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«079» hei 20'000 gseit

Mit Lo & Leduc spielte am Samstagabend der letzte lokale Headliner. Mit Demut, Selbstironie, grossartiger Band. Das war schon fast Patent-Ochsner-Liga.

Michael Feller
Viel Liebe von 20'000 glücklichen Gurtenbesuchern für die Lokalhelden Lorenz Häberli und Luc Oggier.
Viel Liebe von 20'000 glücklichen Gurtenbesuchern für die Lokalhelden Lorenz Häberli und Luc Oggier.
Peter Klaunzer, Keystone

Da war der Moment, als Lorenz Häberli und Luc Oggier ihre Hand aufs Herz legten, «Merci Gurten», und gerührt bis ungläubig in 20'000 glückliche Gesichter schauten. Eben hatte das vereinte Gurtenpublikum jede Zeile mitgesungen. «079 het sie gseit...».

Da brandete den Lokalhelden viel Liebe entgegen. «Oh mein Gott», sagte Lorenz Häberli mehrmals an diesem Konzertabend, beeindruckt vom Ausmass der Begeisterung. Am Schluss schien er den Tränen nahe. Auch bei «Jung, verdammt» sang der Berg zum Schluss inbrünstig mit. Das war schon fast wie bei Patent Ochsner tags zuvor.

Natürlich haben Lo & Leduc noch längst nicht so viele Hits, die zum allgemein bekannten Liedgut gehören, wie Patent Ochsner. Doch sie sind auf dem besten Weg. Das zeigte das begeisternde Konzert am Samstagabend, als sie als letzte lokale Headliner des Gurtenfestivals antraten um die Fans zu begeistern.

Sie taten dies gewohnt demütig und dankten dem Festival für die Einladung und den Bühnenbauern für den Bühnenbau. Sie waren selbstironisch: Oggier trug eine Art Sommer-Pyjama-Overall, und Häberli fand: «Wenn das geht, geht alles». Und sie taten ihre Zuneigung zum zugeneigten Publikum bisweilen etwas pathetisch kund. Aber sie meinten es ernst. Und die Brillanz der Band mitsamt Bläsertrio unterstützten das Vorhaben, für ein unvergessliches Konzert zu sorgen, für einen «Gurtenmoment», wie man schnell und gerne mal sagt am Festival.

Glücklicher Festivalchef

Am letzten Festivaltag hat sich früher als sonst viel Publikum auf dem Gurten eingefunden, zum dritten Mal war ausverkauft. Am späteren Nachmittag waren Festivalchef Simon Haldemann zwar die Strapazen ins Gesicht geschrieben – er hatte zum ersten Mal die Verantwortung für das Festival. Doch er zeigte sich «vollends» zufrieden. 76'000 Eintritte (von 80'000 möglichen) hat er verbucht, nur der Mittwoch war nicht ausverkauft.

Eine durchaus stattliche Zahl im Jahr Eins nach dem grossen Wechsel. Denn nicht nur die Gesamtverantwortung wechselte, sondern auch das Booking. Der langjährige Gurten-Programmverantwortliche Philippe «Phibe» Cornu und seine Agentur Wildpony waren erstmals nicht mehr zuständig. Christoph Haller, Lena Fischer und Andrej Malogajski haben übernommen. Und tatsächlich, ein neuer Geist ist zu spüren: Neben den üblichen Berner Headlinern, zuständig für die besagten Gurtenmomente, gab es mehr Überraschung, auch Musik, die aneckt – am Samstag etwa Hyukoh oder Big Zis.

Cornu und die Gurtenmomente

Die Maschine läuft. Eine 15-Minuten-Verspätung von Lauryn Hill war tatsächlich der grösste Aufreger am Festival, wenn man von Nebenschauplätzen wie dem «Gipfeligate» oder dem Schlepplift-Debakel absieht.

Und Phibe Cornu? Der ex-«Mister Gurten», der seit den 90ern die Musik auf den Berg gebracht hatte und sich noch im letzten August enttäuscht gezeigt hatte über seine Absetzung – er kam auch im Jahr Eins nach seiner Ära auf den Berg. «Das hat mich wirklich sehr gefreut», sagte Felstivalchef Haldemann. Die beiden haben sich am Rande des Patent-Ochsner-Konzerts am Freitag ausgiebig ausgetauscht.

Worüber wohl? Sicher über Gurtenmomente. «079» war auch so einer.

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