Auf Gurten-Patrouille mit einem Wikinger

Roger Rutschi und seine Kollegin sind ein eingespieltes Team am Gurtenfestival. Die Broncos haben sich vom berüchtigten Rüpeltrupp zum professionellen Sicherheitsteam gewandelt. Mit Herz für Tiere.

Mit den Broncos auf Kontrollgang durch die Sleepingzone des Gurtenfestivals.
Michael Feller@mikefelloni

«Jeder Einsatz beginnt mit einem Becher Kaffee», sagt der Hüne mit dem rostroten Bart. Roger Rutschi und seine Kollegin machen sich im gelben Zelt abseits des Geländes bereit für den Einsatz auf dem Festivalgelände. Hier trifft sich die Bronco Secu­rity, jene Sicherheitsfirma, die 1999 aus dem Broncos-Motorradclub hervorgegangen ist.

Die Kollegen haben das Duo über die Ereignisse der letzten Schicht aufdatiert. Alles ruhig. Das ist am frühen Nachmittag auch nicht verwunderlich. «Wenn dann der Alkoholpegel steigt, gibt es mehr zu tun, das ist schon so», sagt Roger Rutschi.

Rutschi ist ein Sicherheitsmann wie aus dem Bilderbuch, mit dem man lieber nicht allzu physisch ins Argumentieren kommen möchte. Aber er ist einer, der die Menschen gern hat, das zeigt sich auf dem Patrouillenrundgang sofort. Hier ein Spruch, da ein kurzer Schwatz.

«Ich habe dich ein bisschen vermisst. Ehrlich jetzt», begrüsst ihn eine Kollegin, die er beim Sicherheitscheckpoint der Sleeping­zone antrifft. Weil es hier gerade nicht so viel zu tun gibt, sorgt das Sicherheitspersonal für die Sicherheit von drei kleinen Mäuschen, die unter einer Bodenplatte hervorkriechen. «Nicht auf die Platte trampeln!»

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Familie Bronco

«Ich komme immer wieder auf den Gurten, weil wir hier eine Familie sind, ein eingeschworener Haufen», sagt Roger Rutschi. Es geht nicht nur ihm so – und das ist ein wissenschaftlich erhärteter Fakt: Rutschi hat im Rahmen seines kürzlich abgeschlossenen Betriebswirtschaftsstudiums über die Broncos-Betriebskultur seine Diplomarbeit geschrieben.

«Wenn dann der Alkoholpegel steigt, gibt es mehr zu tun, das ist schon so.»Roger Rutschi

Vor vielen Jahren, nach seiner Sanitärspenglerlehre, begann er als Türsteher für die Broncos zu arbeiten. Seit 15 Jahren ist er im Gurten-Team. Wie für die allermeisten Kollegen ist für ihn der Einsatz für den Sicherheitsdienst eine Nebenbeschäftigung. Seine Patrouillenpartnerin will unerkannt bleiben. Ihr Arbeitgeber würde es nicht gerne sehen, wenn sie als Broncos-Mitarbeiterin in der Zeitung erschiene.

Dabei hat sich das Image der ­Sicherheitsfirma in den letzten Jahren gewandelt. Noch vor 15 Jahren hatten die Broncos den Ruf von Rocker-Rüpeln, die in brenzligen Situation allzu schnell die Fäuste sprechen lassen. «Die Zeiten haben sich geändert», sagt Rutschi, «wir haben uns klar professionalisiert.» Das Sicherheitspersonal erhält eine Ausbildung von 80 Stunden.

Ins Gewissen reden hilft

«Das Ziel ist es immer, die Situationen im Gespräch zu entschärfen», sagt Rutschi. Bei einer Streiterei versucht er, den Beteiligten ins Gewissen zu reden. Ihnen klarzumachen, dass sie eigentlich am Festival sind, um die Musik zu geniessen. «Im Idealfall sieht man die Streithähne eine Viertelstunde später zusammen ein Bier trinken. Doch, das kommt wirklich vor.» Mühsam sei es, wenn sich unbeteiligte Leute gegen die Broncos solidarisierten, wenn diese einen Streit zu schlichten versuchten.

«Im Idealfall sieht man die Streithähne eine Viertelstunde später zusammen ein Bier trinken. Doch, das kommt wirklich vor.»Roger Rutschi

Doch oft ist das Zusammentreffen mit Festivalbesuchern eine erfreuliche Angelegenheit. «Gestern hat mich eine Frau ­angesprochen, der wir vor drei Jahren geholfen hatten, als sie in eine Schlägerei geraten war. Solche Situationen motivieren mich dazu, weiterzumachen» Selbst musste er seine Fäuste noch nie einsetzen. «Die Körpermasse eingesetzt habe ich hin und wieder, ja, aber nie die Fäuste.» Dass das weit reicht, ist angesichts der Wikingerpostur durchaus einleuchtend.

Über seine Tätigkeit bei den Broncos, die auch bei Eishockey- und Fussballspielen im Einsatz sind, ist der 38-Jährige auch zu seinem neuen Hauptberuf als Sicherheitschef einer Berner Firma gekommen. Er freut sich tierisch auf die neue Aufgabe. Bevor es losgeht, patrouilliert er aber noch ein paarmal über das Gur­ten-Gelände. Nicht immer wird es so geruhsam zugehen wie an diesem Nachmittag.

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