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Aus Sturmschaden viel gelernt

Der Bucheggberg war vom Sturm «Lothar» besonders betroffen. Zehn Jahre nach dem Naturereignis zieht die Solothurner Regierung ein positives Fazit: Die Verantwortlichen hätten damals richtig reagiert und seither viel dazugelernt.

Beantwortet Fragen: Elisabeth Lenz ist Präsidentin der Bürgergemeinde alt Messen.
Beantwortet Fragen: Elisabeth Lenz ist Präsidentin der Bürgergemeinde alt Messen.
Robert Grogg, Cagle.com

Im zwölf Hektaren grossen Waldreservat von Messen – es ist vom Kanton Bern umgeben – zogen die Solothurner Vertreter von Politik und Forst gestern Bilanz. Von «Lothar» am härtesten betroffen war am 26.Dezember 1999 der Bezirk Bucheggberg. Allein dort fielen 65000 Kubikmeter Schadholz an. Im ganzen Kanton waren es 250000 Kubik. Die materiellen Schäden und Folgekosten betrugen total 15 bis 20 Millionen Franken. Ein grosser Teil ging zulasten der Waldeigentümer.

Die Räumungsarbeiten seien gut organisiert worden. Kein einziger schwerer Unfall sei passiert, erklärte Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler gestern draussen im Wald vor den Medien. Der Sturm jedoch habe sich in den Köpfen eingebrannt wie «nine-eleven»: «Jeder weiss heute noch, wo er am 26.Dezember 1999 war.» Da keine Schutzwälder geschädigt worden seien, habe der Kanton Solothurn schnell einen «taffen» Entscheid gefällt, wonach die Waldeigentümer eigenverantwortlich hätten bestimmen können, ob sie ihr Sturmholz aufrüsten oder liegen lassen wollten. «Dieses finanzpolitische Signal hat sich volkswirtschaftlich als richtig erwiesen», sagte Gassler gestern. Hingegen habe der Kanton Solothurn seither die Wiederherstellung zerstörter Wälder und Waldwege unterstützt. Andere Kantone hätten rasch viel Geld zur Verfügung gestellt, so Esther Gassler. «Das hat nicht viel gebracht. Der lange Zeitrahmen von zehn Jahren hat uns vor übereiltem Handeln bewahrt und so mehr Möglichkeiten zur natürlichen Waldentwicklung geboten.» Ökologisch und ökonomisch habe sich dies gelohnt.

Waldreservat geschaffen

Aus der Sturmholzzentrale hat sich die Aareholz AG entwickelt. Das sei nur eine von vielen positiven Auswirkungen des Sturms, sagte Gassler. Als zweites Beispiel nannte sie das Waldreservat Messen, wo eine national bekannte Beobachtungs- und Forschungsfläche geschaffen wurde. Sturm «Lothar» habe für die Waldeigentümer grossen ökonomischen Schaden angerichtet, für den Wald stelle das Naturereignis jedoch keine Katastrophe dar.

Laut Kantonsoberförster Jürg Froelicher entspricht der Schaden der Waldbesitzer einem ganzen Jahresumsatz. Die zugesicherten Finanzmittel seien gezielt und wirkungsvoll eingesetzt worden. Der Kanton beteiligte sich mit 2,9 Millionen, der Bund mit 3,3 Millionen an den Massnahmen, die total 11 Millionen Franken kosteten. Die kantonalen Gelder seien nur zu 80 Prozent ausgeschöpft worden und aus dem Forstfonds geflossen. Steuergelder seien also keine verwendet worden.

52 Kilometer Waldwege wurden saniert, davon profitieren auch die Erholungssuchenden. Der Wiederaufbau der Wälder sei restriktiv und ausschliesslich mit einheimischen Laubbäumen erfolgt, so Kreisförster Ulrich Stebler. Heute achte man mehr auf die Verjüngung als vor dem Sturm.

Nutzung halbiert

«Als wir uns damals in den Wald wagten, war das ein Schock», so Elisabeth Lenz, die Präsidentin der Bürgergemeinde alt Messen, «das Ausmass der Schäden hat man erst aus der Luft realisiert.» Finanziell belaste «Lothar» die Kasse immer noch. Die Holznutzung habe sich um mehr als die Hälfte reduziert. Mit Geld von gestern finanziere man die Pflege- und Forstarbeiten von heute: «Unser Wald wurde aber nicht zerstört, er hat ein neues Gesicht bekommen.»

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