Asylzentrum: Bern könnte Lyss erlösen

Der Widerstand gegen das geplante Bundesasylzentrum in Lyss ist gross. Realistischer wäre ein Standort in der Stadt Bern: Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) schlägt das Kasernenareal als Alternative vor.

Ein Bundesasylzentrum auf dem Kasernenareal im Breitenrain? Franziska Teuscher bringt diese Alternative zum Standort Lyss ins Spiel.<p class='credit'>(Bild: Stefan Anderegg)</p>

Ein Bundesasylzentrum auf dem Kasernenareal im Breitenrain? Franziska Teuscher bringt diese Alternative zum Standort Lyss ins Spiel.

(Bild: Stefan Anderegg)

In der Diskussion um das ge­plante Bundesasylzentrum in Lyss tut sich ein neuer Weg auf: Wie der «Bund» am Freitag berichtete, signalisieren Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) und Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB), dass die Stadt Bern ­offen wäre für ein Zentrum.

Zur Erinnerung: Im März 2014 beschlossen Bund, Kanton und Städte an einer Asylkonferenz, dass bis 2023 mindestens zwei Bundesasylzentren im Kanton Bern bestehen müssen. Der erste Standort ist bereits festgelegt: Das Durchgangszentrum in Kappelen soll bis 2019 ausgebaut werden.

Für den zweiten Standort liebäugelt der Bund momentan mit dem Waffenplatz in Lyss – nur rund 800 Meter von Kappelen entfernt. Der Widerstand gegen diese Pläne ist sowohl bei der Gemeinde als auch beim Regierungsrat gross. Christoph Neuhaus (SVP) kündete etwa an, «bis aufs Blut» gegen den Standort zu kämpfen.

Überraschung für den Kanton

Auch in der Stadt Bern gibt es aktuell ein Bundesasylzentrum, im Bettenhochhaus des ehemaligen Zieglerspitals. Dieses ist jedoch befristet bis 2023, anschliessend sollen auf dem Areal Wohnungen entstehen. Für Stapi Alec von Graffenried wäre es denkbar, dass dieser provisorische Standort auf unbestimmte Zeit weiterbetrieben werden könnte, wie er gegenüber dem «Bund» sagte.

Für Franziska Teuscher hingegen, die Direktorin für Bildung, Soziales und Sport, kommt das Zieglerspital nicht infrage. Stattdessen bringt sie einen neuen Standort ins Spiel: das Kasernenareal im Breitenrain.

Eine Nachricht, die für das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, dem das Areal gehört, überraschend kam. Man sei im Vorfeld nicht über Teuschers Vorschlag informiert worden und könne diesen deshalb auch nicht kommentieren, so Mediensprecher Renato Kalbermatten. Auch das Staatssekretariat für Migration, welches mit der Standortsuche für mögliche Asylzentren beauftragt ist, gibt aktuell keine Auskünfte zu einzelnen Standortoptionen.

Ein Akt der Solidarität

«Wenn die Stadt Bern einen Beitrag zur Standortsuche leisten kann, dann liegt dies meiner Meinung nach auch in unserer Verantwortung», begründet Franziska Teuscher den überraschenden Vorschlag. Es sei ein Akt der So­lidarität zwischen Bund, Kanton und Gemeinde sowie gegenüber den betroffenen Menschen.

Das Kasernenareal biete als Standort gleich mehrere Vorteile, führt Teuscher aus: Einerseits seien mit Bund, Kanton und Stadt bereits heute die wichtigsten Partner an der Nutzung des Areals beteiligt, wodurch die Umsetzung beschleunigt werden könnte. «Andererseits hat die Quartierbevölkerung in den letzten Jahren eindrücklich gezeigt, dass sie solidarisch ist und die geflüchteten Menschen rasch integriert.» Gezeigt habe dies das Beispiel der alten Feuerwehr Viktoria, in der bereits seit längerem Asylsuchende leben.

Letztlich bleibe ihr Vorschlag aber nur eine Idee, meint Teuscher: «Ich bin davon überzeugt, dass es in der Region Bern noch andere mögliche Standorte gibt, wenn Bund, Kantone und Gemeinden die Suche miteinander vorantreiben.»

Berner Zeitung

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