031-Schläger: Bedingte Freiheitsstrafe

Ittigen

Das Regionalgericht verurteilte einen 27-jährigen Schweizer unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Er soll der Gruppierung «031» angehören.

Ein 27-jähriger Schweizer wurde wegen des Angriffs auf mehrere Polizisten zu 18 Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt.

Ein 27-jähriger Schweizer wurde wegen des Angriffs auf mehrere Polizisten zu 18 Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt.

(Bild: Fotolia)

Ralph Heiniger

Eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten und eine unbedingte Geldstrafe von 5400 Franken. Dazu verurteilte das Regionalgericht am Mittwoch einen 27-jährigen Schweizer, der einen Polizisten mit Anlauf gegen den Kopf getreten hatte. Weiter muss der Beschuldigte Genugtuung, Verfahrens- und Anwaltskosten in einer Höhe von insgesamt rund 22'000 Franken bezahlen.

Einzelrichterin Bettina Bochsler sprach den Mann neben diversen anderen Delikten auch der versuchten schweren Körperverletzung schuldig. Obwohl er diesen Anklagepunkt stets bestritten hatte, gibt es für die Richterin keinen Zweifel, dass der Beschuldigte gegen den Kopf eines Polizisten getreten hatte. «Ich gehe davon aus, dass der Tritt gegen den Kopf gerichtet war und dass es sich um einen kräftigen Tritt handelte», so Bochsler.

Brutaler Angriff auf Polizei

Der Fall ereignete sich im August 2012. Die Polizisten waren im Einsatz, um eine illegale Party in Worblaufen aufzulösen. Etwa fünfzehn Partygänger wollten das Gelände nicht verlassen und griffen die Polizei mit Steinen und Pfefferspray an. Dabei hat der 27-jährige Beschuldigte einen Polizisten «wie ein Fussballer» gegen den Kopf getreten, als dieser am Boden kniete. Dabei wurde der Kiefer des Polizisten verrenkt. Durch einen Steinwurf erlitt ein anderer Polizist einen dreifachen Kieferbruch. Wer aus der Gruppe den Stein geworfen hat, konnte aber nicht ermittelt werden.

Party mit 031

An jenem Abend haben sich gemäss Richterin auch Mitglieder der polizeifeindlichen Gruppierung 031 (siehe Box) bei der illegalen Party aufgehalten. «Die Polizisten haben in Ausübung ihres Amtes gehandelt», so Bochsler. Dabei hätten sie sich absolut korrekt verhalten. Dass sie «provokativ» und mit «Machtgehabe» aufgetreten seien, so wie es der Beschuldigte ausgesagt hatte, sei «lächerlich», urteilte die Richterin.

Der Beschuldigte habe selbst provoziert und habe die eskalierende Lage dann als «geil» empfunden. «Zwei Polizisten haben den Beschuldigten schon vor Ort als ‹Kicker› identifiziert.» Deshalb hätte er auch vor Ort angehalten werden sollen. Dabei habe er zweimal in Finger gebissen, um sich der Anhaltung zu entziehen, und sei dann geflüchtet.

Der Beschuldigte sei am Rande der Gesellschaft zu verorten. «Wir müssen davon ausgehen, dass der Beschuldigte zu der 031er-Szene gehört», so Bochsler. Wenn er keine Änderung in seinem Leben vornehme, werde sich die Justiz auch künftig mit ihm beschäftigen müssen. Bezüglich weniger schwerwiegender Delikte wie Sachbeschädigung oder Hausfriedensbruch könne man ihm nur eine negative Prognose stellen. Was aber schwere Delikte wie die Körperverletzung angehe, könne man «gerade noch» nicht unbedingt von einer schlechten Prognose ausgehen, so die Richterin.

Deshalb wurde die Freiheitsstrafe von 18 Monaten bedingt ausgesprochen, bei einer Probezeit von drei Jahren. Das heisst, sollte er sich wieder eines ähnlichen Deliktes schuldig machen, kann diese bedingte Strafe in eine unbedingte umgewandelt werden, sprich: dann muss er wohl ins Gefängnis. Zum Abschluss sagte die Richterin zum Beschuldigten: «Ich wünsche mir, dass ich Sie hier nie wieder sehe.»

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Parteien haben die Möglichkeit Berufung anzumelden.

Berner Zeitung

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