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Auf Spurensuche in der Seele

Unter dem Motto «inne-halten» lädt der Belper Pfarrer Michel Wuillemin ein, sich mit Mystik und Meditation auseinanderzusetzen. Am Samstag leitete er eine Pilgerwanderung ohne Worte auf Schneeschuhen.

«Von der Sonne lernen zu brennen, von den Wolken lernen zu schweben.» Dieses und weitere Zitate gibt der Belper Pfarrer Michel Wuillemin der Pilgergruppe mit auf den Weg. Die Teilnehmer des Pilgertags hören andächtig zu. Die Schneewanderung ist Teil des Jahresprogramms «inne-halten» der reformierten Kirche Belp (siehe Kasten). Sechs Frauen und fünf Männer aus der Kirchgemeinde Belp nehmen am Pilgertag mit Schneeschuhen teil. Unter der Führung von Wuillemin wollen sie heute eintauchen in die Stille der Natur und in das Innere ihrer Seele. «Stille ist passiv, Schweigen ist aktiv», sagt Wuillemin zu Beginn der Reise. «Wir wollen in Schweigen kommunizieren.» Das lateinische «communicare» heisse auch, etwas gemeinsam zu machen. Vier Stunden unterwegs Auf 1950 Metern empfängt uns das Niederhorn. Die Kälte beträgt minus neun Grad. Graue Wolken bauschen sich am Himmel. Sonnenstrahlen bahnen sich hie und da einen Weg. Die Stimmung der Teilnehmer ist fröhlich, und vor dem Aufbruch zur vierstündigen Wanderung ist von Schweigsamkeit noch nichts zu spüren. Es wird gescherzt und gelacht, und Neulinge holen sich Tipps von erfahrenen Schneeschuhläufern. Die Schneeschuhe werden angepasst und die Ausrüstung ein letztes Mal überprüft. Die Pilgerreise führt vom Niederhorn über die Bäreney nach Beatenberg Waldegg. «Wir werden von jetzt an schweigen», sagt der 45-jährige Wuillemin. Er fordert alle auf, einen Schneeball zu formen und darin etwas einzupacken, «das uns beschäftigt und an das wir jetzt nicht mehr denken wollen». Wer will, wirft den Schneeball weit weg. Dann startet die Kolonne ihren schweigenden Marsch. Schweigend aufwärts Zu Beginn erwartet uns ein steiler Aufstieg, und der eine oder andere Teilnehmer wäre angesichts der Anstrengung wohl auch ohne Schweigegebot verstummt. Mit zügigem Tempo pfadet Michel Wuillemin die Spur und führt die Gruppe auf den höchsten Punkt der Wanderung, den Burgfeldstand auf 2063 Metern. «Wir wollen die Wahrnehmung schärfen», sagt Wuillemin. Vor uns erstreckt sich das weite Bergpanorama. «Prägt euch ein Bild ein, schliesst die Augen und ruft das Bild im Kopf ab.» Dann beginnt die nächste Etappe, ein Abstieg. Die Schneeschuhe finden wenig Halt im weichen Schnee des steilen Abhangs, und eine mit fröhlichem Lachen begleitete Rutschpartie beginnt. Anschliessend kehrt in der Gruppe bald wieder Ruhe ein. Natur statt Kirche Es sind gesellige Menschen, die am Pilgertag teilnehmen. Sie sei gerne mit anderen Menschen zusammen, sagt zum Beispiel Barbara König aus Belp. «Ich schätze Besinnlichkeit in der Natur mehr als in der Kirche», meint sie. Eine Teilnehmerin fühlte sich eingeengt in der Gruppe. Sie suchte eine eigene Spur im Schnee. Der Pilgertag als Spurensuche. Simone Wölfli •www.refbelp.ch >

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