Bernexpo sucht Käufer für die Messehallen

Bern

Das Berner Messeunternehmen Bernexpo sucht neue Investoren, die sich an der Immobilientochter Messepark AG beteiligen. Sogar ein vollständiger Verkauf der Immobilien ist denkbar.

<b>Franziska von Weissenfluh,</b> Bernexpo-Präsidentin.

Franziska von Weissenfluh, Bernexpo-Präsidentin.

(Bild: amg)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Es ist ein Plan, der an die Substanz geht. Das Berner Messeunternehmen Bernexpo sucht einen Käufer für seine Messehallen. Das hat Verwaltungsratspräsidentin Franziska von Weissenfluh in einem Interview mit dem «Bund» gesagt. «Wir prüfen zurzeit ein neues Träger- und Finanzierungsmodell für alle unsere Messehallen», sagt sie.

Konkret sucht Bernexpo neue Investoren, die sich an der Immobilientochter Messepark AG beteiligen. Dafür ist von Weissenfluh bereit, die Mehrheit an der Messepark AG abzugeben. Sogar ein vollständiger Verkauf der Immobilien sei denkbar.

Eventhalle muss warten

Einen Investor hat von Weissenfluh noch nicht gefunden. Aber man sei mit diversen Interessenten im Gespräch. Im Vordergrund dürfte dabei eine Immobiliengesellschaft stehen, welche auf kommerzielle Liegenschaften spezialisiert ist. Angesichts der tiefen Zinsen sind Immobilien als Anlageobjekte gesucht.

Diese Kursänderung ist der zentrale Grund für den Marschhalt bei der Planung der neuen Eventhalle. Anfang Oktober hatte diese Zeitung publik gemacht, dass Bernexpo die Detailplanung für den Ersatzbau für die alte Festhalle eingestellt habe. Denn das neue Träger- und Finanzierungsmodell soll bei diesem Prestigeprojekt ebenfalls zur Anwendung kommen.

Bernexpo besitze zu viele Immobilien, begründet von Weissenfluh den angestrebten Verkauf der Hallen. Zudem ist sie überzeugt, dass sich für Bernexpo eine Investition in eine Eventhalle nicht rechne. Den Erlös aus dem Verkauf will sie verwenden, um Bernexpo zu einem «Livemarketingunternehmen» zu machen. Ausstellungen reichten heute nicht mehr, es brauche Inszenierungen. 

Widerstand vom Kursaal

Die neue Eventhalle wird Platz für bis zu 9000 Personen bieten. Bernexpo möchte sie für Konzerte, Sportanlässe und grosse Kongresse nutzen. Zudem ist der Bau eines Kongresszentrums mit 1200 Plätzen vorgesehen. Der Bau dieses Saals stösst indes auf Widerstand von der Kursaal-Gruppe.

Deren Chefetage befürchtet, dass ihr Saal mit 1500 Plätzen durch das Kongresszentrum bei der Eventhalle konkurrenziert wird. Dieser Widerstand hält nach wie vor an. Bei Bernexpo will man jedoch unbedingt am geplanten Kongresszentrum festhalten.

Steuergelder eingeplant

Für die Finanzierung der 80 Millionen Franken teuren Eventhalle sind auch Steuergelder vorgesehen. Die Stadt und der Kanton Bern haben die Absicht, das Projekt mit bis zu je 15 Millionen zu unterstützen. Entschieden ist aber noch nichts.  Auch von der Burgergemeinde ist ein Beitrag zu erwarten.

Einflussreiche Burger befürchten jedoch, dass Bernexpo nach einem Verkauf des Immobilienportefeuilles das Interesse verlieren könnte, mit allen Kräften für eine gute Auslastung der Eventhalle zu sorgen. Es braucht also noch einiges an Überzeugungsarbeit.

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