Die Berner Film-WG feiert Jubiläum

Bern

Gebündelte Kräfte: Seit einem Jahr arbeiten Filmschaffende, Produktionsfirmen und das Kino Lichtspiel neben- und miteinander im Berner Filmhaus. Ein Rückblick mit den Drahtziehern.

Blicken auf ein Jahr Berner Filmhaus zurück: David Landolf, Stefanie Arnold, Peter Guyer und Markus Heiniger (v.l.) im Kino Lichtspiel.

Blicken auf ein Jahr Berner Filmhaus zurück: David Landolf, Stefanie Arnold, Peter Guyer und Markus Heiniger (v.l.) im Kino Lichtspiel.

(Bild: Urs Baumann)

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Peter Guyer, von Ihnen stammte die Idee zu einem Filmhaus Bern. Wie sehr entspricht die heutige Situation Ihrer Vorstellung?Peter Guyer:Meine Idee war es, verschiedene Filmschaffende zusammenzubringen, um Synergien zu nutzen. Jetzt sind das Kino Lichtspiel und verschiedene Produktionsfirmen unter einem Dach vereint. Das eröffnet Möglichkeiten, die es zuvor in Bern nicht gab.

Ihre persönliche Bilanz nach einem Jahr?Guyer: Wir sind immer noch in der Anfangsphase. Das heisst: Wir müssen erst rausfinden, welche Synergien sinnvoll sind. Manchmal steht Zusammenarbeit einem künstlerischen Schaffen auch diametral entgegen. David Landolf:Das Filmhaus ist eine Hülle für Ideen und Begegnungen. Es entstand nicht nach einem starren Konzept, sondern wird von Leuten getragen, die bereit waren, sich auf ein Abenteuer einzulassen. Stefanie Arnold: Das Filmhaus ist einerseits ein Ort, wo sich Ideen kristallisieren, und andererseits auch ein Symbol mit Ausstrahlungskraft. Es sorgt für eine bessere Sichtbarkeit des gesamten Berner Filmschaffens. Auch auf nationaler Ebene wird der Filmstandort Bern inzwischen viel stärker wahrgenommen.

Blicken wir kurz zurück: Vor fünf Jahren haben Sie, David Landolf, gewarnt, die Berner Filmszene stehe vor dem Aussterben. Jetzt scheint die Branche vor Tatendrang zu strotzen. Woher rührt dieser Wandel?Landolf: Ein Grund ist sicher, dass der Berner Filmförderkredit seit 2010 massiv erhöht worden ist. Die Branche hat sich aber auch selbst regeneriert. Markus Heiniger: Es war ein gegenseitiges Hochschaukeln Guyer:Entscheidend war «Bern für den Film»: 2008 hatte sich die Branche in diesem Verein zusammengerauft, um gemeinsam für eine neue Berner Filmförderung zu kämpfen. Da meldete sich auch der lange vermisste Nachwuchs.

Markus Heiniger, Sie gehörten damals zum Nachwuchs...Heiniger:Ja, ich hatte gerade die Ausbildung in Zürich abgeschlossen, als «Bern für den Film» aufgegleist wurde. Ich spürte, dass da etwas Spannendes entstand. Etwas, das einem auch erlauben würde, am selben Ort zu arbeiten, ohne am Konkurrenzdruck zu ersticken. Deshalb kehrten Regisseur Steve Walker und ich nach Bern zurück und bauten hier unsere Produktionsfirma auf.

Das Kino Lichtspiel beansprucht die grösste Fläche im Filmhaus. Wie sieht die Zwischenbilanz des Kinos aus?Landolf:Wir haben uns gut eingelebt, erhalten positive Reaktionen und haben mehr Zuschauer als zuvor. Ausserdem stellen wir unsere Räume für Sitzungen oder Workshops zur Verfügung. Arnold: Es gibt da auch einen gemeinsamen Mittagstisch. Das ist sozusagen der Kaffeeautomat, wo man sich in einem entspannten Rahmen austauscht und spontane Ideen entstehen.

Wie muss man sich die Nutzung von Synergien im Filmhaus vorstellen – gibt es so etwas wie einen Materialpool?Guyer:Noch nicht. Allerdings ist es bei grösseren Anschaffungen üblich, dass wir diese gemeinsam prüfen. Auch Postproduktionen planen wir gemeinsam.

Was heisst das?Heiniger:Wir bringen alle schon einiges an technischem Equipment zusammen. Und teilweise wird bereits jetzt Material gemeinsam genutzt. Wir haben aber zum Beispiel zwei verschiedene Schnittsysteme im Haus, einfach deshalb, weil wir aus verschiedenen «Welten» gekommen sind. Jetzt stellt sich die Frage: In welche Richtung wollen wir steuern? Ist es effizienter, nur noch mit einem System zu arbeiten, das alle benutzen können?

Wo sehen Sie sonst noch Verbesserungspotenzial im Filmhaus?Guyer:Mir wäre eine noch vertieftere Zusammenarbeit wichtig. Es gibt diese zum Teil schon auf Projektbasis. Als mittelfristiges Ziel finde ich es erstrebenswert, wenn wir uns Praktikanten teilen könnten. Heiniger: Ich fände es toll, unseren Inhouse-Gedanken weiterzuspinnen. Wenn wir zum Beispiel noch jemanden aus dem Tonbereich oder einen Spezialeffektspezialisten im Haus hätten. Das wäre grossartig. Landolf:Oder eine Verleiherin.

Wer entscheidet letztlich, wer im Filmhaus Mieter wird?Heiniger:Die Mietervereinigung.

Und welche Kriterien muss man erfüllen?Heiniger:Wir suchen Leute, die aktiv sind im Berner Filmschaffen und am gegenseitigen Austausch interessiert sind.

Gab es viele Mieterwechsel im ersten Jahr?Heiniger: Nein, nur einen.

Wer ist wer? David Landolf: Direktor des Kinos Lichtspiel; Stefanie Arnold: Geschäftsführerin des Vereins «Bern für den Film»; Markus Heiniger: Produzent, Regisseur und Kameramann bei der Produktionsfirma Voltafilm; Peter Guyer: Produzent, Regisseur und Kameramann bei RecycledTV.

Berner Zeitung

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