Älteste Schweizerin stirbt im Alter von 109 Jahren

Köniz

In ein paar Tagen wäre sie 110 Jahre alt geworden, doch diesen Tag erlebt Frieda Binz nun nicht mehr: Die Könizerin ist vergangene Woche gestorben.

Frieda Binz im letzten Sommer: Mit sich und der Welt sichtlich zufrieden, aber irgendwie schon ein Stück weit entrückt.

Frieda Binz im letzten Sommer: Mit sich und der Welt sichtlich zufrieden, aber irgendwie schon ein Stück weit entrückt.

(Bild: Christian Pfander)

Stephan Künzi

Schon im letzten Sommer schien sie irgendwie in einer anderen Welt zu leben. Dabei war sie, Frieda Binz, im hohen Alter von 109 Jahren gerade erst nochmals umgezogen. Sie hatte sich entschieden, mit den anderen Pensionärinnen und Pensionären des Pflegeheims Tilia ins angestammte Hochhaus am Ortsrand von Köniz zurückzukehren. Nach einer dreijährigen Umbauzeit, in der das Heim vorübergehend im Alterzentrum Schönberg in Bern untergebracht gewesen war.

Nun sass sie da im rundum modernisierten Tagesraum, lächelte vor sich hin und liess zwar verlauten, dass sie selber zufrieden und das neue Zimmer «schon recht» sei. Sie liess den Besuch aber auch spüren, wie sehr sie es genoss, nochmals von einem Fotografen ins rechte Licht gerückt zu werden. Konkret auf Fragen antworten konnte sie dagegen kaum mehr.

Geistig fit bis ins hohe Alter

Es sollte das letzte Mal sein, dass Frieda Binz Besuch von dieser Zeitung empfing. Letzten Donnerstag ist sie gestorben, wie die «SonntagsZeitung» am Wochenende meldete. Mittlerweile war der nächste Geburtstag in greifbare Nähe gerückt: Am 10. Januar, fast auf den Tag zwei Wochen später, wäre sie 110 Jahre alt geworden. Schwiegertochter Gerti Binz hatte, wie sie nebenbei in der Einladung erwähnte, schon einen Apéro zu Ehren de ältesten Frau nicht nur aus Köniz und der Region Bern, sondern aus der ganzen Schweiz organisiert.

Die Begegnung kurz nach dem Umzug ins Pflegeheim Tilia war typisch für die Art, wie sich Frieda Binz am Ende ihres Lebens gab. In den vergangenen drei Jahren lebte sie immer stärker in der Vergangenheit, wie die Schwiegertochter in der «SonntagsZeitung» weiter erzählt: Bis zum 107. Geburtstag habe sie praktisch alles um sich herum mitbekommen, dann sei sie in ihrer Gedankenwelt «quasi immer jünger» geworden.

Söhne starben früher

Zur Welt gekommen ist Frieda Binz im Jahr 1908 in Zürich, ihre Jugend verbrachte sie allerdings in Thun. Nach der Schule arbeitete sie als Telefonistin im internationalen Gesprächsverkehr, sie war eine der ersten in diesem Beruf. Ihre Aufgabe war es, Verbindungen in die ganze Welt herzustellen, das sogenannte Stöpseln ging damals noch von Hand vonstatten.

Gemeinsam mit ihrem gleichaltrigen Mann zog sie zwei Söhne und eine Tochter gross. Bis auf die heute 81-jährige Tochter überlebte sie alle. Den Mann verlor sie bereits mit 50 Jahren an Krebs, und auch den beiden Söhnen war kein längeres Leben beschieden. Zur Tochter, die bereits in jungen Jahren in die USA ausgewandert war, hielt sie bis ins hohe Alter engen Kontakt: Noch als 99-Jährige flog sie zu ihr – und wurde prompt vom Piloten persönlich als älteste Passagierin der Maschine willkommen geheissen.

Damals lebte sie noch selbstständig in ihrem Haus am Jolimontweg im Spiegel. Ins Pflegeheim zog sie erst später, mit 102 Jahren. Ihre grosse Robustheit verdankte sie nicht zuletzt ihrer Sportlichkeit: Viel Zeit verbrachte sie in den geliebten Bergen, sie fuhr Ski, machte Langlauf, und wanderte.

Noch mehr Jubilaren

In der Region Bern gibt es regelmässig Schlagzeilen über Leute, die weit über 100 Jahre alt werden. Der wohl bekannteste dieser Jubilare war Werner Tschaggelar aus Worb. Er war sogar noch ein Jahr vor Frieda Binz geboren worden, starb aber bereits im Mai 2015 ein halbes Jahr nach seinem 107. Geburtstag.

In der Schweiz gab es allerdings auch eine Frau, die noch älter wurde. Sie hiess Rosa Rein und starb kurz vor ihrem 113. Geburtstag in einem Altersheim bei Lugano.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt