31 Millionen für 50 Jahre Schule

Konolfingen

Das Konolfinger Schulprojekt wird konkret: Der Gemeinderat schafft Klarheit über die Kosten des geplanten neuen Schulhauses im Stalden.

Ringförmig: So soll das neue Schulhaus in Konolfingen aussehen, wo ab 2021 alle Kinder der Unterstufe unterrichtet werden sollen.

Ringförmig: So soll das neue Schulhaus in Konolfingen aussehen, wo ab 2021 alle Kinder der Unterstufe unterrichtet werden sollen.

(Bild: nightnurse images GmbH)

Annic Berset

Die Schulraumplanung in Konolfingen – sie geht für einige Einwohner mit Emotionen und Ungewissheiten einher. Und mit Sorgen um die Zukunft der Kinder, die schon in der Gemeinde zur Schule gehen oder in den nächsten Jahren eingeschult werden. Von diesen gibt es viele, denn der Ort wird immer grösser. Bis ins Jahr 2030 gehen die Behörden von einem Bevölkerungswachstum um 700 Menschen auf 6000 Einwohner aus. Mehr Leute bringen mehr Kinder mit sich, der Schulraum in Konolfingen wird knapp.

Schon seit einigen Jahren arbeitet der Gemeinderat deshalb an einer Lösung. «Bis 2021 werden wir einen Viertel mehr Schulzimmer benötigen als noch 2016», erklärt Bernhard Bacher, Abteilungsleiter für Bildung, Sport und Kultur. Mit Mitgliedern aus dem Gemeinderat und mit der Schulleiterin der Primarstufe informierte er am Montag über den geplanten Schulhaus-Neubau im Stalden, in dem die gesamte Primarstufe an einem Standort zentralisieren werden soll. Der Gemeinderat präsentierte ausserdem die Botschaft zur Abstimmung am 25. November, wenn die Stimmbevölkerung über den Neubau befinden wird. 

Platz für 24 Klassen

Man habe sich intensiv mit verschiedenen Varianten der Bildungsstrategie auseinandergesetzt, so Bacher. Heute werden die Konolfinger Kinder auf der Unterstufe an acht verschiedenen Standorten unterrichtet, teilweise in Gebäuden mit einem 100-jährigen Schulkonzept: «Ein grosser Bau mit einem Eingang, dann Gänge mit den Schulzimmern auf der Seite. Das ist keine zeitgemässe Infrastruktur mehr.» Gerade mit dem Lehrplan 21 seien neue Kompetenzen gefragt, die auch moderne Raumkonzepte verlangen. 

Auch aus diesem Grund hat der Gemeinderat als Siegerprojekt ein ringförmiges Schulhaus gekürt, das den Bedürfnissen des neuen Lehrplans entsprechen soll. Das Gebäude wird zweigeschossig sein, die Basisstufe befindet sich auf der Innenseite, die anderen Schulklassen schauen nach aussen. «Bei den jüngsten Kindern zählt der Aussenraum auch als Schulraum. Von jedem Schulzimmer aus sollen sie deshalb die Möglichkeit haben, nach draussen zu gehen», erklärt Bernhard Bacher.

Neben Platz für ganze 24 Klassen wird der «Ring» auch über eine Tagesschule und eine Aula verfügen. Ausserdem werden die Lehrpersonen zwei Räume für sich haben. «Denn der Austausch zwischen ihnen ist wichtiger denn je», findet Bernhard Bacher. Heute sei das häufig nicht der Fall, denn an den kleinen Aussenstandorten kommt es vor, dass eine einzige Lehrperson im Schulhaus unterrichtet.

Was beim Neubau wohl am meisten interessierte, waren die Kosten. Denn darüber scheiden sich im Ort die Geister. Wäre es nicht sinnvoller, die bisherigen Schulhäuser auf Vordermann zu bringen, anstatt ein neues Gebäude für 31 Millionen Franken auf die Beine zu stellen? «Ganz klar nein», sagte Gemeindepräsident Daniel Hodel (SVP) dazu. «Wir können die alten Schulhäuser sanieren, würden dabei aber nur ‹Pflästerlipolitik› betreiben, denn das wären keine langfristigen Lösungen.» Ausserdem würden diese Sanierungen auch rund 15 Millionen Franken kosten. «Das neue Schulhaus hingegen ist eine Investition in die Zukunft – für die nächsten 50 Jahre Schule in Konolfingen.»  

Gute Erklärungen gefragt

Ein weiteres Thema, das vor allem bei den Gegnern des neuen Schulhauses für Diskussionen sorgt, sind die längeren Schulwege, die sich für manche Kinder – vor allem aus den Aussenstandorten wie Gysenstein – ergeben, wenn alle im Stalden zur Schule gehen würden. «Wir bestreiten nicht, dass das der Fall sein wird», sagte Daniel Hodel. Aber schon heute würden rund 30 Kinder den Schulbus nutzen. Das Angebot bleibe mit dem neuen Schulhaus bestehen und werde für etwa 50 bis 60 Kinder ausgebaut.

Und auch bei der zweiten Variante, die der Gemeinderat der Stimmbevölkerung vorlegt, werden Schüler auf einen Bus angewiesen sein. Denn diese sieht vor, neben dem Neubau das Schulhaus Dorf für zwei Basisstufen offen zu lassen. Dies würde zwar einerseits bedeuten, dass manche Kinder einen kürzeren Schulweg hätten. Trotzdem müssten auch diese den Bus in Anspruch nehmen, um beispielsweise in den Turnunterricht gebracht zu werden. 

Fertig im August 2021

Petitionäre hatten vor einigen Jahren eine Variante mit einem zweiten Standort gefordert. Deshalb hatte der Gemeinderat diese in die Abstimmung aufgenommen. «Aber die Ein-Standort-Variante ist ganz klar die bessere», so der Gemeindepräsident. Er sei überzeugt vom neuen Schulhaus, wo das Kind und seine Lernbedürfnisse im Zentrum stehen würden. «Aber das Projekt ist gross und komplex, deshalb muss man es gut erklären.»

Wenn das der Fall sei, erwarte er am 25. November auch ein Ja von der Konolfinger Bevölkerung. Bei einem Ja sollen die Arbeiten für das Gebäude bald beginnen, so dass die ersten Schüler im August 2021 ins neue Schulhaus einziehen können.

Berner Zeitung

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