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Der Cheftrainer als Assistent

Der 38-jährige Kanadier John Fust assistiert dem Schweizer Nationaltrainer Sean Simpson an der WM in Deutschland. Fust ist überzeugt, dass ihm diese Erfahrung auch für seine Tätigkeit als Tigers-Trainer von Nutzen sein wird.

Plötzlich ging alles ganz schnell: Am Sonntagabend, 2.Mai, hatte Mike Johnston seine Zusage für den Posten als Assistent des Schweizer Nationalteams aus persönlichen Gründen zurückgezogen – 48 Stunden später stand beim letzten Vorbereitungsspiel gegen Norwegen neben Sean Simpson und Manuele Celio in Kreuzlingen bereits John Fust an der Schweizer Bande. «Ich habe von der Absage Mike Johnstons gehört, danach vernahm ich Gerüchte, dass ich ein Kandidat sein könnte – und bald klingelte auch schon das Handy», sagt John Fust. Nach einem fünfminütigen Gespräch war alles geregelt. Fust packte die Koffer, reiste an den Bodensee und später mit dem Nationalteam nach Heidelberg, wo Spieler und Betreuer während der WM im Holiday Inn residieren. «Ich musste nicht überlegen. Wer die Chance erhält, auf einer solchen Stufe Erfahrungen zu sammeln, muss diese einfach nutzen.» Eigentlich hatte die Nationalliga die Weisung erlassen, wonach kein NLA-Cheftrainer das Amt des Assistenzcoachs im Nationalteam einnehmen dürfe. Das Engagement Fusts, dessen Wahl auf ausdrücklichen Wunsch Sean Simpsons und Andy Murrays erfolgte, wurde nach Absprache mit den Verantwortlichen der SCL Tigers bewilligt – mit der Begründung, dass Fust seine Tätigkeit als Trainer in Langnau erst nach der WM aufnehmen werde. Andy Murray als Gewinn Der 38-jährige Kanadier komplettiert in Deutschland das Schweizer Betreuerquartett um Headcoach Sean Simpson, Assistent Manuele Celio und Berater Andy Murray. «Sean und Andy kenne ich seit langem, mit Manuele spielte ich in Ambri noch zusammen. Im Coaching-Staff hat es eine sehr gute Mischung, und ich kann auf und neben dem Eis viel profitieren», sagt Fust, der vom Stadionsprecher in den ersten zwei Partien in der Mannheimer SAP-Arena jeweils als «John Faust» artikuliert wurde – das Goethe-Institut ist schliesslich auch nur drei Kilometer Luftlinie vom Stadion entfernt. Während des Spiels betreut der Kanadier vornehmlich die Schweizer Verteidiger, dies mit Erfolg: Mit dem Torverhältnis von 10:2 hat die Schweiz in der Vorrunde den Bestwert markiert, noch vor Russland. Die Gründe des momentanen Höhenflugs ortet Fust einerseits im guten Teamgeist, anderseits in der Person Andy Murrays. «Andy hat unglaublich viel Erfahrung, er kennt sämtliche Teams sehr gut, was in taktischer Hinsicht für uns ein grosser Vorteil ist.» Und im Hinblick auf das heutige Spiel gegen Tschechien («Die Tschechen haben nicht nur Jaromir Jagr, sondern vier gute Blöcke») sagt Fust, ein Punktgewinn müsse das Ziel sein. «Wir sind in einer guten Position, und jeder Punkt bringt uns weiter.» Kein Konfliktpotenzial 2006 hatte der frühere Stürmer seine Aktivkarriere beendet, danach trainierte er während dreier Saisons den B-Ligisten Visp. Seinen Erfahrungsschatz kann der Kanadier an der WM beträchtlich erweitern. «Es gibt keine Sitzung, in der ich nicht etwas lernen kann, ich profitiere jede Minute von Sean und Andy, auch neben dem Eis», sagt Fust, ergänzend, dass von diesem Lernprozess auch sein künftiger Verein Langnau profitieren werde. Konfliktpotenzial hinsichtlich seiner Funktion als Assistent im Nationalteam und Trainer bei den Tigers stellt Fust in Abrede. «Ich bin für die Nati hier, nicht um Politik zu machen – zudem ist in der Realität für Langnau kaum einer der Nationalspieler ein Thema.» Trotz (selbst) aufgesetzter Scheuklappen liegt es in der Natur der Sache, dass sich der ehemalige Langnau-Spieler an der WM Gedanken über mögliche Tigers-Zuzüge macht, zumal er bei der Schweiz auch fürs Scouting verantwortlich ist. So sitzt Fust bei sämtlichen Spielen ohne Schweizer Beteiligung in Mannheim jeweils auf der Tribüne, beobachtend, notierend, auswertend. John Fust, haben Sie an der WM schon einen Spieler entdeckt, der zu Langnau passen könnte? «Oh, jeder Spieler würde passen», sagt Fust, lacht und ergänzt: «Zumindest in sportlicher Hinsicht.» Reto Kirchhofer, Mannheim>

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