Zum Hauptinhalt springen

Klangfest der charmanten Grenzgänger

JubiläumskonzerteZwischen Salonmusik, Jazz, Tango und Folklore: Mit zwei launigen Galakonzerten zelebrierte das Berner Quintett I Salonisti am Wochenende im Stadttheater sein 30-Jahr-Jubiläum.

«Ohne Sie gäbe es die Salonisti nicht. Vielen Dank. Bravo!», ruft Lorenz Hasler in die Ränge, und das Publikum applaudiert nach Kräften. Berns kammermusikalisches Vorzeigeensemble – berühmt geworden als Untergangsformation im Film «Titanic» (1997) – jubiliert im Stadttheater. Mit viel Musik, ein paar Clownerien und Kurztextrezitationen zwischen Kitsch und Komik. «30 Jahre – so jung», meint Hasler, der moderierende Violinist und sorgt damit für Heiterkeit. Die Ränge sind an diesem Freitagabend nicht voll, aber ordentlich besetzt, vorwiegend mit Salonisti-Fans in gesetztem Alter. Staunenswertes Repertoire Ein Heimspiel. Aber kein Jubiläumsbrimborium. Zwar schimmert die Bühnenwand in dezentem Gold, zwar zeigen sich die Jubilare in Anzug und modischem Halstuch. Doch sonst fehlt alles allzu festliche Beiwerk, auch rhetorisch. Fast verlegen weist Hasler auf den CD- und Jubiläumsbuchverkauf im Foyer hin – mit dem charmanten Hinweis, der Erwerb sei «absolut fakultativ». Und das Programmblatt ist derart spartanisch gehalten, dass man selbst nach den Namen der Stammmusiker vergeblich sucht. Im Mittelpunkt also steht – die Musik. Neue Stücke und (meist überzeugende) Arrangements finden sich neben Souvenirs aus früheren Programmen. Sie werfen ein Licht auf das staunenswerte Repertoire der Salonisti, das sich in den Jahren stetig verändert und verbreitert hat – hin zum Jazz, hin zum argentinischen Tango, hin zur osteuropäischen Folklore. Mitunter ganz schön sentimental. Und noch öfter ganz schön virtuos. Schon im Eröffnungsstück – Musik aus dem Musical «Fiddler on the Roof» – trifft beides zusammen, schwankend zwischen Wehmut und Raserei, angereichert mit neckischen Schiefheiten. Nicht zum letzten Mal muss Primgeiger Piotr Plawner danach die gerissenen Haare vom Geigenbogen klauben. Gratwanderung am Ende Viel zum abwechslungsreichen Festkonzert tragen die Gäste bei: Pál Rátonyi aus Ungarn spielt mit irrwitziger Geschwindigkeit und Präzision auf seinem hackbrettartigen Zimbal, begleitet vom teuflischen Tremolo der Salonisti. Ebenso einnehmend präsentiert sich der Westschweizer Saxofonist George Robert an der Seite des Quintetts. Mit seinem subtil-expressiven Zugriff prägt er den jazzigen Teil vor der Pause, der unter anderem mit arrangierten Stücken von Bill Evans, Michel Legrand und George Antheil aufwartet. Hemmungslos kitschig, ja überzeichnet wirkt der Schluss im Zeichen des argentinischen Tangos: eine Gratwanderung mit dem Bilderbuchbariton Armando Noguera, der auf der Bühne schmachtend Carlos Gardels «El día que me quieras» (Der Tag, an dem du mich liebst) ausbreitet.Oliver Meier;Weitere Jubiläumskonzerte: Sa, 3.12., 21 Uhr (ausverkauft), und So, 4.12., 20 Uhr, Mühle Hunziken, Rubigen: Wunschkonzert. www.muehlehunziken.ch. Jubiläumsbuch: «I Salonisti», Stämpfli-Verlag, 128 S. Erscheint am 25.11.>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch