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Berner Forscher: Infizierte Person steckt durchschnittlich zwei Menschen an

Berner Forscher haben mit Hilfe eines Hochleistungsrechners herausgefunden, dass eine mit dem Coronavirus infizierte Person durchschnittlich ungefähr zwei weitere Personen infiziert.

Nach Angaben der Berner Forscher ähnelt die Ausbreitung des Coronavirus derjenigen des im Jahr 2003 aufgetretenen Sars-Virus (Symbolbild).
Nach Angaben der Berner Forscher ähnelt die Ausbreitung des Coronavirus derjenigen des im Jahr 2003 aufgetretenen Sars-Virus (Symbolbild).
Keystone

Zu Beginn der Epidemie lag dieser Wert «mit grosser Sicherheit» bei 1,4 bis 3,8 Personen. Solange der Wert über 1 liegt, besteht laut einer Mitteilung der Universität Bern vom Freitag das Risiko einer weltweiten Ausbreitung des Coronavirus, also einer sogenannten Pandemie.

Epidemiologen sprechen auch von der sogenannten Basis-Reproduktionszahl R0. Ist diese Zahl grösser als eins, kann sich das Virus weiter von Mensch zu Mensch ausbreiten. In diesem Fall ist es nötig, die Reproduktionszahl mit Kontrollmassnahmen zu senken, um eine Pandemie zu verhindern.

Britische Forscher des Imperial College London waren kürzlich im Zusammenhang mit dem Coronavirus auf eine Reproduktionszahl von durchschnittlich 2,6 gekommen.

Verbreitung ähnlich dem Sars-Virus. . .

In der Mitteilung der Universität Bern wird der Epidemiologe Christian Althaus mit den Worten zitiert, die Ausbreitung des Coronavirus ähnelte denjenigen des im Jahr 2003 aufgetretenen Sars-Virus.

«Falls es sich bestätigt, dass sich das neue Coronavirus wie Sars verhält, muss man mit dem Auftreten von sogenanntem Superspreading rechnen», sagt Althaus laut der Mitteilung. Das würde bedeuten, dass in seltenen Fällen einzelne Personen eine sehr hohe Anzahl Neuansteckungen verursachten.

Auf der anderen Seite würden jedoch die meisten infizierten Personen gar keine weiteren Personen infizieren, womit es leichter wäre, neue Epidemieherde einzudämmen.«Im Moment ist es zentral zu verhindern, dass sich neue Übertragungsketten in Ländern ausserhalb Chinas bilden können», sagt Althaus. Sobald sich das Virus in einem weiteren Land festsetzen würde, sei es schwierig, eine globale Ausbreitung zu verhindern.

«Die strengen Massnahmen, welche in China getroffen wurden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, haben die Reproduktionszahl höchstwahrscheinlich gedrückt. Ob diese Massnahmen ausreichen, um eine weltweite Pandemie zu verhindern, werden die folgenden Wochen zeigen», sagt Althaus weiter.

. . .und von Grippepandemien

Den Berner Forschern zufolge verhält sich das aktuelle Virus aber auch wie bei einer pandemischen Influenza, also einer Grippepandemie wie in den Jahren 1918 oder 2009. Wenn das so wäre, halten die Berner Forscher fest, wäre es viel schwieriger, eine weitere Ausbreitung zu verhindern. In diesem Fall steckten infizierte Personen nämlich immer etwa gleich viele Personen an, was zu gleichmässigen Übertragungsketten führe, welche sehr schwierig einzudämmen seien.

Die Ergebnisse der Forscher des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern wurden im Fachjournal Eurosurveillance des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) veröffentlicht.

SDA/sih

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