Metzgerei Richner schliesst nach 95 Jahren

Bern

Die Metzgerei Richner in der Berner Aarbergergasse schliesst Ende Juni. Nachfolger ist Ängelibeck-Inhaber Kurt Sahli. Im September eröffnet er eine Bäckerei und einen Tearoom.

Rudolf Sieber-Richner (links) und sein Nachfolger Kurt Sahli.

Rudolf Sieber-Richner (links) und sein Nachfolger Kurt Sahli.

(Bild: Urs Baumann)

Die Metzgerei als Familienbetrieb ist ein Auslaufmodell, zumindest in der Berner Innenstadt. Letzten November hat Christian Steiner seinen Betrieb geschlossen, nun hört auch Rudolf Sieber-Richner auf. Der Familienbetrieb an der Aarbergergasse wurde von Adolf Richner vor 95 Jahren eröffnet. Rudolf Sieber-Richner führt das Geschäft seit 29 Jahren, in dritter Generation. «Am 26.Juni ist für mich der letzte Arbeitstag, damit schliesst auch das älteste Geschäft in der Aarbergergasse.»

Erste Hotdogs in der Stadt

Eine der Spezialitäten der Metzgerei ist das «Richnerli», ein Schweinswürstli, das seit 1920 produziert wird. «Mein Vater hat in den frühen 1960er-Jahren übrigens den ersten Hotdog in der Stadt Bern verkauft», erzählt Rudolf Sieber-Richner. Die Gründe für die Geschäftsaufgabe seien gesundheitliche Probleme, sagt der 60-jährige Metzgermeister. Der Arbeitsaufwand sei enorm, er habe jahrelang von Montagmorgen früh bis Samstagabend spät durchgearbeitet. Im Raum Bahnhof bis Nydegg gibts ab Juni nur noch einen Familienbetrieb aus dem Metzgergewerbe: Max Grunder an der Rathausgasse.

Neues «Schlaraffenland»

Rudolf Sieber-Richner hat für die Räumlichkeiten einen Nachfolger gefunden – allerdings keinen Metzger, sondern Ängelibeck-Inhaber Kurt Sahli. Dieser will das Ladenlokal ab dem 1.September als Bäckerei führen. Zudem wird Sahli im ersten Stockwerk an der Aarbergergasse 3 den neu geschaffenen, 25-plätzigen Tearoom «Schlaraffenland» eröffnen. Eine neu gebaute Treppe soll vom Verkaufsgeschäft im Parterre nach oben führen. Das Gesuch für eine Aussenbestuhlung auf der Gasse sei auch eingereicht. Der Bäckermeister muss Ende Mai seinen heutigen Standort in der Markthalle verlassen.

Finanzielle Absicherung

Kurt Sahli will künftig aber nicht nur in der Aarbergergasse geschäften, sondern zusätzlich an der Schwanengasse 11, im Erdgeschoss der alten Handelsschule.Auch dort will Sahli eine Kaffeestube einbauen, das «Himmelreich». Wann er dort eröffnen könne, sei noch unklar, sagt er. Der Grund dafür, dass er nach dem Auszug aus der Markthalle gleich an zwei Standorten weitermache, sei die finanzielle Absicherung. «Damit ich den Umsatz in der Markthalle auffangen kann, sind beide Standorte nötig», erklärt er. Zudem hätte er mit nur einem Betrieb Leute entlassen müssen. «Jetzt kann ich sogar vier bis fünf zusätzliche Mitarbeiterinnen anstellen.» Kurt Sahli beschäftigt 42 Angestellte.

Berner Zeitung

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