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40 Jahre erfolgreich gerahmt

Godi ZurbuchenNach fast 40 Jahren schliesst Godi

Plötzlich stand er in Godi Zurbuchens Laden an der Gerechtigkeitsgasse, der leibhaftige Bill Clinton. Vor ein paar Jahren wars, als der ehemalige US-Präsident in der Altstadt flanierte und in Zurbuchens Foto- und Postershop ein Bild entdeckte. Clinton bewunderte eine riesige Fotografie des Monument Valley und rühmte dessen Einzigartigkeit. «Ich musste ihm dann erklären, dass es sich bei der Aufnahme nicht um das Monument Valley handelt, sondern um eine Felsformation in der algerischen Sahara», erzählt Zurbuchen und schmunzelt. Das Bild steht nicht mehr im Geschäft, aber an der Wand hängt eine Fotografie von Bill Clinton. Der 77-jährige Godi Zurbuchen, gelernter Automechaniker, ehemaliger Manager von Chrysler Schweiz sowie Absolvent der Kunstgewerbeschule in Vevey, zieht seit 1974 in der Altstadt Fotos auf – eigene und solche, die Profifotografen gemacht haben – rahmt Bilder und Pläne ein, macht Rahmen und verkauft Poster. Es sind vor allem Naturaufnahmen, darunter viele Panoramen: die Alpenkette, die Berner Altstadt, Satellitenaufnahmen von Kontinenten und der Erdkugel – und immer wieder die Wüste, die Sahara. Mehrmals ist Zurbuchen nach Algerien gefahren, mit Kollegen oder einer kleinen Reisegruppe. Es waren Abenteuerreisen weitab der Zivilisation. Überfall in der Sahara Wenn Godi Zurbuchen von seinen Reisen zu den Tuareg erzählt, spricht er plötzlich französisch, sehr schnell, und er kommt ins Schwärmen. Aber wenn er an den 18.Oktober 2002 denkt, vergeht ihm das Lachen. Damals war er wieder einmal mit drei Kollegen und zwei Autos in der Sahara, im Süden Algeriens unterwegs. Die Gruppe wurde gestoppt. «Es ging alles sehr schnell», erzählt Zurbuchen. «Wir wurden von mehreren schwer bewaffneten Männern umzingelt, sie wollten alles – unsere Wagen und die komplette Ausrüstung.» Einer habe immer mit dem Koran herumgefuchtelt und geschrien. Dann wurde die Reisegruppe mehrere Kilometer verschleppt. «Dort waren vier Gräber ausgehoben», sagt Zurbuchen. Weshalb er und seine drei Kollegen nach sieben Stunden plötzlich freigelassen wurden, ist ihm nicht klar. Dieser Vorfall hielt Zurbuchen aber nicht vor weiteren Reisen nach Algerien ab. Und er geht jeweils nicht mit leeren Händen. «Ich habe unzählige chirurgische Instrumente für algerische Spitäler mitgenommen, Instrumente, die hier nicht mehr gebraucht werden.» Nachfolger gefunden Seine nächste Reise hat er bereits wieder geplant. Im März gehts los. Und ein Buch will er demnächst auch herausgeben. Zuvor aber muss er den Laden räumen. «Ein neuer Boden kommt rein, und in ein paar Wochen meine Nachfolger, die hier etwas Ähnliches wie ich machen werden», erklärt er. Es hätten sich unzählige Interessenten für das Lokal gemeldet. Dass er so viele Jahre durchgehalten habe, hätte kaum jemand gedacht. «Als ich vor über 30 Jahren einzog, überboten sich Geschäftsinhaber in der Gerechtigkeitsgasse mit Wetten, dass ich keine 2 Jahre bleiben würde.» Er habe viele von ihnen überlebt. «In den ersten 2 Jahren habe ich draufgelegt, ab dem dritten habe ich verdient.»Urs Wüthrich >

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