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Bald röhrt der Hirsch im Jura

Jagdinspektor Reinhard Schnidrig möchte vorwärtsmachen und wenn möglich schon im Winter die ersten Rothirsche aus dem Oberaargau in den Jura umsiedeln. Die Gespräche mit den Jurakantonen sind positiv verlaufen.

Wer regelmässig im Längwald spazieren geht, hat gute Chancen, früher oder später mit einem Riesenvieh Bekanntschaft zu machen: Bis zu 1,50 Meter gross und 300 Kilogramm schwer werden ausgewachsene Rothirsche. Vor wenigen Jahren noch war die Spezies im Mittelland kaum zu finden. Heute tummeln sich allein im Längwald schätzungsweise zwei Dutzend Hirsche. Vom Alpenraum her sind sie in den Oberaargau eingewandert – und weiter können sie nicht, weil die Autobahn ihren Lebensraum komplett zerschneidet. Eine Wildbrücke bei Oberbuchsiten, an der Grenze Oberaargau/Solothurn, ist zwar geplant, bis zum Bau will Bundesrat Moritz Leuenberger aber noch 10 Jahre warten (wir berichteten). Jäger und Förster am Tisch Diese Zeit überbrücken möchte der eidgenössische Jagdinspektor Reinhard Schnidrig. Sein Plan: einen Teil der Längwald-Hirsche einfangen und in den Solothurner Jura übersiedeln. Erste Gespräche mit den Wald- und Forstverwaltern der deutschsprachigen Jurakantone Solothurn, Bern, Baselland und Aargau hat er bereits geführt – und im Grundsatz sind sich die Parteien offenbar einig. «Die Diskussionen blieben sachlich, sie haben in einem guten Klima stattgefunden», sagt Schnidrig. Denkbar ist, dass ein erster Einfang bereits im Spätwinter versucht wird. Überstürzen will der Jagdinspektor freilich nichts. Wichtig sei, dass die Kantone voll hinter dem Projekt stehen würden. Der Bund übernehme lediglich eine beratende Funktion und helfe, die notwendigen Finanzen zu beschaffen. Mit Fang und Transport ist es nämlich nicht getan. In der neuen Heimat sollen die Hirsche mit Sendern ausgestattet und von Wildbiologen auf ihren Streifzügen begleitet werden. «Der Rothirsch ist ein heimliches und scheues Tier», sagt der Jagdinspektor. «Wie er sich im Jura bewegt, darüber wissen wir noch sehr wenig.» Als Nächstes wird beim Bundesamt für Umwelt eine Projektskizze ausgearbeitet und den Kantonen als Entscheidungsgrundlage vorgelegt. Dieses Papier soll unter anderem zeigen, wie viele Hirsche gefangen werden können und mit welcher Methode. Denkbar ist für Schnidrig, den Bestand im Längwald in den nächsten drei Jahren um die Hälfte zu reduzieren. Jäger sind skeptisch Wenig angetan vom Umsiedlungsprojekt sind bisher die Weidmänner im Kanton Aargau. Eine Pro-Natura-Umfrage in den 127 Jagdrevieren hat kürzlich gezeigt: Die meisten Jäger erachten den Hirsch zwar als Bereicherung, den Weg in den Aargau solle das Tier aber auf den eigenen Läufen bewältigen. Auch Mario Fracheboud, Präsident Pro Natura Oberaargau, ist skeptisch: «Wichtig ist jetzt, dass die Wildbrücke möglichst schnell realisiert wird.» Eine Umsiedlung sei da nur «Pflästerlipolitik». Aber wenigstens könnten so wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse zum Verhalten der Tiere im Jura gewonnen werden. Umsiedlung als «Krücke» Für die Wildbrücke über die Autobahn ist freilich auch Jagdinspektor Reinhard Schnidrig. Man müsse aber pragmatisch bleiben und akzeptieren, dass ein solches Bauwerk nicht von heute auf morgen entstehen könne, warnt er. «Die Umsiedlung wäre da eine rasch realisierbare Krücke für den Hirsch und würde ihm helfen, sich im Jura besser ausbreiten zu können.» Stefan Schneider >

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