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120 Leute wollen einen Baum

Shahverdi Ahadovs Plan im Frühling war, von Bern aus die Nussbäume in

Shahverdi Ahadovs Traum: Dereinst steht an Weg- und Ackerrändern, in öffentlichen Parks und auf privaten Grundstücken vermehrt ein Baum, der über Jahrhunderte zu jedem Hof gehörte: der Nussbaum. Dafür hat der in Bern wohnhafte Aserbaidschaner ein ehrgeiziges Projekt ins Leben gerufen. Er hat Politiker und Landwirte angeschrieben und versuchte, die Öffentlichkeit für seine Nussbäume zu gewinnen. Die Nüsse, die der Samichlaus verteilt oder die zu Nusstorten verarbeitet werden, sollen nicht mehr aus Frankreich und Kalifornien, sondern aus einheimischem Anbau stammen. Vier von fünfzig Der ehemalige stellvertretende Wirtschaftsminister von Aserbaidschan floh aus politischen Gründen in die Schweiz. Hier ist der ausgebildete Agronom Asylbewerber und Praktikant beim BNF (Biomedizin – Naturwissenschaft – Forschung)-Programm der Universität Bern. Dieses ist «zur vorübergehenden Beschäftigung für hoch qualifizierte Stellensuchende» gedacht. Unabhängig vom BNF hat Shahverdi Ahadov das Nussbaumprojekt lanciert. Die Idee, eine halbe Million Nussbäume zu pflanzen, ist bei einigen auf offene Ohren gestossen. Andere hingegen wollten das Projekt nicht unterstützen. «Vom Bund werde ich keine Hilfe bekommen», erklärt Ahadov. Der abschlägige Bescheid wird mit «fehlenden rechtlichen Grundlagen im Landwirtschaftsgesetz» begründet. Anders sieht es von privater Seite her aus. Rund 120 Interessierte haben sich bereits bei Ahadov gemeldet. Sie alle möchten einen Nussbaum-Setzling für ihr Grundstück. Die Biobaumschule Glauser in Noflen und der Staatsforstgarten in Lobsigen werden die Pflänzchen liefern. Ahadov hat auch alle möglichen privaten Stiftungen angeschrieben. Die Antworten hat er sortiert: 22 der 50 Gesuche wurden mit einem Nein beantwortet. Die Liste der positiven Antworten ist kürzer. Immerhin vier Stiftungen wollen das Projekt weiterverfolgen. Unerwartete Hilfe Ahadovs Mühe wurde auch auf unerwartete Weise belohnt: Seine Anfrage an eine Zürcher Stiftung gelangte in die Hände einer offenbar gutbetuchten Dame. Die Zürcher Stiftung wollte Ahadov zwar nicht unterstützen. Die Dame jedoch, die anonym bleiben will, war von der Idee so begeistert, dass sie privat 10000 Franken für die Nussbäume spendete. Verein für die Nuss Nun steht der nächste Schritt bevor: Am 1.November wird Ahadov mit einigen Mitstreitern den «Verein zur Förderung des Walnussanbaus und zur Verarbeitung der Produkte in der Schweiz» gründen. Denn Ahadov hat schon weiter gedacht: «Im Aargau gibt es eine Ölmühle. Dort könnte man einen Teil der Nüsse zu hochwertigem Öl verarbeiten.» Ab November sollen die Nussbäume dann auch endlich gepflanzt werden. Im Rahmen des BNF-Programms besucht Shahverdi Ahadov verschiedene Weiterbildungen und arbeitet zum Beispiel an Projekten vom WWF mit. So verliert er den Anschluss an die Berufswelt nicht ganz. Bei seiner Umtriebigkeit wäre das wohl auch sonst nicht zu befürchten. Martina Bisculm>

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