Anstiftung zur Brandstiftung: Seerose-Besitzer verurteilt

Das Obergericht hat den Besitzer der alten Seerose wegen Anstiftung zur Brandstiftung und Betrug zu 24 Monaten bedingt verurteilt. Es hebt den Freispruch der Vorinstanz auf.

Beim Brand der alten Seerose in Moosseedorf hatte laut dem Obergericht der Restaurantbesitzer die Finger im Spiel.

Beim Brand der alten Seerose in Moosseedorf hatte laut dem Obergericht der Restaurantbesitzer die Finger im Spiel. Bild: Andreas Blatter

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«Schuldig!» Der Besitzer des abgebrannten Restaurants Seerose in Moosseedorf schüttelte den Kopf, drehte sich zu seinem Verteidiger und schaute ihn ungläubig an. Ein paar Minuten zuvor hatte er noch recht entspannt vor dem grossen Saal im Obergericht gewartet. Der Urteilseröffnung schaute er optimistisch entgegen. was er nun von Gerichtspräsident Samuel Schmid zu hören bekam, muss sich wie ein K.-o.-Schlag im Boxen angefühlt haben.

24 Monate bedingt wegen Anstiftung zur Brandstiftung und Betrug laute­te das Urteil. Zudem muss er er­haltene Versicherungsgelder zurückzahlen.Im Januar 2016 hatte das Wirtschaftsstrafgericht ihn noch nach dem Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten» freigesprochen. Für das Obergericht gab es hingegen keine Zweifel mehr: Die Puzzleteile lassen sich zusammensetzen und ergeben ein stimmiges Bild, wer was wann gemacht hat.

Die alte Seerose war im Februar 2006 durch ein Feuer zerstört worden, Ursache Brandstiftung. Die Täterschaft konnte damals nicht ermittelt werden. Erst im Juni 2013 kam der Fall wieder aufs Tapet, als einer der Brandstifter, ein ehemaliger Angestellter, im Rahmen eines anderen Verfahrens «auspackte».

Nutzen bei Besitzer

Die zentrale Frage im Prozess war die Rolle des Seerose-Besitzers: Hat er zur Brandstiftung angestiftet? Und hat er ­dadurch auch die Gebäudeversicherung um 775'000 Franken betrogen? Das Obergericht bejahte diese Frage, auch vor dem Hintergrund, dass ihm der Brand des alten Gebäudes nutzte. Es analysierte alle Aussagen und ebenfalls das, was nicht gesagt wurde, so Schmid.

Der Besitzer hat gegenüber seinem damaligen Angestellten einmal die Bemerkung fallen lassen, dass er nichts dagegen hätte, wenn es im Haus einen Funkenschlag gäbe. Später habe es, so der geständige Mann, mehrere Gespräche zu diesem Thema gegeben.

Dabei sei auch die Summe von 80'000 Franken gefallen, die ihm ein warmer Abbruch wert sei. Damit habe der Besitzer die Brandstiftung zumindest in Kauf genommen. Für das Obergericht ist es nicht glaubhaft und macht keinen Sinn, dass die beiden Brandstifter die Seerose angezündet haben, nur um dem Besitzer einen Gefallen zu tun, ­ohne Gegenleistung.

Verdächtiges Sponsoring

Der Seerose-Besitzer gab an, dass die beiden Männer ihm gegenüber die Tat kurz nach dem Brand gestanden hätten. Dass er danach seinen damaligen klammen Angestellten wirtschaftlich unterstützte, kann das Gericht nicht nachvollziehen. Es sei kein Bargeld geflossen, und es gab keine Quittung, aber dieses «Sponsoring» sei auffällig.

Der zweite Brandstifter, der alles abstreitet, habe durch seine Aussagen und durch sein Verhalten das «eigene Grab geschaufelt», erklärte der Gerichtspräsident. So habe er überhaupt nicht reagiert und keine Emotionen gezeigt, nachdem er durch seinen Kumpel als Mittäter schwer belastet worden sei.

«Das ist nicht normal», sagte der Richter. Völlig unglaubwürdig sei zudem, dass er bei seiner ersten Einvernahme über sieben Jahre nach dem Brand noch detailliert gewusst habe, was er an jenem Samstag gemacht habe. Schmid: «Das ist auswendig gelernt.»

Das Obergericht erhöhte die Strafe gegen den nicht geständigen Mann von 16 auf 19 Monate. Das ist damit begründet, dass durch die Verurteilung des See-rose-Besitzers neben der Brandstiftung die Gehilfenschaft zum Betrug dazugekommen ist. Die Verteidigerin des Mannes will das Urteil beim Bundesgericht anfechten.

Der andere Brandstifter hatte die 16-monatige bedingte Haftstrafe der ersten Instanz nicht angefochten. Sie ist rechtskräftig. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.09.2017, 21:11 Uhr

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