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550 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Sappi BiberistDer Papierfabrik von Sappi im solothurnischen Biberist droht die Schliessung. Die Mitarbeiter können aber noch innert sechs Wochen Vorschläge zur Weiterführung des Betriebs einreichen.

Die Papierfabrik Sappi in Biberist SO steht vor dem Aus. Wie bei der Schliessung der Kartonfabrik Deisswil entscheidet die Zentrale eines internationalen Konzerns – der Mutterkonzern ist in Südafrika – über die Zukunft des Werks. Der Grund für das drohende Aus sind «Überkapazitäten für gestrichenes und ungestrichenes Feinpapier» – die Branche produziert also mehr, als die Kundschaft nachfragt. Gemäss Nicolas Mühlemann, Werksleiter der Sappi Biberist, liegt die Überkapazität in Europa bei einer Million Tonnen Papier. Doch warum soll Biberist und nicht einer der acht anderen Sappi-Standorte geschlossen werden? Der vom Ausland angereiste Verwaltungsrat Mat Quaedvlieg begründete den Entscheid gestern vor Medien mit steigenden Zellstoffpreisen und höheren Energiekosten. Biberist schreibe deswegen rote Zahlen. Im Gegensatz zu anderen Sappi-Fabriken verfügt Biberist nicht über eine eigene Zellstoffproduktion, was laut Quaedvlieg ein entscheidender Nachteil ist. Lohn- und andere Betriebskosten schloss Verwaltungsratspräsident Berry Wiersun als Schliessungsgrund explizit aus – der Standort Biberist habe alles getan, um Kosten zu senken. Innerhalb des Konzerns gehöre Biberist zu den Klassenbesten. Ebenfalls eine Rolle spielen dürfte der starke Franken, der den Schweizer Standort zumindest vorübergehend zusätzlich schwächt. Erste Liga In der Papierproduktion spielt Sappi mit insgesamt 15600 Angestellten weltweit in der ersten Liga. Die Spitzenposition will der Konzern mit dem Abbau von Überkapazitäten verteidigen. Für Martin Blaser, Gemeindepräsident von Biberist, ist das nachvollziehbar. Zugleich ist er aber überzeugt, dass die grosse räumliche Distanz des Managements zum Biberister Werk ein Nachteil sei. Martin Häberli, Vizedirektor des Verbands der Schweizerischen Zellstoff-, Papier- und Kartonindustrie, kritisiert auch die Schweizer Politik: «Hierzulande fehlt der politische Wille für die Unterstützung der Basisindustrie.»Zum Beispiel in Frankreich könne die Industrie den Strom 30 Prozent günstiger beziehen – ein Wettbewerbsvorteil gegenüber der Schweiz. Es gibt noch eine Chance In Deisswil standen 255 Mitarbeiter auf der Strasse, in Biberist geht es nun um 550 Stellen. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Jetzt läuft ein sechswöchiges Konsultationsverfahren. Während dieser Zeit können Mitarbeiter und Sozialpartner Vorschläge ausarbeiten, um das Überleben des Betriebs zu sichern. Am Ende entscheidet der Verwaltungsrat. Das Management von Sappi kann sich auch vorstellen, das Werk zu verkaufen. Dies aber nur unter folgender Bedingung: Es darf keine neue Konkurrenz entstehen. Das bedeutet letztlich, dass das Werk zumindest teilweise umgerüstet werden müsste. Die Beschäftigten wurden gestern morgen informiert. Die anwesenden rund 400 Angestellten seien geschockt gewesen, sagte Nicolas Mühlemann. Die Enttäuschung sei sehr gross. Mühlemann, selber seit 22 Jahren im Unternehmen, zeigte sich tief betroffen, mit Herzblut habe man gekämpft, jetzt würden Frust, Niedergeschlagenheit und private Ängste vorherrschen. Für die Belegschaft stehe vor Ort ein Careteam zur Verfügung. Heute wird eine erste Sitzung im Rahmen des Konsultationsverfahrens stattfinden. Die Gewerkschaft Unia kritisierte das Vorgehen des Sappi-Vorstands. Beim Schliessungsentscheid sei die frühzeitige Information der Sozialpartner und der Arbeitnehmervertreter unterlassen worden. «Die Belegschaft, die Arbeitnehmervertretung und die Gewerkschaften werden damit vor vollendete Tatsachen gestellt», teilte die Unia mit. ki>

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