Hinterkappelen

Es geht noch nicht ohne Öl

HinterkappelenDer ­geplante Wärmeverbund kommt nicht so recht voran. Einsprachen, Projektänderungen und ein ­ausstehendes Gutachten verzögern den Start. Vorerst wird mit Öl ­geheizt, erneuerbar wirds ­frühestens im Herbst 2019.

<b>Blick vom Standort der Heizzentrale bei der ARA</b> in Richtung Kappelenring. Noch laufen erst die Bewilligungsverfahren.

Blick vom Standort der Heizzentrale bei der ARA in Richtung Kappelenring. Noch laufen erst die Bewilligungsverfahren. Bild: Andreas Blatter

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Die Kritiker des Wärmeverbunds in Hinterkappelen sind nie verstummt. Die Lösung von Energie 360° sei zu teuer, das Zürcher Unternehmen sei auf maximalen Gewinn ausgerichtet, liessen sie immer wieder verlauten. Jetzt erhalten die Skeptiker neue Nahrung. Denn die Realisierung des Wärmeverbunds, der die Energie aus dem Wasser des Wohlensees gewinnt, braucht Zeit.

Noch liegt für keine Etappe im Kappelenring eine Baubewilligung vor, ein Verfahren läuft. Hingegen muss die Überbauungsordnung (ÜO) ein zweites Mal geringfügig angepasst werden. Die Wasserentnahme aus dem Wohlensee bedingt ein gewässerökologisches Gutachten, das noch nicht abgeschlossen ist.

Zu optimistisch

Es sei nicht alles so reibungslos gelaufen, wie sich das Energie 360° vorgestellt habe, räumt Geschäftsleitungsmitglied Romeo Deplazes ein. So habe man bei der Detailplanung Verbesserungs­potenzial gefunden. «Uns ist es wichtig, den Kunden die bestmögliche Lösung anzubieten», betont Deplazes. Da nehme man eine Verzögerung in Kauf, das zahle sich langfristig aus. Energie 360° habe bewusst einen sport­lichen Zeitplan gesetzt. Romeo Deplazes: «Das finanzielle Risiko tragen wir und nicht unsere ­Kunden.»

Das gewässerökologische Gutachten ist notwendig, damit Energie 360° eine Bewilligung für die Wasserentnahme erhält. Das Gutachten war direkt nach dem Investitionsentscheid im Sommer 2017 in Auftrag gegeben worden. «Wir haben mit einer kürzeren Dauer gerechnet», erklärt Deplazes.

Aber der Naturschutz habe einen hohen Stellenwert, und diese Arbeiten sollen sorgfältig ausgeführt werden. Der Zwischenbericht bestätige, so Deplazes, dass die Wasserentnahmestelle gut ausgewählt worden sei.

Aufgrund der Verzögerungen steht schon jetzt fest, dass im Herbst 2018 die Wärmepumpen nicht in Betrieb sein werden. Trotzdem will Energie 360° ab diesem Zeitpunkt erste Kunden mit Wärme versorgen.

Und zwar jene, bei denen die alte Heizung dringend ersetzt werden muss. Dazu ist Energie 360° vertraglich verpflichtet. Deshalb wird noch ab diesem Sommer auf dem ARA-Gelände die Heizzentrale gebaut – mit einer Ölheizung. Diese wird später bei Spitzenlast oder bei Pannen die Wärmepumpen unterstützen.

Maximal fünf Jahre

Die Kritiker sehen sich deshalb in einem anderen Punkt bestätigt: Sie befürchten, dass Energie 360° bis auf weiteres auf die billigere Ölheizung setzt. Das würde die Baupolizeibehörde Wohlen jedoch nicht zulassen. Sie hat den reinen Ölheizungsbetrieb für maximal fünf Jahre bewilligt, wie die Gemeinde auf der Website informiert.

Gemeindepräsident Bänz Müller (SP plus) fügt an, dass umgestellt werden muss, sobald die Wärmepumpen in Betrieb sind. Er ist froh, dass Energie 360° am Projekt festhält, trotz der Verzögerungen und Mehrkosten.

Romeo Deplazes betont, dass man stets «transparent und nach aktuellem Kenntnisstand» informiert habe. Aber es sei nachvollziehbar, dass das aktuell anders erscheine. «Wir führen auch weiterhin einen offenen Dialog mit allen Interessierten und Beteiligten.» Wichtig sei, dass die Kunden die Nachteile der Verzögerungen nicht spüren und die Vorteile des Wärmeverbunds mit Energie aus der Region erkennen würden.

In Etappen

Zurzeit läuft das Einspracheverfahren für das erste Baugesuch: den Bau der Heizzentrale und die Leitungen im Bereich Kappelenring West. Der Gemeinderat Wohlen hat soeben eine geringfügige Änderung der Überbauungsordnung beschlossen, die für den Leitungsbau von der Heizzentrale in den Ring mehr Spielraum lässt.

Als Nächstes folgen eine kleine Änderung der ÜO, um das Wasserentnahmewerk etwas vom Ufer entfernt erstellen zu können, sowie die Baugesuche für die Leitungen von der Zentrale weg und den Kappelenring Ost.

Laut Romeo Deplazes ist es realistisch, die erste Wärmepumpe im Herbst 2019 in Betrieb zu nehmen. «Wir setzen alles daran, den Verbund auf die Heizsaison 2019/2020 ausreichend mit erneuerbarer Energie zu versorgen.» Voraussetzung sei, dass die Bewilligungsverfahren sich wegen Einsprachen nicht weiter verzögern würden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.04.2018, 10:57 Uhr

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