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Angst vor Bürgerkrieg und Teheran

BahrainDer Botschafter des Königreichs warnt an einer Pressekonferenz in Bern eindringlich vor einem Bürgerkrieg und vor der Aggression des benachbarten Iran.

«Ich kenne ihn und lese auch, was er in seinem Blog schreibt», sagt Naser Belooshi über den in Bahrain am Mittwoch in der Früh um 3 Uhr verhafteten Blogger Mahmud al-Jussef. «Aber jetzt geht es einzig darum, den Bürgerkrieg zu verhindern», erklärt Belooshi und rechtfertigt so den Polizeieinsatz gegen den bekanntesten schiitischen Blogger in seiner Heimat. Iran und die Hisbollah Die Verhinderung des Bürgerkriegs, das die zentrale Botschaft, mit der Belooshi gestern eigens aus Paris angereist ist. Er ist dort Botschafter des Königreichs Bahrain und auch für die Schweiz zuständig. «Die Verhaftung und der Notstand werden vorübergehende Massnahmen sein», versucht er zu beruhigen. Die Proteste hätten sich radikalisiert. «Inzwischen lähmt die Protestbewegung das öffentliche Leben und terrorisiert Leute», sagt Belooshi. 430 Finanzinstitute gebe es in Bahrain, das sei das zentrale Standbein der Wirtschaft. «Wenn das nicht funktioniert, geht in unserem Land nichts.» Für die Handvoll Journalisten, die seiner Einladung ins Hotel Bellevue gefolgt sind, hat Belooshi weitere Botschaften bereit. Sein Land müsse sich gegen mögliche Aggressionen aus dem Iran wappnen, auch die libanesische Hisbollah und Kräfte im Irak erwähnt er. «Daher haben wir die Hilfe unserer Verbündeten angefordert.» Vor gut zwei Wochen sind Panzer aus Saudiarabien über den König-Fahd-Damm auf den Inselstaat gerollt. «Sie sind einzig da, um strategische Infrastruktureinrichtungen zu schützen.» Wie lange bleiben die Truppen? «So lange, wie sie die Sicherheit garantieren müssen», ist Belooshis vage Antwort. «Das sind für uns keine ausländischen Truppen. Wir sind eine Familie, ich habe selbst Cousins in Saudiarabien und Oman», sagt er. «Wir wollen keine Islamische Republik Bahrain. Wir wollen religiösen Frieden.» Dafür habe König Hamad ibn Isa al-Khalifa seit Amtsantritt 1999 viel getan, etwa mit der Gründung des «Ministeriums für soziale Entwicklung». Regionaler Machtkampf Bahrains Herrscherdynastie ist sunnitisch. Die Bevölkerungsmehrheit aber ist schiitisch. Das ist der Kern des aktuellen Konflikts. Ausländische Beobachter in Bahrain sehen darin eine Art regionalen Machtkampf zwischen dem Iran und Saudiarabien, von dem Bahrain auch wirtschaftlich abhängig ist. Sollte die Monarchie in Manama zu wanken beginnen, dann wäre wohl auch Riad nicht mehr vor Unruhen gefeit, so die Befürchtung in Saudiarabien. Am 17. Februar – zeitgleich mit den ersten Protesten in Libyen – gab es den ersten Polizeieinsatz in Manama. Zum Zentrum der Proteste wurde der Perlenplatz. Bisher sind über 20 Menschen umgekommen, es gibt viele Verletzte und Hunderte von Verhafteten und Vermissten. Was als Kundgebungen einer Demokratie fordernden Jugendbewegung begann, hat inzwischen einen tiefen Graben zwischen Schiiten und Sunniten gerissen. Nicht mit Libyen vergleichbar «Wir sind nicht mit Tunesien und schon gar nicht mit Libyen vergleichbar», sagt Belooshi und schiebt einige beeindruckende Wirtschaftseckdaten nach. Anders als Katar beteilige sich sein Land nicht an der Koalition gegen Ghadhafi. «Unsere Aufgabe ist es jetzt, unser Land vor einem möglichen Angriff von aussen zu schützen.» Die Gewalt in seiner Heimat hat ihm sichtlich zugesetzt. «Eine derartige Spaltung in unserer Gesellschaft habe ich noch nie erlebt», sagt er nachdenklich, «und immerhin bin ich 56 Jahre alt.» Andreas Saurer>

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