Bäckerei Ritz schliesst - 65 Mitarbeiter entlassen

Laupen

Was sich seit längerem abzeichnete, steht nun fest: Die Grossbäckerei Ritz AG stellt ihre Produktion ein. Damit verlieren 65 Mitarbeitende per Ende April ihre Arbeitsstelle.

Der Backwarenhersteller Ritz in Laupen muss schliessen.

Der Backwarenhersteller Ritz in Laupen muss schliessen.

(Bild: Google Streetview)

Mit der Schliessung der Grossbäckerei Ritz AG an der Bösingenstrasse verliert Laupen ein Traditionsunternehmen, und 65 Personen werden arbeitslos. Das habe sich schon länger abgezeichnet, sagt Verwaltungsratspräsident Jürg Reinhard. «Das Marktumfeld für Lebensmittel ist sehr hart geworden», sagt er.

Billigimporte würden einen enormen Preisdruck verursachen, dem ein kleines Unternehmen wie Ritz wenig entgegensetzen könne. Die Produktionskapazitäten seien begrenzt, die nur teilautomati­sierten Herstellungsverfahren zu teuer. Schon seit einigen Jahren sei man nicht mehr in der Lage gewesen, Produkte zu marktgerechten Preisen anzubieten.

Verschiedene Szenarien zum Weiterführen des Geschäfts wurden geprüft. Nichts habe jedoch die notwendige langfristige wirtschaftliche Perspektive geboten, sagt Jürg Reinhard.

Auf Vollsortiment gesetzt

In den letzten Jahren produzierte die Ritz AG ein Vollsortiment. Das heisst, alles von den bekannten Creme-Rouladen und Kuchenteig über Zopf, Gugelhopf, Törtchen, Pastetli, Meringues bis zu modernen Muffins. «Wir mussten auf ein Vollsortiment setzen, weil unsere Kunden nicht mehrere Lieferanten für Back­waren wollen», erklärt Jürg Reinhard.

Voraussichtlich noch bis Mitte Juni wird die Grossbäckerei ihre Kunden beliefern: Tankstellenshops, Volg, Lidl und Denner-Satelliten. «So haben wir das unseren Abnehmern kommuniziert», sagt Jürg Reinhard und betont, ein Sozialplan sei in Arbeit.

Vor fünfzig Jahren

Die Schreibende hat vor einem halben Jahrhundert in den Sommerferien bei der Ritz AG gearbeitet und sich damit Geld für ein Töffli verdient. Sie erinnert sich an die heissen Sommerwochen, die sie neben den Backöfen verbrachte, wo sie sich an den ofenfrischen Pastetli und Merin­gues die Finger verbrannte.

Wurde die Hitze unerträglich, öffnete man ein Fenster, worüber sich vor allem die Wespen freuten, die sich alsbald auf die Zuckerglasur der Leckerli stürzten. Diese Leckerli wurden aus dem Sortiment genommen.

Bald sind auch die Rouladen ausverkauft und alles an­dere auch. Die kleinen Lastwagen mit der unverkennbaren Aufschrift «Ritz» übernimmt vielleicht eine andere Firma und beschriftet sie neu. Ritz, ein kleiner Industriebetrieb, aber einer der grössten Arbeitgeber Laupens, verschwindet.

Schlafstadt verhindern

Der Laupner Gemeindepräsident Urs Balsiger (SVP) erschrak, als er die Nachricht von der Schliessung des Traditionsbetriebs Ritz vernahm. Er versucht, den Gründen dafür nachzuspüren. Einen sieht er bei den Gebäuden, diese seien alt und für die heutige umfangreiche Produktion vermutlich zu klein geworden. «Wir haben ein Stück weit damit gerechnet, dass Ritz einmal wegzieht.

Aber dass es zu einer Schliessung kommt, hätte ich nun doch nicht gedacht», sagt Balsiger. Es gibt ihm zu denken, dass die Gemeinde nun einen Gewerbebetrieb und Arbeitgeber weniger hat. «Das ist ein grosser Verlust. Wir möchten nicht, dass Laupen zur Schlafstadt wird.»

Wer auf der Website von Ritz auf «offene Stellen» klickt, dem wird für das Interesse herzlich gedankt und mitgeteilt: «Derzeit haben wir keine offenen Stellen.» Stimmt.

Berner Zeitung

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