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Beim Nähen lebt sie Kreativität

Wenn Sandra Grimm aus Münsingen an der Nähmaschine arbeitet, entsteht meist eine Patchworkdecke mit filigranen Quiltverzierungen.

Blau und Weiss – das sind die Farben, die Sandra Grimm oft verwendet. Sie erinnern die Hobbynäherin an das Meer in Frankreich.
Blau und Weiss – das sind die Farben, die Sandra Grimm oft verwendet. Sie erinnern die Hobbynäherin an das Meer in Frankreich.
Christian Pfander
Im Verein der Berner Quilters wird sie «die Leuchtturmfrau» genannt.
Im Verein der Berner Quilters wird sie «die Leuchtturmfrau» genannt.
Christian Pfander
Quilten ist nicht gleich Patchwork: Der Unterschied liege im Finish, dem letzten Schliff für eine Patchworkdecke.
Quilten ist nicht gleich Patchwork: Der Unterschied liege im Finish, dem letzten Schliff für eine Patchworkdecke.
Christian Pfander
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Etwas stellt Sandra Grimm aus Münsingen gleich zu Beginn fest: Quilten ist nicht gleich Patchwork. Der Unterschied liege im Finish, dem letzten Schliff für eine Patchworkdecke. Der Bettüberwurf oder die Tagesdecke selbst besteht aus drei Schichten: der dekorativen Vorderseite mit zusammengesetzten Stoffen, dem Volumenvlies und der Rückseite. Sind diese drei Schichten vorbereitet, quiltet sie Sandra Grimm mit der Nähmaschine zusammen. Die 52-Jährige folgt dabei verinnerlichten Mustern oder vorgezeichneten Linien. Asiatisch anmutende Ornamente, Herzen und Schlangenlinien entstehen unter ihrer Hand. Sie lassen die Decke zum Kunstwerk werden und vereinen die Stoffe zu einem Ganzen.

Maritime Farbenpracht

Doch die Arbeit von Sandra Grimm beginnt viel früher – und sie versetzt die gelernte Drogistin und zweifache Mutter regelmässig in einen Farbenrausch. In ihrem Keller holt sie Stoffe aus Kisten, schaut, was zusammenpasst, verwirft erste Ideen und entscheidet sich schliesslich für eine Auswahl an Stoffen, welche zu ihrem Projekt passen.

Oft schwebt ihr ein maritimes Sujet vor, eine Decke mit Leuchttürmen, ein Meer aus Blau, ergänzt durch weisse Farben. «Wir sind oft in Frankreich, und da kommen schöne Erinnerungen an das Meer, den Sand und die Möwen hoch», kommentiert Sandra Grimm die Auswahl. Ihre Affinität zu maritimen Farben, wie Blau-Weiss-Kombinationen spiegelt sich auch im Kleiderschrank von Sandra Grimm. Das sei praktisch, meint sie und lacht. So müsse sie nur blaue Schuhe kaufen, und die würden immer passen.

Im Verein der Berner Quilters nennt man sie «die Leuchtturmfrau», wegen der oft zu findenden Leuchttürme auf ihren Decken und Wandbehängen. Sie sind das Gemeinschaftswerk von ihrem Mann und ihr: «Er zeichnet sie naturgetreu im Computer nach, und so kann ich sie ausdrucken und als Schablone übertragen.»

Auch sonst ist Bernhard Grimm – Kommunikationsberater und Buchautor – ihr treuer Begleiter und grosser Bewunderer. «Er hat mir kürzlich die Homepage Quilt-it.ch kreiert, berät mich manchmal bei der Wahl der Sujets und macht bei jeder Gelegenheit Werbung für mich», lobt Sandra Grimm ihren Ehepartner.

Kinder «rümpften die Nase»

Doch angefangen hat die unterdessen mehr als zwanzig Jahre dauernde Geschichte der Näherin mit einer anderen grossen Leidenschaft: Sandra Grimm strickte fürs Leben gerne. So kleidete sie ihre Familie beispielsweise mit kreativ gestalteten Pullovern ein. Irgendeinmal hatten die beiden Kinder aber genug von der «selbst gefertigten Ware». Sie «rümpften die Nase», wie die Mutter sagt. «Es war der Zeitpunkt, mich nach einem neuen Hobby umzusehen.»

«Ich stellte eine Lasagne auf den Tisch und erklärte, dass es für die nächste Zeit vermutlich nur noch Fertigmenüs gebe.»

Sandra Grimm

Die Familie war damals gerade von Gümligen nach Muri gezogen, und eine Nachbarin machte bei den Berner Quilters mit. Sandra Grimm kannte das Quilten von einer Arbeit, die sie in der neunten Klasse angefertigt hatte. Sie folgte dem Rat der Nachbarin und meldete sich für einen Quiltkurs an. An den Tag vor dem ersten Kursbesuch erinnert sie sich noch genau: «Ich stellte eine feine Lasagne auf den Tisch und erklärte, dass es für die nächste Zeit vermutlich nur noch Fertigmenüs gebe.» Über 85 Quilts hat die Hobbynäherin seither gefertigt, und die Faszination lässt nicht nach.

Hobby mit Sackgeld

Doch das könne ganz schön ins Geld gehen, betont Sandra Grimm. Daher hat sie nach einer «Marktlücke» gesucht – und tatsächlich eine gefunden: Frauen, die aus irgendeinem Grund ihre eigenen Patchworkdecken nicht selbst fertigstellen möchten, übertragen diese Arbeit Sandra Grimm. So verdient sie sich Sackgeld für den Kauf von weiteren Stoffen und Nähutensilien.

Die unternehmungslustige Frau lässt es aber nicht bei einem einzigen Hobby, dem Quilten, bleiben. Sandra Grimm ist auch Bauchtänzerin. Und Sammlerin: Alte Werbeschilder, Hüte in Blau und Weiss, Abbildungen der Titanic und vieles mehr zieren die Attikawohnung in Münsingen.

Und dazu kommt ihre interessante Arbeitsstelle: Sie ist seit siebzehn Jahren als Quereinsteigerin zu 45 Prozent in einem Kinderhaus tätig. Hier könne sie ihre «Kreativität und ihre Lebensfreude» ebenfalls einbringen. Es freut sie, wenn sie Kindern in schwierigen Lebenslagen «Halt geben» kann – und sie betrachtet das Kinderhaus als «erweiterte Familie». Sandra Grimm, eine Frau mit vielen Facetten und vielen Ideen.

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