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Mit «neuer» Bahn zum Hotel

brienz/axalpDas Baugerüst ist weg: Die für 1,2 Millionen Franken sanierte Giessbachbahn erstrahlt in neuem Glanz. Heute wird die Bahn im Beisein von Franz Weber wieder eingeweiht.

Auch wenn das Facelifting der Bahn am Brienzersee jetzt abgeschlossen ist und der Blick wieder nach vorne gerichtet werden kann, lohnt sich eine Rückblende auf die Anfänge der Giessbachbahn. So stammt die Seilbahn mit den zwei feuerroten Bahnwagen aus der Belle Époque. Die Besitzer des Giessbachhotels, die Hoteliers Hauser, erhielten 1878 von der Schweizerischen Bundesversammlung die Konzession für den Bau einer Seilbahn zwischen dem Brienzersee und dem 100 Meter höher gelegenen Hotel. Konstruiert und gebaut wurde die technische Meisterleistung vom genialen Ingenieur Roman Abt von der Internationalen Gesellschaft für Bergbahnen, Aarau. Abt entwickelte auch die heute noch in Betrieb stehende Kreuzungsweiche, dank der auf einem Geleise zwei Wagen gleichzeitig verkehren konnten. Eine weitere Knacknuss für damalige Verhältnisse stellte der Bau der fünfteiligen Eisenbrücke über den Giessbach mit einem Gewicht von 70 Tonnen dar. Für den Transport der Eisenteile vom See her wurde eigens ein drei Meter langer Güterwagen eingesetzt, der von Hand hochgekurbelt wurde. Für die Fahrstrecke von zwei Metern waren 35 Kurbelumdrehungen nötig. Damit waren vier Mann im Stande, eine Ladung von 3500 Kilogramm innert ungefähr sieben Stunden die Rampe hinauf zu schieben. Die Brücke wurde anlässlich der Renovation untersucht und mit einem neuen Anstrich versehen; keine einzige der Originalnieten musste ersetzt werden. Antrieb mit Wasserkraft Bei der Eröffnung am 21.Juli 1879 informierte der Bahnschaffner in der Talstation seinen Kollegen in der Bergstation mit elektrischen Klingelzeichen über die Anzahl geladener Passagiere und Gepäckstücke. Dementsprechend füllte dieser die Tanks unter dem Wagen mit Ballastwasser und zog den unteren Wagen mit Schwerkraft und CO2-frei hinauf. Bereits im ersten Betriebsjahr vom Juli bis Ende September wurde mit 14720 verkauften Billetten zu je einem Franken und Gepäcktaxen von 3040 Franken ein Einnahmenüberschuss von 1430 Franken erwirtschaftet – ohne jegliche Probleme, wie in der Chronik nachzulesen ist. Vor dem Bahnbetrieb liessen sich honorable Gäste in der Sänfte von zwei Mann für drei Franken hochtragen, für einen mitgeführten Koffer verlangten die Träger nochmals einen Franken. Heute kostet die einfache Fahrt sechs, die Retourfahrt neun Franken. Nach 33 Betriebsjahren wurde im Jahr 1912 der Antrieb mit Wasserübergewicht durch eine Wasserturbine ersetzt. Damit konnte die Fahrgeschwindigkeit von 1 Meter auf 1,2 Meter pro Sekunde gesteigert werden. Nach den Kriegsjahren übernahmen die Elektrowerke Reichenbach mit Fritz Frey die gesamte Anlage und installierten 1948 einen elektrischen Doppelmoter mit 25 PS, womit eine Geschwindigkeit von 1,9 Metern pro Sekunde erreicht wurde. In den Wintermonaten 2007/2008 und 2008/2009 wurden die beiden Wagen per Helikopter ausgeflogen und total renoviert. In der Winterpause 2009/2010 wurde die Steuerung ersetzt, und in den vergangenen Monaten ist die 200 Meter lange Eisenbrücke saniert worden. Nun können die Hotelgäste die letzte Etappe der Anreise vom Schiffssteg zum «Märchenschloss Giessbach» wie anno dazumal vom Hotelier Hauser beabsichtigt, bequem per Bahn erreichen. Hotelier Hauser hatte mit dem Bahnprojekt nicht nur bei seinen Hotelgästen die Nase vorn, er schlug auch seinem Konkurrenten Friedrich Seiler vom Hotel Jungfrau in Interlaken ein Schnippchen; dieser prüfte den Bau einer Bahn von Interlaken nach dem Hotel Giessbach, um damit seine Gäste nach dem Besuch der illuminierten Giessbachfälle wieder zurück in sein Hotel zu holen. Die Giessbachbahn verbindet die Schiffanlegestelle Giessbach See mit dem Grandhotel. Die Streckenlänge beträgt 345 Meter (93 Meter Höhenunterschied). Beat Jordi >

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