Warum Schwarzmalen auch farbig sein kann

Am 23. Juli geht die Serie BEsonders weiter: Wir haben den 31-jährigen Grafiker und Schwarzmaler Kkade in seinem Atelier besucht. Der Trailer zur 7. Folge.

Claudia Salzmann@C_L_A

Ganz im Dunkeln sitzt Pascal Flühmann in seinem Wohnzimmer und zeichnet mit Bleistift ein detailliertes Logo für das Royal-Arena-Open-Air. In der Nacht ­beginne seine kreative Phase, erzählt der 31-Jährige. «Dann ruft niemand mehr an, und ich zeichne so lange, bis es einfach nicht mehr geht.»

Auch wenn ein Laie auf Flühmanns Blatt blickt, erkennt er das Talent des Grafikers. Mit der Bleistiftzeichnung ist seine Arbeit allerdings nicht getan: Danach wird sie weiterverarbeitet und als Grafikdesign zu Plakaten, T-Shirts und insbesondere Logos weiterverarbeitet. Zu seinen Kunden zählen Berner Kulturorte, aber auch Firmen wie Red Bull sind in seinem Portfolio.

Dosen und Schwarzmaler

Seine Künstlerkarriere begann vor 17 Jahren: «Mit 14 nahm ich zum ersten Mal eine Spraydose in die Hand und habe sie seither nie mehr abgelegt», erklärt Flühmann, der unter dem Künstlernamen Kkade sprayt und arbeitet. Dass er ein Sprayer ist, beweist auch sein Kellerabteil: Dosen, leer und voll, füllen das Regal und einen guten Teil des Bodens.

2008 gründete der gebürtige Murtner mit sechs Kollegen das Kollektiv «Schwarzmaler». «Leider haben wir heute nur noch selten Zeit, eine Wand gemeinsam zu besprayen», bedauert Kkade. Allerdings sei dies auch darauf zurückzuführen, dass alle quer in der Schweiz verteilt seien und eigene Projekte hätten. Kilian, einer der «Schwarzmaler», erklärt Kkades Stil: «Er ist eine Mischung zwischen Graffiti, Grafik und Typografie. Kkade hat Erfolg, weil er nicht das Gleiche macht, wie alle anderen, und verschiedene Stile anbietet.»

31'?000 Follower

Nicht nur das Kollektiv ist von ihm überzeugt, wie es scheint, auch die sozialen Medien: Insbesondere auf der Fotoapplikation Instagram hat er eine grosse Fangemeinde. Auf der sozialen Plattform schauen sich über 31'?000 Menschen seine neuesten Werke an. Anders als sonstige professionelle Instagram-Nutzer (siehe Text unten) verlässt sich Kkade nicht auf Instagram als Werbe­kanal: «Meine Kunst muss auch ohne Instagram funktionieren. Stell dir mal vor, morgen wird es abgeschaltet, was dann?» Ausserdem sei das alles ja nicht real: «Am Ende des Tages kann ich mir von ‹Likes› nichts in der Migros kaufen gehen.»

«Mit 14 nahm ich zum ersten Mal eine Spraydose in die Hand und habe sie seither nie mehr abgelegt.»Pascal Flühmann

Durch Instagram werden aber ab und zu internationale Kunden auf Pascal Flühmanns Arbeiten aufmerksam. Nebst den Schweizer Projekten und seinen Kundenaufträgen ist er auch öfters ausserhalb seines Ateliers im Mattenhofquartier anzutreffen. In Los Angeles, Montreal, Berlin, Barcelona, Amsterdam – um nur eine Handvoll Städte zu nennen – sind Kkades Werke zu sehen.

Inspiration Berner Altstadt

Öfters sprayt er ganze Hauswände zu einem Kunstwerk um, wie im April im dänischen Ort Aarhus. Um die 20 Meter hohe Wand fertigzustellen, brauchte er viele Stunden, einen Kran und natürlich Hilfe von Kollegen.

«Die meisten Projekte im Ausland sind nicht kommerziell, sondern von Kulturorganisationen angefragt. Sie machen mir aber besonders Freude, weil man dabei viele Menschen kennen lernt.»

Für Inspiration schweift Kkade aber nicht in die Ferne, sondern in die Berner Altstadt: «Das Verschnörkelte und die kunstvollen Gebäudeverzierungen geben gute Inputs für meine Zeichnungen», sagt der gelernte Grafiker. Das helfe ihm, sich von der Konkurrenz abzuheben: «Ich habe mehr Mut, was auszuprobieren, vielleicht auch wegen meines Graffitihintergrunds.»

Berner Zeitung

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