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Bedingte Strafe für Tierquäler

Weil ein Hirte auf der Alp Langenegg seine Tiere vernachlässigt hatte, musste er sich gestern unter anderem wegen Tierquälerei vor dem Einzelrichter in Thun verantworten. Dieser verurteilte ihn zu einer

Ein Alpsömmerungsvertrag mit tragischen Folgen für die Tiere: Der Angeschuldigte T.I.*, der sich gestern vor dem Einzelrichter Peter Moser in Thun verantworten musste, wurde im Juni 2008 von der Alpkorporation Langenegg als Hirte angestellt. Bereits wenig später schon stellte die Alpkorporation Mängel in der Betriebsführung und im Umgang mit den Tieren fest. Ihre Vertreter hatten die Blumensteiner Alp Langenegg im Sommer immer wieder aufgesucht und Verwarnungen ausgesprochen. Ende Sommer erfolgte die Kündigung. Doch T.I. weigerte sich standhaft, die Alp zu verlassen. Stattdessen überwinterte er dort mit einem angestellten Zusenn und seinen Tieren. So leitete die Alpkorporation schliesslich ein Exmissionsverfahren ein, um die Alp räumen zu können. T.I. erhielt die Anordnung, die Alp bis spätestens am 31. März 2009 mitsamt den Tieren zu verlassen, was er aber nicht tat. Ihm wurde deshalb gestern vor Gericht Widerhandlung gegen eine richterliche Anordnung vorgeworfen. Unzumutbar – Freispruch «Wegen des vielen Schnees war es mir gar nicht möglich, die Alp zu räumen. Man hätte mit einem Viehtransporter gar nicht hinauffahren können», verteidigte sich T.I. gestern vor Gericht. Dies anerkannte Einzelrichter Moser denn auch und sprach ihn in diesem Punkt frei. «Man hätte ihm nicht zumuten können, mit all seinen Tieren eineinhalb Stunden durch den Schnee hinunter zu marschieren», begründete Moser den Freispruch. Der Zustand der Tiere Kein Freispruch erfolgte hinsichtlich der Verstösse gegen das Tierschutz- und Tierseuchengesetz. Bei der Zwangsräumung trafen Polizei und Vertreter der Alpkorporation nämlich auf vernachlässigte und ausgehungerte Tiere, Schmutz und unzählige Kadaver (wir berichteten). In diesem Zustand fand der Tierschutzspezialist, der im Januar und im März zwei Kontrollen vor Ort durchführte, die Alp noch nicht vor: «Beim ersten Mal fanden wir ein totes Schwein im Stall. Im März beanstandete ich die mangelhafte Wasserversorgung für die Ziegen», erklärte er Richter Moser gestern vor Gericht. «Die Zustände waren nicht gut, man konnte aber nicht von Tierquälerei sprechen.» «So schlimm wars nicht» Bis zur Zwangsräumung am 21. April verschlechterte sich der Zustand der Tiere und der Alp jedoch massiv: «Eine kranke Ziege wurde nicht richtig versorgt, ein Schwein teilweise tagelang im Dunkeln gehalten und unzählige Kadaver einfach liegen gelassen», zählte Einzelrichter Moser auf. Zudem seien die Ställe stark verschmutzt gewesen. «Die Fotos von der Alp Langenegg sind nicht das Schlimmste, was ich jemals gesehen habe», relativierte Moser. «Trotzdem toleriert das Gesetz solche Zustände eindeutig nicht.» Dass T.I. in den letzten Wochen vor der Räumung gar nicht mehr auf der Alp gewesen war, sondern nur sein Zusenn, spielte für Moser keine Rolle: «T.I. hatte als Tierhalter gewisse Aufsichtspflichten inne, die er klar verletzt hat.» Der Richter verurteilte ihn deshalb zu einer bedingten Geldstrafe von 1500 Franken und einer Busse von 400 Franken. Benzin gestohlen Moser sprach den Hirten auch wegen Diebstahl schuldig: T.I. hatte an einer Tankstelle für 80 Franken getankt, das Benzin aber anschliessend nicht bezahlt. «Ich hatte kein Geld, musste aber unbedingt auf die Alp hinauf» – diese Ausrede liess Richter Moser nicht gelten. Zudem muss der Hirte 530 Franken an die Verfahrenskosten bezahlen. Die Vertreter der Alpkorporation waren von dem Urteil – insbesondere dem Freispruch – enttäuscht: «Es ist unbegreiflich, dass ihm überhaupt richterlich erlaubt worden ist, bis am 31. März oben zu bleiben», so Jeremias Siegenthaler. Schliesslich seien die Wohnung und die Stallungen überhaupt nicht für den Winterbetrieb ausgerichtet.Nora Scheidegger *Name der Redaktion bekannt>

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