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Bei Feintool kommt es zum Machtkampf

IndustrieBeim Lysser Automobilzulieferer Feintool gehts seit gestern hoch zu und her:

Feintool hat hektische Zeiten hinter sich: Der Lysser Automobilzulieferer wurde von der Krise hart getroffen und musste seit 2007 rund 430 Stellen abbauen und die Standorte in Biberist und Aarberg schliessen. Jetzt, als es allmählich so aussah, dass Feintool gestärkt aus der Krise hervorgehen und voraussichtlich nächste Woche erfreuliche Zahlen fürs erste Quartal 2010/11 vermelden wird, hält die Hektik erneut Einzug. Der Aargauer Industrielle Michael Pieper, mit einem Aktienpaket von 33 Prozent der wichtigste Aktionär bei Feintool, lancierte gestern ein Übernahmeangebot. Pieper will über seine Beteiligungsgesellschaft Artemis sämtliche sich im Publikum befindlichen Aktien kaufen und so die Kontrolle bei Feintool übernehmen. Pieper bietet dafür 350 Franken pro Namensaktie an, was 11 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag liegt. Analysten bewerten dies als fairen Preis. Rechnet man den Preis je Aktie hoch, kommt man für Feintool auf einen Börsenwert von 267,4 Millionen Franken. Abzüglich des Anteils, den Pieper bereits besitzt, würde ihn die Übernahme aller Feintool-Aktien 183,7 Millionen kosten. rtzz Allerdings ist es eher unrealistisch, dass Pieper in den Besitz von 100 Prozent der Feintool-Aktien gelangen wird. Denn das setzte voraus, dass Feintool-Gründer und Ehrenpräsident Fritz Bösch seinen Anteil ebenfalls verkauft, und davon ist nicht auszugehen. Bösch war gestern für diese Zeitung nicht erreichbar. Es ist aber längst ein offenes Geheimnis, dass das Verhältnis zwischen Bösch und Pieper ein gespaltenes ist. So ist die Rede davon, dass die Beiden unterschiedliche Auffassungen darüber hätten, wie Feintool auf dem Markt am besten zu positionieren sei. Und ein Sprecher von Michael Pieper sagt, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Hauptaktionären sei bisher nicht so verlaufen, wie sich Pieper das vorgestellt habe. Ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit zeigt die Meinungsverschiedenheit zwischen Bösch und Pieper auf: An der Generalversammlung vor einem Jahr beantragte der Feintool-Verwaltungsrat eine Kapitalerhöhung von rund 10 Millionen Franken. Der einstige Patron Bösch, der offenbar kurzfristig seine Meinung geändert hat, stimmte gegen den Antrag des Verwaltungsrates und schickte ihn somit bachab. Die erforderliche Zweidrittelsmehrheit wurde nicht erreicht. Der Verwaltungsrat und auch Hauptaktionär Michael Pieper reagierten überrascht und teilweise mit Unverständnis. sfsaf Nächste Woche dürfte es an der Generalversammlung des Lysser Unternehmens erneut turbulent zugehen: Piepers Übernahmeangebot dürfte, auch wenn es auf der Traktandenliste fehlt, das dominierende Thema unter den Aktionären sein. Bis dahin wird die offizielle Stellungnahme des Verwaltungsrats vermutlich bekannt sein. Spätestens dann wird auch klar sein, ob es sich bei Piepers um eine so genannt feindliche oder doch um eine freundliche Übernahme handelt. Von einer feindlichen Übernahme ist dann die Rede, wenn ein Investor gegen den Willen des Managements die Mehrheit in einem Unternehmen übernimmt. hgh Der Markt scheint davon auszugehen, dass die Übernahme zustande kommt. Der Aktienkurs von Feintool stieg gestern um xx Prozent auf 349 Franken. Auch Fabian Häcki, Analyst bei der Bank Vontobel, geht von einem Zustandekommen aus und hält die Übernahme durch Michael Pieper für eine gute Lösung. Rein rechnerisch wäre es für Pieper zwar einfacher, die Mehrheit zu erlangen, wenn auch Fritz Bösch sein Aktienpaket verkaufe. Absolut notwenig sei dies aber nicht. Philippe Müller>

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