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Bauer Salvisberg hat lieber Kühe als Computer

Formulare im Internet ausfüllen: Das wird für Berner Bauern bald Pflicht. Obwohl Ueli Salvisberg aus Rosshäusern gelegentlich den Computer benützt, hat er Bedenken, weil er sich mit den Geräten zu wenig auskennt.

Am Computer sitzt Ueli Salvisberg nicht so oft, es ist die Domäne seiner Söhne. Er möchte die Angaben für die Direktzahlungen lieber auf einem Papierformular abliefern, gesteht der Landwirt aus Rosshäusern.
Am Computer sitzt Ueli Salvisberg nicht so oft, es ist die Domäne seiner Söhne. Er möchte die Angaben für die Direktzahlungen lieber auf einem Papierformular abliefern, gesteht der Landwirt aus Rosshäusern.
Urs Baumann

Ueli Salvisberg muss den Kugelschreiber bald zur Seite legen. Der Landwirt aus Rosshäusern bei Mühleberg, Besitzer eines Vollzeitbetriebs mit 16 Milchkühen, soll die Angaben für die Berechnung der Direktzahlungen in den Computer eintippen, statt sie auf einem Papierformular einzutragen. Denn für die Bauern in den Kantonen Bern, Freiburg und Solothurn gilt ab Herbst: Die Daten ihres Betriebs müssen neu elektronisch erfasst werden.

Obwohl im Grossteil der Schweizer Bauernhaushalte ein Computer steht, sind nicht alle Landwirte erfreut über die digitale Zukunft. Denn landwirtschaftliche Computerfreaks sind mehrheitlich unter jüngeren Bauern zu finden. Bei vielen 50-, 60-Jährigen und Älteren besteht Skepsis gegenüber den künftigen elektronischen Pflichten.

Auch bei Ueli Salvisberg (52) in Rosshäusern. «Ich bin nicht gegen Computer», stellt er klar. «Ich finde es sogar gut, dass man die Formulare so ausfüllen kann.» Auf dem Bauernhof von Salvisbergs sind die Söhne mit Computern vertraut. Doch deren PC benützt der Landwirt eher selten. «Die meisten Sachen erledige ich lieber per Brief oder Telefon.» Das tut er zum Beispiel als Präsident der Viehzuchtgenossenschaft Bern-West. Einige seiner Vorstandskollegen sind punkto Computer in einer ähnlichen Lage wie er. «Um einen Sitzungstermin festzulegen, starte ich eine Telefonkette. Nach einer Viertelstunde ist der Termin fixiert.»

Bald gläserner Bauer?

Landwirte, die Bedenken haben, den Computer zu füttern: Solche kennt auch Hans Erhard, Ackerbaustellenleiter im emmentalischen Rüderswil. Wegen der bevorstehenden Computerpflichten haben sich zwar noch nicht allzu viele gemeldet. «Vielleicht tun sie das, wenn es dann so weit ist.» Erhard hört jedoch die Bedenken vom «gläsernen Bauern»: Durch die digitalen Erhebungen, warnen Skeptiker, sei von den Landwirtschaftsbetrieben bald jedes Detail einsehbar. Nach Schätzungen des Kantons verfügen etwas 20 Prozent der Betriebe über keinen Computer oder kein Internet. Doch Hans Erhard relativiert. «Oft besitzen zumindest die Jungen auf dem Hof einen PC.»

Finanzieller Druck

So ist es auch im Haus von Ueli Salvisberg. Für den Rosshäuser Landwirt birgt das eine Gefahr: «Wenn die Jungen ausziehen, wird es für mich problematisch.» Er könne die Formulare am Computer zwar problemlos selbst ausfüllen. «Doch ich muss diese auch ausdrucken. Wenn der Drucker streikt oder sonst etwas nicht funktioniert, weiss ich mir nicht zu helfen.» Das Ausdrucken ist nötig, weil unangemeldete Kontrolleure die Formulare sehen wollen. «Wir stehen unter Druck», sagt Salvisberg. «Denn ist beim Ausfüllen ein Fehler passiert, werden die Direktzahlungen gekürzt.»

Finanzielle Folgen hätte es für Salvisberg zudem, wenn er Computer, Drucker, Internetzugang und Druckerpatronen anschaffen oder die Daten extern erfassen lassen müsste. Diese Kosten verteuern den Betrieb. Es soll dereinst Ansprechpersonen geben, die den Bauern die Computerarbeit abnehmen. Die genaue Organisation sei noch nicht festgelegt, erklärt Ackerbaustellenleiter Hans Erhard. Fest steht aber: Auch diese Beratungen werden nicht gratis sein.

Berner so gut wie Luzerner

Trotzdem ist Hans Erhard, was die neuen Erhebungen betrifft, zuversichtlich: «Bedenken gab es auch damals, als die elektronische Tierverkehrsdatenbank eingeführt wurde. Inzwischen ist sie gut etabliert.» 80 Prozent der Betriebe benutzen sie mittlerweile. So werde es auch mit dem Erfassen der Daten für die Direktzahlungen sein, vermutet Erhard. Denn: «Was die Luzerner Bauern bereits können, das bringen wir Berner sicher auch zustande.»

Ueli Salvisberg aber möchte trotzdem die Wahl haben: «Statt der Eingabe per Computer sollte es weiterhin möglich bleiben, Papierformulare abzugeben, so wie zum Beispiel im Kanton Baselland.»

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