Das Lebenswerk am Leben erhalten

Jegenstorf

Sein halbes Leben lang hat Fritz Fuhrer aus Jegenstorf Fossilien gesucht und präpariert. Für seine imposante Sammlung sucht der 84-Jährige nun einen Abnehmer.

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Fritz Fuhrer steht – auf einen Stock gestützt – zwischen den Vitrinen seines geschlossenen Fossilienmuseums in Münchringen und sagt: «Äs röit mi wi ne Moore.» Während vierzig Jahren hat der 84-Jährige im Jura Tausende von Fossilien gesammelt und präpariert. Nun, an Parkinson erkrankt, kann er seiner grossen Leidenschaft nicht mehr nachgehen.

Dem Zufall geschuldet

Lange hatte Fritz Fuhrer mit Fossilien nichts am Hut. Der Jegenstorfer war bereits über 40 Jahre alt, als er per Zufall an einem Abend den Fernseher einschaltete, während die Sendung «Chumm und lueg» ausgestrahlt wurde. «Sie porträtierte den Fossilienforscher Peter Borer aus dem Laufental.» Der gelernte Schreiner Fuhrer, er arbeitete zu dieser Zeit als Metallbauschlosser, wohnte sogleich dem nächsten Besuchstag des Baselbieters im Laufental bei.

«Das Fossilienfieber hat mich sofort gepackt – und bis heute nicht mehr losgelassen.» Mit Büchern und an Vorträgen bildet sich der vierfache Familienvater intensiv weiter, studiert an seinen freien Tagen frühmorgens Landkarten, und setzt sich dann ins Auto. Davon kann auch sein Sohn Andreas Fuhrer – der seinen Vater zum Treffen mit dieser Zeitung begleitet – ein Liedchen singen: «Wenn er nicht zu Hause war, wussten wir, dass er wieder irgendwo im Jura unterwegs ist», erinnert er sich.

Lieber spät als nie

Fritz Fuhrer ist 61, als er – um es in seinen Worten zu schreiben – auf der Arbeit nicht mehr gebraucht wird. Was zuerst ein Schock ist – Fuhrer hält sich drei Jahre lang mit Gelegenheitsjobs über Wasser – entpuppt sich für ihn im Nachhinein als Segen. Als die Jura-Autobahn gebaut wird, fragt der Kanton den mittlerweile renommierten Sammler an, vor Ort die Fossilien zu präparieren. Und so macht Fritz Fuhrer, ganz nach dem Motto «Lieber spät als nie» mit 64 Jahren sein Hobby zum Beruf.

«Aus dem Nichts hatte ich meinen Traumjob», sagt er. Vierzehn Jahre lang wurde er in der Folge für seine Leidenschaft entlöhnt – und 2009 vom Kanton Jura für seine Verdienste als hervorragender Präparator ausgezeichnet. Gleichzeitig arbeitete er bis vor sechs Jahren auch noch für das Naturhistorische Museum in Bern.

130 bis 180 Millionen Jahre alt

In der Sammlung von Fritz Fuhrer lagern ausschliesslich Fossilien aus dem Schweizer Jura. Seine Funde aus der Jurazeit sind 130 bis 180 Millionen Jahre alt. Kleinere Fossilien seien oft schöner erhalten, «weil sie im Schlamm nicht so deformiert wurden.» Die Chance auf einen grossen Fund habe man dort, wo viel Erdmasse bewegt werde. «In Gräben, wo Wasser runterläuft und verschiedene Schichten hervorspült, nach Erdrutschen und bei grossen Baustellen, sofern man diese betreten darf.»

«Ich möchte einfach nicht, dass die Sammlung irgendwo in einem Keller landet.»

Besondere Fundstücke

Tausende Fossilien hat Fritz Fuhrer gefunden. Alle sind sie fein säuberlich präpariert. Auf die Frage, ob er ein Perfektionist sei, antwortet er: «Sagen wir es so, wenn ich etwas präpariert habe, dann stehe ich dazu.»

Seine schönsten Fundstücke hat er ab 1983 in einem kleinen Museum ausgestellt, zuerst in Zuzwil, seit drei Jahren in Münchringen. Viele weitere Fossilien lagern in Kisten. «Ich hätte sie beschriften sollen», sagt Fuhrer – um gleich anzufügen: «Von 95 Prozent aller Fossilien kenne ich den Fundort.»

Alle haben sie ihre eigene Geschichte. Fritz Fuhrer nimmt mehrere zusammengewachsene Austern – ein für ihn emotionales Fossil – aus einer der Vitrinen. Gefunden hat er es 1994 in Cornol. Speziell ist aber vor allem die Vorgeschichte. «Ich war in einen schweren Autounfall verwickelt, lag in der Insel, war fast sechs Monate in der Reha, ehe ich endlich wieder auf Fossiliensuche gehen konnte. Gleich beim ersten Mal fand ich dieses besondere Stück.»

Schwere Entscheidung

Im Vorraum des Museums lagern die Maschinen, mit welchen er jahrzehntelang Fossilien präparierte. Sandstrahler, Schleifgeräte, Kompressoren, Luft- und Sandstrahlgeräte. Sie sind überstellt, verstaubt. «Ja, leider kam dann diese Krankheit», sagt Fritz Fuhrer. Es hat seine Zeit gedauert, bis er sich eingestehen konnte, ja musste, dass er seinem Hobby nicht mehr nachgehen, sein Museum nicht mehr aufrechterhalten kann. Es ist mittlerweile geschlossen und soll liquidiert werden.

Fritz Fuhrer hofft, dass jemand die Sammlung am Stück übernimmt. Ein Museum oder sonst eine Institution. Dafür öffnet er gerne noch ein letztes Mal sein Museum. «Ich möchte einfach nicht, dass die Sammlung irgendwo in einem Keller landet», befürchtet er. Im Idealfall würde er die Maschinen gerne mitverkaufen. «Dann wäre alles auf einmal weg und ich könnte sagen: ‹Äs isch schön gsi›.»

Haben Sie Interesse an der Sammlung von Fritz Fuhrer?Dann melden Sie sich bei seinem Sohn Andreas Fuhrer: 079 423 47 49. Besitzen auch Sie eine nicht alltägliche Sammlung? Im «Forum» stellen wir Menschen und ihre Sammlung vor. Melden Sie sich! redaktion@bernerzeitung.ch.

Berner Zeitung

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