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Ausstecher-Freak auf süsser Mission

CupcakesDie Kanadierin Sandra Jennings macht in Biel Cupcakes statt Güezi zu Weihnachten. Wir haben einen Workshop besucht. Süss!

Cupcakes mit Pflanzenöl machen? «Maximum grusig!» Sandra Jennings verzieht ihren Mund und verdreht die Augen und spricht über Kuchenerfahrungen in den USA und Kanada. Dort ist zwar das Kuchenmekka, aber nicht immer schmeckt, was schön aussieht. Hier und jetzt hoffentlich schon. Denn heute ist Workshop bei Miss Kitsch, wie sich die Kanadierin Jennings nennt. Ihre Mission: Sie will uns zu «Superstars» machen. Und Supermamis, wie sie eine ist, wenn sie mit ihren Kuchenkreationen auf dem Schulhof ihrer Kinder auftaucht. Eine Welt, in der Kuchen gebacken und verschenkt werden, ist eine bessere, davon ist Miss Kitsch überzeugt. Und: «Ihr, die ihr Freude am Backen habt, seid cool people!» Investition Backstube Wir zehn coolen Menschen lernen jetzt, wie man Cupcakes dekoriert. Das Kurslokal, ein Kellergeschoss eines Wohnhauses in Orvin bei Biel, ist ein Schlaraffenland. Miss Kitschs Werkstatt ist vollgestopft mit Kuchendekorationen, ein ganzes Lager voller Backzubehör wartet darauf, auf Cupcakes zu landen. «Kitschcakes» – der Name ist Programm, aber nur ein bisschen. Denn kitschig sind Jennings Kuchen und Cookies schon. Aber auch wunderschön und filigran und – vor allem jetzt zur Weihnachtszeit – glänzend und glitzernd. Erst wird Basiswissen vermittelt. Beim Backen hänge alles vom «Cocoa» ab, vom Kakaopuder, sagt Jennings. Die Kanadierin, die vor Jahren in die Schweiz gezogen ist, spricht zwar die meiste Zeit Englisch (mit ein paar französischen Einwürfen). Das macht aber nichts, auch wenn man manchmal nur Bahnhof versteht: Miss Kitsch demonstriert alles mit wilden Gesten und hält ständig irgendein Utensil in die Luft, fuchtelt herum oder ruft «Woo hoo!», wie ein Weihnachtsmann. Es lohne sich, in die Backstube zu investieren, sagt Jennings jetzt ernsthaft. Bei den Blechen etwa ist sie heikel: Die besten – und auch die teuersten – seien aus Aluminium. Kommune (schwarze) Backbleche seien okay, färben aber ab. Zu Silikonformen hat die Zuckerbäckerin folgen-den Kommentar parat: «Wollt ihr die Cupcakes im Blech servieren?» Jetzt gehts um die Förmchen: Goldige und silbrige sind ihr am liebsten. Gemusterte Papierförmchen seien zwar schön anzusehen. Doch kommen die Cupcakes aus dem Ofen, könne man meist fast nichts mehr erkennen. Und plötzlich reisst Frau Kitsch die Hände in die Höhe und ruft: «Your party begins!» Und damit sind wir zurück beim Pflanzenöl, das sie «maximum grusig» findet und deshalb beim Backen nicht verwendet. Sie hat uns ihre Lieblingsschokoladenmuffins gebacken, die jetzt auf Dekoration warten. Dazu brauchts Buttercreme, Fondant (ähnlich wie Marzipan) oder beides und viel, viel Chichi aus Zucker. Entwicklungsland Schweiz Bedächtig rollen wir den Fondant mit Plastikrollen aus. Vorher haben wir ihn mit Lebensmittelfarbe eingefärbt, pink, türkis, grün. Und dann, kaum haben wir Buttercreme auf die Küchlein geschmiert, werden wir zu Frau Kitsch gerufen. Die sitzt am Tisch und wühlt in einer Schachtel voller Ausstecher. «Ja, ich bin ein Ausstecher-Freak!» grinst sie. Sie horte Hunderte von Cookie-Förmchen. Jetzt sind es Schneeflöckchen, die sie aus dem dünn ausgewallten Fondant aussticht und dann auf die blau eingefärbte «Decke», ebenfalls aus Fondant, für den Cupcake legt. Dann formt sie ein Päckchen. «Alles ist möglich», ruft sie. Tatsächlich. Sie hält ein Kleinstkunstwerk in der Hand und strahlt. «Los, jetzt seid ihr dran!» Bei uns geht das Dekorieren ein bisschen länger. Wir sind ja auch noch keine Profis wie Miss Kitsch, die vor sechs Jah-ren während eines Auslandaufenthaltes in den USA auf den Kuchen gekommen ist. In einem Hobbyladen, wo sie Backzube-hör entdeckte. «In der Schweiz findet man fast nichts zum Kuchenverzieren. Ich importiere alles aus den USA, Kanada oder England.» Alles, das sind Zuckerperlen, Konfetti, Ausstecher, Glitzerzeugs und tausend an-dere Dinge für die Kuchenmanufaktur. Im Backatelier ist es jetzt still, alle arbeiten konzentriert. Nur Miss Kitsch läuft freudig mit dem Konfetti herum, streut hin und wieder einen Hauch Weihnachtszauber auf ein fertiges Cupcake und sagt dann und wann: «Great!» Superstars sind wir noch nicht. Aber mit jedem Cupcake werden wir noch ein bisschen cooler. Nina Kobelt>

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