Auch Behinderte verlieren ihre Stelle

Bern

Die Berner Stiftung Rossfeld verkleinert ihre geschützte Werkstätte und gibt die interne Berufsbildung auf. Sie baut rund 35 Stellen ab. Betroffen sind auch 9 Angestellte mit einer körperlichen Behinderung.

Getrübte Idylle im Rossfeld: Die Stiftung muss rund 35 Stellen streichen.

Getrübte Idylle im Rossfeld: Die Stiftung muss rund 35 Stellen streichen.

(Bild: Christian Pfander)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Die Stiftung Rossfeld ist die Adresse für körperlich Behinderte in der Region Bern. Kontinuität war der Stiftung bislang wichtig. Doch jetzt hat der Stiftungsrat entschieden, ein einschneidendes Sparpaket umzusetzen.

Stark davon betroffen ist die geschützte Werkstätte. Der Stiftungsrat will diese verkleinern. Von der geplanten Umstrukturierung sind bis zu 9 Angestellte mit einer körperlichen Behinderung betroffen: Sie werden entlassen. Bis zu 10 weiteren Angestellten wird eine Beschäftigung in der Tagesstätte der Stiftung Rossfeld angeboten. Das Sparpaket betrifft auch zwei Teamleiter der Werkstätte. Ob auch ihnen die Entlassung droht, ist noch offen.

Die geschützte Werkstätte erbringt in erster Linie Bürodienstleistungen für externe Kunden. Der Stiftungsrat betont in seiner Medienmitteilung, dass wegen der Digitalisierung und des steigenden Wettbewerbsdrucks die Nachfrage nach solchen Angeboten zurückgegangen sei.

Aus für die Berufsbildung

Vom Sparprogramm noch stärker betroffen ist der Bereich Berufsausbildung. Die Stiftung bietet seit 1972 Berufsausbildungen für körperbehinderte Lehrlinge an. Diese will der Stiftungsrat nun einstellen. «Dieses Angebot wird bedingt durch den Erfolg der Integration von körperbehinderten Menschen in den ersten Arbeitsmarkt nur noch schwach nachgefragt», schreibt der Stiftungsrat in seiner Mitteilung. 21 Lehr- und Betreuungspersonen verlieren deshalb ihre Stelle.

Derzeit absolvieren 23 Lernende im Rossfeld ihre Lehre. Sie werden ihre Lehre wie geplant in der Institution abschliessen können. Auch die 12 Lehrlinge, welche im Sommer 2019 ihre Lehre beginnen werden, können ihre Ausbildung ebenfalls noch im Rossfeld beenden.

Die Stiftung will indes nicht ganz aus der Berufsbildung aussteigen. Sie plant in Partnerschaft mit einem privaten Anbieter den Aufbau eines externen neuen Angebots in diesem Bereich. Die Stiftung will Berufsschulen beim Unterricht von behinderten Lehrlingen Unterstützung anbieten.

Der Stiftungsrat will die Massnahmen in der ersten Hälfte des Jahres 2019 umsetzen. Vorbehalten bleibe das Ergebnis des Konsultationsverfahrens, das am Montag eingeleitet worden sei. Um Härtefälle zu vermeiden, erarbeitet die Stiftung Rossfeld einen Sozialplan.

Neue Gesetzeslage

Stiftungsratspräsident Giorgio Albisetti begründet das Sparpaket auch mit Gesetzesänderungen. «Der Gesetzgeber akzeptiert eine Quersubventionierung der verschiedenen Bereiche nicht mehr», erklärt er. Die Analyse habe gezeigt, dass in beiden Bereichen, in denen die Stiftung nun sparen wolle, Verluste angefallen seien. Die Stiftung verzeichnete im vergangenen Jahr ein Defizit von 210'000 Franken, wie dem Geschäftsbericht zu entnehmen ist. Der Umsatz belief sich auf rund 20 Millionen Franken.

Die Stiftung Schulungs- und Wohnheime Rossfeld ist laut ihrer eigenen Einschätzung das «führende überregionale Kompetenzzentrum für Menschen mit einer körperlichen Behinderung ohne kognitive Einschränkungen von 5 bis 65 Jahren». Sie beschäftigt rund 270 Mitarbeitende und betreut 330 Menschen mit einer körperlichen Behinderung.

Der Stiftungsrat betont schliesslich, dass er nicht nur redimensioniere, sondern auch investiere. So werden im Rossfeld zurzeit 45 neue Wohnungen erstellt, die bezüglich Infrastruktur und Betreuung auf die Bedürfnisse von Mietern mit körperlicher Behinderung zugeschnitten sind und ein weitgehend selbstständiges Leben ermöglichen. Im Bereich Wohnen bietet die Stiftung bereits heute im Rossfeld 49 stationäre Studios für Menschen mit einer Körperbehinderung sowie 17 Wohnungen für selbstständiges Wohnen in Rüfenacht an.

Berner Zeitung

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