Kerzers

Das «Eidgenössische» wirkt

KerzersSchwingen hat in der Westschweiz einen schweren Stand. Doch seit dem «Eidgenössischen» 2016 in Estavayer hat sich einiges verändert, wie ein Besuch vor dem Südwestschweizerischen Schwingfest in Kerzers zeigt.

Generationenübergreifend: Joël Hirschi, Lionel Schmied, Lario Kramer, Nicolas Wolf und Daniel Brandt (v. l.) packen mit an.

Generationenübergreifend: Joël Hirschi, Lionel Schmied, Lario Kramer, Nicolas Wolf und Daniel Brandt (v. l.) packen mit an. Bild: Andreas Blatter

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Je höher die Erwartungen sind, desto schwieriger sind sie zu erfüllen. Und die Erwartungen rund um «Estavayer 2016» waren sehr hoch: Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest werde dem Schwingsport im Freiburgerland, ja, in der ganzen Westschweiz Auftrieb geben. Es würden bald mehr Junge den Schwingklubs beitreten und mehr Zuschauer an die Feste kommen, hiess es.

Seither ist fast ein Jahr ver­gangen. Haben sich die Erwartungen erfüllt? Eine gute Gelegenheit, dieser Frage auf den Grund zu gehen, bietet sich in Kerzers. Hier findet am Sonntag das Südwestschweizerische Schwingfest statt. OK-Chef Daniel Brandt und seine Leute haben in den letzten Tagen die Arena aufgebaut – die grösste, die es an einem «Südwestschweizerischen» je gab.

Rund 3500 Zuschauer finden hier Platz. Das sei zwar nicht mit anderen Teilverbandsfesten zu vergleichen – am «Bernisch-Kantonalen» waren 12'000 Zuschauer anwesend, am «Innerschweizerischen» 10'000 –, «doch die Entwicklung stimmt uns zuversichtlich», sagt Brandt. «Seit dem ‹Eidgenössischen› in Estavayer spüren wir viel Goodwill.» Wo auch immer das OK des Kerzerser Fests im Vorfeld um Unterstützung anfragte, «stiessen wir auf offene Türen».

Erstmals ein Vorverkauf

Am «Eidgenössischen» in Estavayer waren auch viele Nicht-Schwingfans dabei. Sie standen als Helfer im Einsatz oder besuchten aus Neugier den Gabentempel. «Diese Leute haben nun einen Bezug zum Schwingen und besuchen vielleicht auch mal ein anderes Fest», sagt Brandt.

Davon profitieren auch die Orga­nisatoren in Kerzers: Erstmals vor einem «Südwestschweizerischen» gab es einen Vorverkauf. Die 1000 angebotenen Schalensitzplätze sind schon fast ausverkauft. Alle weiteren Sitz- und Stehplatztickets kommen am Sonntag an die Tageskasse.

Der «Wenger-Effekt»

Und welche Spuren hat «Estavayer 2016» beim Nachwuchs hinterlassen? Die Frage geht an Joël Hirschi, Präsident des Schwingklubs Kerzers. «Als Landklub hatten wir seit je eine grosse Nachwuchsabteilung», antwortet er. Nach «Estavayer 2016» sei diesbezüglich kein Quantensprung erfolgt.

«Wir haben aber auch keine Werbung gemacht.» Denn dem Klub gehören bereits so zwei Dutzend Jungschwinger (1. bis 9. Klasse) an, die zwei- oder sogar dreimal pro Woche trainieren. «Damit sind unsere Betreuer ausgelastet.»

Vieles ausgelöst habe das «Eidgenössische» 2010 in Frauenfeld, erzählt Joël Hirschi. Er spricht vom «Wenger-Effekt»: Der junge Schwingerkönig Kilian Wenger war ein perfekter Botschafter für die Sportart, die bei den Kindern plötzlich wieder «voll in» war.

Entscheidend sei auch das persönliche Umfeld, denn «viele kommen via Kollegen zum Schwingen», sagt Hirschi. Mit 15, 16 Jahren steht dann der Übertritt zu den Aktivschwingern an, die Lehre beginnt, und der Ausgang gewinnt an Bedeutung. Immer wieder hören Jungschwinger in dieser Phase auf – Schwingerboom hin oder her.

Der Zufall spielte mit

Noch nie ans Aufhören gedacht hat Lario Kramer. Der 19-Jährige hat soeben die Lehre als Gemüsebauer abgeschlossen und ist eines der Aushängeschilder des Schwingklubs Kerzers. Als er 8-jährig war, erfuhren die Eltern, dass in Ried bei Kerzers ein regionales Schwingfest stattfindet. Der Vater sagte zu den beiden Söhnen: «Wir könnten ja mal vorbeischauen.»

Gesagt, getan. Und während die Familie zuschaute, sagte die Mutter: «Das wäre doch etwas für unsere Giele.» Die Frau eines Trainers hörte es, man vereinbarte einen Trainingsbesuch. «Am Anfang hat das Sägemehl etwas gekratzt», erzählt Lario Kramer schmunzelnd. Dennoch wurde das Schwingen rasch zur Leidenschaft der Brüder. «Hier kann man die überschüssige Energie rauslassen.»

Sieben Kränze hat Lario Kramer bisher gewonnen. Käme am «Südwestschweizerischen» ein weiterer dazu, wäre er glücklich. Und vielleicht werden auf der Tribüne wieder ein paar Eltern sitzen, die finden: «Schwingen, das wäre doch etwas für unsere Giele.»

Südwestschweizerisches Schwingfest: Sonntag, ab 8 Uhr. Jungschwingertag: Samstag, ab 9 Uhr. Schul- und Sportareal Kerzers. www.schwingfestkerzers.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.07.2017, 13:03 Uhr

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