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Aufstand am Stadttheater

Schauspielchef Erich Sidler hat sich mit Intendant Marc Adam überworfen und verlässt das Stadttheater Mitte 2011. Grund dafür sind Sparmassnahmen, die an der gestrigen Spielplanpräsentation

«Wir bringen nicht mehr Leute ins Theater, wenn wir uns öffentlich zerfleischen», rief Henri Huber, Verwaltungsratspräsident des Stadttheaters, gestern in die Runde. Es war ein gut gemeinter Appell, als längst nichts mehr zu retten war. Was als wackere Spielplan-Medienkonferenz begonnen hatte, mündete in einen handfesten Streit. Nachdem Intendant Marc Adam das Musiktheaterprogramm der nächsten Saison präsentiert hatte, übernahm Schauspielchef Erich Sidler das Wort und liess die Bombe platzen: Das Vertrauensverhältnis zwischen Marc Adam und ihm sei «zerrüttet». Er ziehe deshalb die Konsequenzen und werde das Haus Ende der Saison 2010/2011 verlassen, so Sidler. Der anschliessende Disput im Saal nahm theatralische Züge an: Das versammelte Schauspielensemble stellte sich demonstrativ hinter den Spartenleiter und griff den Intendanten frontal an, nachdem es bereits am Vorabend an einer internen Versammlung seinen Unmut geäussert hatte. Stadttheaterpräsident Huber versuchte derweil vergeblich, die Wogen zu glätten. Sparentscheid als Auslöser Hintergrund des Eklats sind Sparmassnahmen zulasten des Schauspiels. 100000 Franken muss die Sparte in der nächsten Saison einsparen – eine Zumutung, meinte Sidler: Das Ensemble sei finanziell und personell längst am Anschlag. Dass seine Sparte bluten müsse, sei umso stossender, als er das Budget und die Auslastungsvorgaben von 75 Prozent bisher eingehalten habe. Dies im Gegensatz zur teuren Opernsparte, die mit einer Auslastung von 62 Prozent in der aktuellen Saison weit hinter den Erwartungen zurückbleibe. Bereits im Hinblick auf die laufende Saison hätte das Schauspiel ursprünglich auf 110000 Franken verzichten müssen. Nachdem Sidler beim Verwaltungsrat insistierte, wurde Intendant Marc Adam zurückgepfiffen: Gegen den Antrag des Intendanten verzichtete der Verwaltungsrat, auch mit Blick auf die Etablierung der Vidmarhallen, vor Jahresfrist auf eine Budgetkürzung beim Schauspiel. Als Sidler im Januar von Adam erneut mit einer Sparübung beauftragt wurde, verzichtete er darauf, erneut beim Verwaltungsrat zu insistieren. «Ich bin es leid, jedes Jahr die gleichen Diskussionen zu führen», sagte Erich Sidler gestern und hielt an die Adresse des Intendanten fest: «Mir ist schleierhaft, wie an diesem Haus die Ressourcen verteilt werden.» Adam «bedauert» Abgang Der Intendant hatte dem Treiben wenig entgegenzusetzen. Er bedaure den Abgang, respektiere aber den Entscheid des Schauspielchefs. Sidler habe «viel geleistet» für den Aufbau der Vidmarhallen, so Adam. Dass die Opernsparte nur geringfügig sparen muss, begründete er damit, dass das Musiktheater einen Grossteil der Einnahmen generiert. Weil das Stadttheater zudem vertraglich mit dem Berner Symphonieorchester verbunden sei, könne man nicht ohne weiteres eine Produktion streichen, sagte Adam. Begründungen, die das aufgebrachte Ensemble offenkundig nicht zufrieden stellte. Stadttheaterpräsident Huber, der den Groll der Schauspieler ebenfalls zu spüren bekam, zeigte Verständnis für die Nöte der Schauspielsparte und liess durchblicken, dass die Budgetkürzung im Verwaltungsrat für Kontroversen sorgte. Angesichts der «erodierenden Einnahmen» im grossen Haus sei aber «hartes Sparen» angesagt, zumal der Subventionsgeber eine ausgeglichene Rechnung verlange. «Ich bedaure, was passiert ist. Wie so oft müssen die kleinen Sparten bluten», sagte Huber, der erst kurz vor der Medienkonferenz vom Abgang Sidlers erfahren hatte. Oliver Meier>

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