Zum Hauptinhalt springen

Bagger räumt auf im Naturschutzgebiet

GwattTiefe Wasserstände, angeschwemmter Kies und vor allem Unkraut haben dafür gesorgt, dass immer mehr Schilf aus der Seeallmend

Auf dem Papier ist es ein klarer Fall: Die Seeallmend, der Uferabschnitt entlang des Thunersees zwischen Lachenareal und Bonstettenpark, ist seit Januar 1989 kantonales Naturschutzgebiet. Als Schutzziel verfügte die Forstdirektion damals unter anderem, dass eine natürliche Verlandungszone inklusive ausgedehnter Schilfbestände erhalten wird. Das Gebiet diene somit «mehreren gefährdeten und seltenen Sumpf- und Wasservogelarten als Brutplatz» und werde zudem von verschiedenen Amphibien, Fischen und Insektenarten als Laichplatz respektive Lebensraum genutzt. In den vergangenen Jahren hat sich die Seeallmend aber zusehends von diesem Idealzustand entfernt. Dies hat gleich mehrere Gründe: Zum einen trägt der Föhn regelmässig Sedimente ins Gebiet, sodass sich vor dem Schilfgürtel eine Art Düne aus Kies und anderen Ablagerungen gebildet hat. Zum anderen haben die Seeabsenkungen im Winter – auch momentan wieder der Fall – dafür gesorgt, dass das Schilf nicht mehr im Wasser, sondern auf dem Trockenen steht. Pro Natura Region Thun wirft dem Kanton überdies mangelnde Pflege des Gebiets vor. Knöterich wird entfernt Nun kommt jedoch Bewegung in die Angelegenheit: Ab heute Dienstag wird ein Team des Kantons die Seeallmend vom gröbsten Unkraut befreien. Auf einer Fläche von rund 50 Quadratmetern wird ein Bagger die unliebsamen Pflanzen aus dem Boden herausreissen. «Wir entfernen vor allem den Staudenknöterich und den Weissen Hartriegel», sagt Thomas Leu von der Abteilung Naturförderung des Kantons Bern. Bei beiden handle es sich um invasive Neophyten, also um Pflanzen, die sich durch den Einfluss des Menschen in einem Gebiet ausbreiten, wo sie eigentlich nicht hingehören. Danach wird das Unkraut mit einem Lastwagen abtransportiert und fachgerecht in einer Deponie entsorgt. Für die Benutzer des Strandweges hat dies keinerlei Einschränkungen zur Folge. Bereits Ende Woche soll die Räumungsaktion wieder zu Ende gehen. Die Kosten belaufen sich auf schätzungsweise rund 20000 Franken. «Die Entsorgung von Neophyten ist aufwendig und deshalb entsprechend teuer», erklärt Leu. Schon kleinste Stücke der äusserst resistenten Wurzeln würden im Boden eine neuerliche Ausbreitung des Staudenknöterichs verursachen. Zeitgleich mit der Unkrautentfernung werden die Mitarbeiter des Kantons auch zwei Einschnitte in die Sedimentdünen graben. So soll spätestens nach Ende der Seeabsenkung wieder Wasser in den Schilfgürtel fliessen. «Diese Massnahme ist genauso wichtig wie die Neophytenbekämpfung, denn bei den jetzigen trockenen Verhältnissen hat das Schilf kaum Überlebenschancen», betont Leu. Pro Natura will Pflegekonzept Die aktuelle Pflegeoffensive ist nicht zuletzt auf Druck von Pro Natura Region Thun zustande gekommen. Präsidentin Verena Wagner ist zwar mit den jetzigen Arbeiten des Kantons zufrieden, meint aber auch: «Die Seeallmend ist bislang stiefmütterlich behandelt worden. Die Entfernung gewisser Sträucher, der Neophyten und des Unkrauts wie etwa der Brombeeren hat sich seit längerem aufgedrängt.» Es müsse nun das Ziel sein, für das Gebiet ein Pflege- und Unterhaltskonzept zu entwerfen und dieses auch umzusetzen. Nach der Ausführung von Massnahmen müsse ausserdem der Erfolg beziehungsweise deren Wirkung kontrolliert werden. Nur so werde die Seeallmend ihrem Status als kantonales Naturschutzgebiet auch langfristig wieder gerecht.Gabriel Berger>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch