Der Gaucho aus Wichtrach

Mitte der 1990-er ging der Wichtracher Weintechnologe Hubert Weber vermeintlich für ein Jahr nach Argentinien. Nun ist er seit 19 Jahren bei einer Bodega in Mendoza erster Kellermeister. Kürzlich war er wieder einmal in Bern.

Bern-Besuch mit Flaschen: Hubert Weber reiste während der letzten Wochen durch Europa und präsentierte seine Weine.

Bern-Besuch mit Flaschen: Hubert Weber reiste während der letzten Wochen durch Europa und präsentierte seine Weine. Bild: Urs Baumann

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Hätte Hubert Weber als Fünfzehnjähriger in Kiesen die richtige Abzweigung genommen, dann wäre er heute vielleicht Apfelsaftproduzent. Doch weil er sich verfuhr und statt bei Ramseier Süssmost bei der Weinkellerei Riem-Däpp landete, wurde aus Apfelsaft Wein: Statt des einen Betriebs schaute er sich den anderen genauer an und erhielt die Gelegenheit zur Schnupperlehre.

«Danach bewarb ich mich gleich für eine Lehrstelle», erzählt der 47-jährige Hubert Weber. «Aber es hiess, ich sei zu jung für die tägliche Arbeit mit Wein, ich solle zuerst ein Jahr lang in einem Rebberg mithelfen.» Das Jahr auf dem Weingut der Waadtländer Familie Bovy war der Start in eine Karriere, die ihn schon bald nach Argentinien führte.

Das Studium der Frau

Nach dem Jahr im Rebberg wurde Hubert Weber bei Riem-Däpp zum Weinküfer, wie Weintechnologen damals hiessen. Noch in der Lehre traf er erstmals auf Lidia Zuberbühler, die damalige In­haberin der Berner Casa de vinos argentinos. Später traf man sich regelmässig an Messen, und an einer solchen – Weber war inzwischen bei Riem-Däpp gestandener Kellermeister, träumte aber immer öfter von Übersee – erzählte sie ihm, dass die Bodega Weinert bereit wäre, Weber ein Jahr lang zu beschäftigen. Nach dem einen Jahr folgte ein zweites als zweiter Kellermeister, und als sein Chef ausstieg, stieg Hubert Weber auf.

«Meine Frau, die ich in Argentinien kennengelernt hatte, studierte damals in Mendoza. Wir wollten noch zwei Jahre bleiben und dann in die Schweiz umziehen.» Seither sind 19 Jahre vergangen, in denen das Ehepaar Weber drei Kinder bekommen hat – ein Umzug sei bis auf weiteres kein Thema mehr.

Wein für 28 Länder

Dennoch reist Hubert Weber regelmässig nach Europa: Er ist auch Exportmanager der Bodega Weinert, die 90 Prozent ihrer Produktion im Ausland verkauft. «Wir liefern unsere Weine in 28 Länder», sagt er – in der Schweiz ist die Casa de vinos argentinos, bei der Hubert Webers Argentinien-Geschichte ihren Anfang nahm, Importeurin. Kürzlich war er dort zu Besuch, traf Schweizer Kunden, organisierte Degustationen und «wine-maker-dinners», lud Journalisten ein. Danach gings nach Skandinavien und England, bevor Hubert Weber wieder heim fliegt, heim nach Argentinien.

Hüter des Grals

In Argentinien gilt er, der Junge aus Wichtrach, als «Hüter des Grals», wie ihn Fachzeitschriften schon nannten. Weinert sei der letzte argentinische Betrieb, der noch den traditionellen Stil pflege, schrieb die Weltwoche 2011. «Wir betreiben die klassische Bordeaux-Schule», sagt Hubert Weber: «Vergärung fast ohne Eingriffe im Betontank, Ausbau in grossen, alten Eichenfässern.» Heute stehe man damit weltweit fast alleine da. «Seit Jahren sind alle auf Frucht aus, auf Konzentration. Dem stellen wir gelagerte Eleganz entgegen.» Er glaube, dass das Publikum der «ewig gleichen Fruchtexplosion» langsam müde sei.

Auch punkto Ökologie brauchen sich seine Weine nicht zu verstecken, sagt Hubert Weber. Die Trauben kämen mit vergleichsweise «sehr wenig Chemie» in Berührung, seine Kellerei sei im Boden und brauche keine Klimatisierung; statt alle drei Jahre Barrique-Fässer auszu­tauschen, la­gere er den Wein in 60-jährigen Holzfässern. Der Transport mit dem Schiff schliesslich sei verhältnismässig schadstoffarm. Selber reist er aber mit dem Flugzeug zurück – die 300 Holzfässer, die er jährlich abfüllt, wollen regelmässig degu­stiert sein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.09.2016, 09:35 Uhr

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