Bern

100 Kunststoffköter schleichen sich am Denkmalpfleger vorbei

BernHundert Plastikhunde sollen im Sommer 2017 Touristen in die Stadt Bern locken. Die sonst so pingelige Denkmalpflege wusste bisher jedoch nichts vom Projekt BernARTiner.

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Der Denkmalschutz in der Stadt Bern ist streng. Es gibt viele Vorschriften dafür, was in der Altstadt stehen darf und was nicht. In den Leitlinien wird beispielsweise geregelt, dass Gegenstände den Fuss- und Fahrverkehr nicht behindern dürfen, dass sie ausserhalb der Betriebszeiten in einem privaten Raum verstaut werden müssen und auch dass die Sonnenschirme auf den Terrassen nicht zu bunt oder zu gross sein dürfen.

Bereits mehrere Betriebe bekamen diese Regeln zu spüren: Das Gürtelgeschäft Streetbelt etwa musste eine Lichtprojektion seines Logos abstellen, und im ­Januar verbot man dem Optikergeschäft Bärtschi, einen rostigen Metallbären aufzustellen. Auch als die Stadt 1998 Abfalleimer in Bärenform aufstellen wollte, die beim Einwurf von Müll ein Rülpsgeräusch von sich gaben, war die Denkmalpflege nicht begeistert.

Denkmalpflege übergangen

Und nun das: Im Sommer 2017 will die Stadt mit hundert bunten Bernhardinern Touristen anlocken. Der Verein «Bern gestaltet», welcher eigens für das Projekt BernARTiner gegründet wurde, will die Hunde in der ganzen Stadt verteilen.

Weil diese Figuren aus Kunststoff sind und gemäss den städtischen Richtlinien auch «unbedeckte Vollkunststoffmöbel» ausserhalb der Geschäfte verboten sind, könnte man annehmen, dass auch die Kunststoffköter von der Denkmalpflege mit Vorschriften belegt werden. Dies ist jedoch nicht der Fall. Bisher ­wurde die Denkmalpflege noch gar nicht über die BernARTiner informiert. Leiter Jean-Daniel Gross war dementsprechend überrascht, als ihn diese Zeitung kontaktierte: «Weil wir noch nicht involviert wurden, können wir dazu nichts sagen.»

Sammelplätze für die Hunde

Nun stellt sich die Frage, wie sich ein solch grosses Projekt unbemerkt an der Denkmalpflege vorbeischleichen konnte. Pascal Schütz, Mediensprecher des Vereins «Bern gestaltet», erklärt: «Momentan widmen wir uns primär dem Verkauf der Bernhardiner. Trotzdem sind wir im Gespräch mit Sicherheitsdirektor Reto Nause, um die Standortfrage in einem späteren Schritt zu klären.» Die Stadt bestätigt: «Das Polizeiinspektorat steht als Bewilligungsbehörde mit der Projektleitung in direktem Kontakt.»

Geplant ist, dass die Hunde entweder direkt bei den Käufern oder aber auf Sammelstandorten im öffentlichen Raum unterkommen. Sobald mögliche Standorte definiert seien, werde mit weiteren Stellen wie etwa der Denkmalpflege Kontakt aufgenommen. Falls eine Firma ihren Hund ausserhalb des Betriebs platzieren wolle, müsse sie sich selbst um eine Bewilligung bei der Denkmalpflege bemühen, heisst es. Spätestens dann wird Jean-Daniel Gross die Bernhardiner kennen lernen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.04.2016, 20:18 Uhr

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