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36 Monate Gefängnis für Racheakt

Das Regionalgericht hat eine 43-jährige Frau in einem Indizienprozess wegen versuchter Brandstiftung zu einer teilbedingten Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt.

Für die zweifache Brandstiftung wäre eigentlich eine Strafe von vier Jahren angebracht. Weil die Frau aber alleinerziehende zweifache Mutter ist, reduzierte sich die Dauer auf 38 Monate.
Für die zweifache Brandstiftung wäre eigentlich eine Strafe von vier Jahren angebracht. Weil die Frau aber alleinerziehende zweifache Mutter ist, reduzierte sich die Dauer auf 38 Monate.
iStock/Symbolbild

Zweimal brannte es mitten in der Nacht bei einer Liegenschaft in einem Dorf südlich von Bern. Zweimal war das Feuer im September und Oktober 2015 auf identische Weise bei einem abgestellten Auto ausgebrochen.

Nach einem Ausschlussverfahren kam eine Frau in den Fokus der Ermittler. Im Haus wohnte ihr Ex-Freund, der kurz zuvor mit ihr Schluss gemacht hatte. Die Frau musste sich diese Woche vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland wegen Brandstiftung verantworten. Die Angeschuldigte betonte, dass sie «keine Autos anzünde». Beweise gab es keine, nur Indizien.

Für das Regionalgericht seien diese Indizien vollständig, die einzelnen Elemente fügten sich zu einem Gesamtbild zusammen, sagte Gerichtspräsident Jürg Christen am Freitagvormittag bei der Urteilseröffnung: Die heute 43-Jährige hat die beiden Brände gelegt. Das Gericht verurteilte die in Süddeutschland lebende Frau wegen versuchter qualifizierter Brandstiftung zu einer Gefängnisstrafe von 36 Monaten, 8 davon wurden unbedingt ausgesprochen.

Ihr Auto war dort

Für das Gericht stand fest, dass die Täterschaft Ortskenntnisse hatte und dass es zweimal genau dort brennen musste. Es sei rein «theoretisch», dass beim zweiten Feuer Nachahmer am Werk waren. Und ein Zeuge und dessen Sohn hatten kurz vor dem ersten Brand verdächtige Beobachtungen gemacht. Sie sahen ein weisses Auto mit deutschem Nummernschild, das auf unlogischen Routen in der Nähe unterwegs war.

Sie hatten das Fahrzeug als jenes «der deutschen Freundin des Spaniers» identifiziert, der dort wohnt. Die Zeitangaben der beiden seien zwar etwas vage, sagte der Gerichtspräsident. Aber ihre Aussagen seien plausibel. «Eine Verwechslung ist ausgeschlossen. Ihr Auto war zur fraglichen Zeit dort», sagte Jürg Christen.

Aus den zahlreichen Whatsapp-Nachrichten lasse sich viel zum Gemütszustand der Frau herauslesen. Zum einen klammerte sie sich an ihren Ex-Freund und versuchte ihre Liebe zu retten. Auf der anderen Seite rächte sie sich an ihm mit gefälschten Profilen in sozialen Medien, klagte ihn wegen einer angeblichen Vergewaltigung an und täuschte eine Schwangerschaft vor.

Nummer blockiert

Wegen der unzähligen Nachrichten blockierte der Freund dreimal ihre Nummer kurzzeitig. Zweimal brannte es ein paar Tage später. Beim dritten Mal fuhr sie umgehend die 300 Kilometer zu ihm in die Schweiz, traf dort aber nur auf seine neue Freundin.

Das Gericht folgte im Grossen und Ganzen den Argumenten des Staatsanwalts, der eine unbedingte Gefängnisstrafe von 63 Monaten gefordert hatte. Aber es schätzte die Gefährdung für die Bewohner des Hauses als noch nicht so gross ein. Obwohl die Feuer mitten in der Nacht gelegt worden waren und es eine starke Rauchentwicklung gegeben hatte.

Für die zweifache Brandstiftung wäre eigentlich eine Strafe von vier Jahren angebracht. Wegen der hohen Strafempfindlichkeit, die Frau ist alleinerziehende zweifache Mutter, reduzierte sich die Dauer auf 38 Monate.

Weil diese nicht teilbedingt ausgesprochen werden dürfe, aber nahe an dieser Grenze liege, müsse das Gericht die Strafe näher prüfen, sagte Christen. Es gebe einen Ermessensspielraum. Und diesen nutzte das Gericht und sprach die 36 Monate teilbedingt aus. Die Strafe wird die Frau wohl in Deutschland verbüssen, wo sogar ein offener Vollzug möglich sei, wie der Gerichtspräsident erklärte.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann ans Obergericht weitergezogen werden. Der Verteidiger, der einen Freispruch verlangt hatte, wollte sich am Freitag zum Gerichtsentscheid nicht äussern.

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