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Auch der junge Emmentaler stolpert über das «Gloschli»

Berndeutsche Ausdrücke zu verstehen, entpuppt sich zuweilen nicht nur für Zürcher als schwierig. Das fördert ein Wettbewerb am diesjährigen Christchindlimarkt zutage.

Können sich Berner und Zürcher überhaupt verstehen? Die Debatte darüber, dass die Schweizer Hauptstadt und die Schweizer Wirtschaftskapitale einfach nicht so recht miteinander klarkommen, ist alt wie die Konkurrenz zwischen den beiden Zentren, und die Emmentaler haben auch dieses Jahr wieder die Probe aufs Exempel gemacht. Einmal mehr sind sie an den Christchindlimarkt im Hauptbahnhof Zürich gezogen, um dort in vorweihnächtlichem Glanz ihre Produkte feilzubieten. Echte «Ämmitaler Ruschtig» könnte man mit Blick auf das offizielle Gütesiegel auch sagen – und damit eben gleich noch den Nebenschauplatz anklingen lassen, den die Region seit ein paar Jahren mit genauso viel Liebe pflegt wie ihr unübersehbares Holzhäuschen: «Kennen Sie das Emmental und seine Sprache?», wollte sie in den vergangenen Tagen und Wochen keck von den Miteidgenossen im Osten der Schweiz wissen. Ein paar Kostproben gefällig? Nun, was «d Troufi» ist, lässt sich rasch einmal erahnen. Immerhin ist das Wort Traufe dem Hochdeutschen nicht fremd und steht – nein, eben nicht für die Taufe, wie man auf dem Antworttalon auch ankreuzen könnte , sondern – richtig, für die Dachrinne. Auch im «Pfänni» ist unschwer die Pfanne erkennbar, und dass «are Zylete» mit «in einer Reihe» zu übersetzen ist, liegt mit Blick darauf, dass Reihe und Zeile in der Schriftsprache zum Teil im selben Sinn verwendet werden, genau gleich auf der Hand. Schon heikler wird es beim «Gliger», das sich nach kürzerem oder längerem Überlegen – genau, irgendwie klingt ja das Wort «liegen» an – als Bett entpuppt. Definitiv schwierig wird es für Aussenstehende, jedenfalls soweit sich dies als Berner erahnen lässt, mit den Ausdrücken «das isch ä Jufli» und «was do azchere wär». Zumal der Wettbewerbsbogen, so steht es unübersehbar in den Bedingungen, nur gültig ist, wenn er direkt am Marktstand ausgefüllt wird. So können zwar hilfsbereite Passanten, nicht aber das Lexikon oder der Computer daheim helfen – item, für all jene, die die Lösung nicht ohnehin längst wissen, seis verraten: Ein «Jufli» ist «einer, der alles hastig macht», und «was do azchere wär» bedeutet nichts anderes als «was hier zu tun wäre». Noch sind die eingegangenen Antworten nicht ausgewertet, das, so verheissen die Verantwortlichen, werde wohl erst nach dem Festrummel Anfang Januar geschehen. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre müssen sie allerdings davon ausgehen, dass die Durchfallquote relativ hoch sein wird. So verstanden beim Wettbewerb vor einem Jahr von den gut 1400 Teilnehmerinnen und Teilnehmern nur gerade deren 50 alle abgefragten Ausdrücke richtig. Und nahmen damit überhaupt erst an der Verlosung teil – damit dürften die Chancen auf einen der zehn Preise auch dieses Mal für all die glücklich Wissenden wieder hoch sein. Nun denn, liebe Zürcher, auch wenn eure Bilanz derart durchzogen ist: Schämen müsst ihr euch noch lange nicht. Denn sogar der junge Bürokollege, ein waschechter Oberemmentaler, wäre heuer nicht in die Kränze gekommen. Bei der Frage, was denn ein «Gloschli» sei, musste der 21-Jährige passen. Natürlich, damit ist doch der Unterrock gemeint – Sie hättens sicher gewusst, oder?Stephan Künzi>

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