Seite des Bistrotisches sitzt Ruedi Zesiger, der Geschäftsführer der SCL Tigers. Noch immer sei er überwältigt, wenn er an die Emotionen nach der erstmaligen Playoff-Qualifikation denke. «Aber der Erfolg hat seinen Preis», erklärt er. Um Leistungsträger wie Stürmer Simon Moser in Langnau halten zu können, müsse man ihnen nebst viel Verantwortung auch höhere Saläre bieten. Mit anderen Worten: «Wenn wir unser Budget mittelfristig nicht um 2 bis 3 Millionen erhöhen können, haben wir keine Zukunft in der NLA.» Insbesondere die Einnahmen aus der Gastronomie müssten steigen, «deshalb ist die Stadionsanierung ein Muss». Der SC Bern sei unternehmerisch ein «absolutes Vorbild», sagt Ruedi Zesiger. Er will mit den Tigers aber nicht einfach den grossen Nachbarn kopieren, sondern authentisch bleiben. «Bei uns in der Ilfishalle sollen die VIPs statt Lachsbrötli zum Beispiel warme Hamme mit Züpfe bekommen.» Rolf Bachmann hört Ruedi Zesiger zu und nickt. «Authentisch bleiben, genau darum geht es», sagt er später. Deshalb habe der SCB seinerzeit ein selbstbewusstes Motto auf den Mannschaftscar gemalt: «Hier kommt Bern.» Wumm! Verlieren gehört dazu Überhaupt entdecken Zesiger und Bachmann im Gespräch, das von Nationalliga-Kommunikationschef Patrick Reber geleitet wird, mehrere Gemeinsamkeiten. Etwa ihre Philosophie, dass nur Erfolg habe, wer seine Geschäftspartner als Menschen behandle. Und dass zwar niemand gerne verliere, aber verlieren «etwas Wesentliches im Leben» sei. Die Tigers bekamen das zu spüren, als sie Jahr für Jahr die Playoffs verpassten. Und der SCB erlebte es diese Woche, als nach der Niederlage in Kloten die Saison von einer Sekunde auf die andere vorbei war. Markus Zahno >

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