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«Gesalzene Rechnung» des Bärenpark-Debakels

Stadt BernDer Stadtrat lehnt die Aufstockung des Kredits für den Bärenpark ab. Das ändert aber nichts daran, dass die 21,3 Millionen Franken ausgegeben sind und die öffentliche Hand fast 10 Millionen beisteuern muss. Gemeinderätin Barbara Hayoz (FDP) erntete viel Kritik.

Längst trollen sich Bären am Aarehang, bereits zum zweiten Mal verbrachten sie ihre Winterruhe im Bärenpark. Und noch immer beschäftigt den Berner Stadtrat das Debakel um die Kosten. Im Rathaus war gestern wenig Beschaulichkeit zu spüren. Statt 9,7 kostet die Anlage 21,3 Millionen Franken. Das Parlament musste den Kredit an die Erbauer der Anlage, die städtische Anstalt Stadtbauten Bern (Stabe), um über 5 Millionen auf fast 8,9 Millionen Franken aufstocken. Nein sagen half zwar nichts. Das Geld ist bereits ausgegeben. Trotzdem liess es sich das Parlament nicht nehmen, ein Zeichen des Protests zu setzen: Es folgte der vorberatenden Kommission und lehnte den Kredit mit 43 Nein- gegen 22 Ja-Stimmen und 4 Enthaltungen ab. Bericht deckte Fehler auf Die Vorgeschichte ist lang, der Konflikt noch nicht gelöst. Laut Stephan Dellenbach, der Stabe ad interim führt, hat der Verwaltungsrat bis jetzt nicht entschieden, ob Stabe die Planer der Anlage einklagen will. Die vom Gemeinderat in Auftrag gegebene und im Juli 2010 vorgestellte Administrativuntersuchung legt dar, wie es zu dieser massiven Kostenüberschreitung kommen konnte. Unklare Zuständigkeiten – insbesondere war nicht definiert, wer die Bauherrschaft innehatte –, eine überforderte Projektleitung, ungenügende Kostenkontrolle und mehrfach verletzte Informationspflicht wurden gerügt. Über dieses Papier beugte sich der Stadtrat gestern ebenfalls. Der Bericht wurde parteiübergreifend gewürdigt. Abrechnung im Stadtrat Die Hauptakteure des Bärenpark-Debakels haben sich selber aus der Schusslinie genommen: Rudolf Lanzrein, ehemaliger CEO von Stabe, trat per Ende Jahr zurück. Finanzdirektorin Barbara Hayoz (FDP), die als Vizepräsidentin des Stabe-Verwaltungsrats nahe dran war und einst dafür sorgen wollte, dass Bern einen privat gesponserten Bärenpark erhält, tritt 2012 nicht mehr zu den Gemeinderatswahlen an. Trotzdem rechneten diverse Stadträte noch einmal tüchtig ab. Hasim Sancar (GB/JA) bezichtigte Hayoz, sie habe schon bald einmal gewusst, dass sie den Park nicht mit Spendengeldern bezahlen könne. Corinne Mathieu (SP) warf dem Gemeinderat vor, er habe lange Zeit das Gefühl gehabt, ohne den Stadtrat zurechtzukommen. «Nun, da feststeht, dass die Anlage 21,3 Millionen Franken kostet, gehts nicht mehr ohne», sagte sie. Kurt Hirsbrunner (BDP) kam zum Schluss, dass das Projekt «zum Teil laienhaft» angegangen worden und daraus ein «schier unbezahlbares Prestigeprojekt» resultiert sei. «Jetzt geht es noch um das Begleichen der gesalzenen Rechnung», stellte er fest. Da kamen ausser FDP und GFL/EVP alle zum selben Schluss: Das Nein ändert zwar nichts, ist aber ein deutliches Zeichen an den Gemeinderat und die Führung von Stadtbauten Bern: So geht es nicht. Denn der Auftrag des Parlaments habe gelautet, den Bärenpark abgesehen vom Projektierungskredit in Höhe von 690000 Franken privat zu finanzieren. Nun berappt die öffentliche Hand fast 10 Millionen Franken. Bernhard Eicher (FDP) warnte, diese Ablehnung heisse letztlich auch den Bärenpark abzulehnen und sei als Ablehnung der Zusammenarbeit mit Privaten zu deuten. Michael Köpfli (GLP) teilte diese Meinung nicht: «Der Stadtrat wird unglaubwürdig sonst», sagte er. Zudem setze er gegenüber Investoren ein falsches Zeichen. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, der Stadtrat stimme Kostenüberschreitungen ja dann schon zu. Nach viel Schelte etwas Lob Gemeinderätin Barbara Hayoz äusserte Verständnis für die «heftige und harte Kritik»: «Es ist ärgerlich, was passiert ist.» Doch der Abbruch der Bauarbeiten nach dem Auftauchen der geologischen Schwierigkeiten wäre noch teurer gekommen, deutete sie an. Es habe eine Bauruine gedroht, die bis zu 30 Millionen Franken gekostet hätte. Mit der Entscheidung weiterzubauen sei «wahrscheinlich die kostengünstigste Variante» gewählt worden. Nun sei die Stadt um ein «touristisches Highlight» reicher. Der Bärenpark stehe als Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit von Staat und Privaten. Hayoz sammelte fast 12 Millionen Franken für die Anlage. Dafür zumindest erhielt Hayoz nach viel Schelte Lob. Den Bärenpark möchte kaum mehr jemand missen.Christoph Aebischer>

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