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Architekten kritisieren Stadt

Fehlt es der Stadt Thun ohne Stadtarchitekt an Weitsicht? Ursula Haller stellte sich im Rahmen des Architekturforums der Kritik.

Am Anfang hagelte es in der Halle 6 Kritik. Johannes Saurer, Mitgründer des Architekturforums und Gastgeber, zählte den Anwesenden auf, wo die Stadt in letzter Zeit architektonisch versagt habe. «Gerade bei augenfälligen Dingen, die als Visitenkarte dienen: Beispielsweise die Schiffländte, die seit Jahren provisorisch aussieht, die Eishalle im Grabengut oder der geplante Abbruch des Kino Rex.» Nicht verschont blieb der Neubau des Selve-Quartiers. «Man hat die Geschichte dieses Areals zerstört», klagte Saurer. Damit sich solche «verpassten Chancen», wie er sie nannte, nicht wiederholten, brauche es einen Stadtbaumeister. Kein Stadtarchitekt Ein solcher Stadtarchitekt, bei dem die Fäden zusammenlaufen, fehlt der Stadt Thun seit der Verwaltungsreform im Jahr 2002. Die Bereiche Städtebau und Stadtliegenschaften wurden auf zwei Direktionen verteilt. «Heute wird vieles durch Investoren und die politische Agenda bestimmt, die Gestaltung verkommt zur Nebensache», sagte der Architekt. Zwei Referenten äusserten sich am Mittwochabend zum Thema: Thuns Gemeinderätin Ursula Haller (BDP), zuständig für Bildung und Entwicklung, sowie Erol Doguoglu, Stadtarchitekt von St. Gallen. «Architektur und Stadtplanung sind zweifellos wichtige Faktoren für die Attraktivität eines Ortes», begann der Gast aus der Ostschweiz. Das zeigten Beispiele wie Bilbao, eine Stadt in Spanien, die dank eines verrückten Baus in kürzester Zeit bekannt wurde. Doch das sei der falsche Weg. «Es muss sich eine langfristige Kultur entwickeln, die in der Stadtregierung nicht nur von einer, sondern vielen Personen gepflegt wird.» Verschiedene Interessen «Auch in Thun ist städtebauliche Qualität wichtig», sagte Ursula Haller. Sie nahm den Ball, den Saurer einleitend scharf geworfen hatte, auf: «Die Stadt will bei der Schiffländte schon lange etwas verändern, aber die BLS kann halt auch mitreden.» So sei es eben: Meistens müssten die Interessen mehrerer Parteien befriedigt werden. «Und vieles wird von der Politik vorgegeben.» Heute befindet sich das Planungsamt und das Bauinspektorat in der von Haller geführten Direktion Bildung und Entwicklung, getrennt vom Amt für Bau und Liegenschaften. Das bedeutet mehr Schnittstellen, und wohl öfters, wie von mehreren Architekten an diesem Abend geäussert, Gärtchendenken. Doch Haller betonte, dass die fachliche Meinung deshalb nicht weniger zum Tragen komme. «Eine entscheidende Rolle spielt der Fachausschuss Bau und Aussenraumgestaltung, den wir sehr ernst nehmen.» Es ist ein Team von Architekten, die meisten mit ETH-Abschluss. Die meisten grösseren Projekte würden durch diesen Fachausschuss bewertet. Moderator Christoph Müller wandte sich ans Publikum, das grösstenteils aus Architekten bestand. Urs Hettich bat ums Mikrofon. Der ehemalige Kantonsbaumeister warf der Stadt vor, zu wenig in die Zukunft zu schauen. «Es braucht nicht so viele Zuständige, sondern einen Stadtarchitekten mit Weitblick und einem guten Team.» Der St. Galler Stadtarchitekt Doguoglu glaubte, das Problem zu erkennen: «Gegen aussen scheint bei euch niemand verantwortlich zu sein, es fehlt eine Anlaufstelle, wo alle Fäden zusammenlaufen.» Einige Zuhörer reagierten mit zustimmendem Nicken. Christoph Kummer >

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