Starkstrom-Gegner kämpfen weiter

Seedorf

Der Widerstand wächst: Wegen Beschwerden aus Seedorf wird sich das Stromleitungsprojekt Bassecourt–Mühleberg um zwei Jahre verzögern.

Wegen der Abschaltung des Atomkraftwerks Mühleberg soll die Spannung auf der Leitung zwischen Bassecourt JU und Mühleberg von 220 auf 380 Kilovolt erhöht werden.

Wegen der Abschaltung des Atomkraftwerks Mühleberg soll die Spannung auf der Leitung zwischen Bassecourt JU und Mühleberg von 220 auf 380 Kilovolt erhöht werden.

(Bild: Keystone)

Simone Lippuner

Ein Dorf bündelt seine Kräfte. Die Einwohner von Aspi bei Seedorf wehren sich seit Jahren gegen den geplanten Ausbau der Starkstromleitung, die über ihre Köpfe führt. Vor wenigen Tagen haben die Gegner den nächsten Schritt beschlossen: die Beschwerde bis vor Bundesverwaltungsgericht zu ziehen. «Für uns ist dieses Projekt unzumutbar», sagt Adrian Degenmann. Er ist der Koordinator und Anführer der Gegnerschaft, die mittlerweile über 40 Haushalte umfasst. «Hauptgrund für unseren Widerstand ist die höhere Strahlenbelastung, die der Ausbau mit sich bringen würde.»

Das Verstärken der 45 Kilometer langen Hochspannungsleitung, die quer durchs Seeland von Bassecourt bis nach Mühleberg führt, ist Teil des «Strategischen Netzes 2025» von Swissgrid. Die Spannung soll von 220 auf 380 Kilovolt erhöht werden, um die Versorgungssicherheit nach der Abschaltung des Kernkraftwerks Mühleberg zu gewährleisten. An 54 von 141 Masten müssten Baumassnahmen getroffen werden. Das Bundesamt für Energie hat die Spannungserhöhung im August bewilligt und die Einsprachen abgewiesen. Mit diesem Entscheid befasst sich nun das Bundesverwaltungsgericht.

Die Gemeinde Seedorf wirkt bei der Beschwerde mit. «Wir wollen die Einsprechenden unterstützen», sagt Gemeindepräsident Hans Schori (SVP). Doch handle es sich für die Gemeinde keineswegs um eine «Populärbeschwerde», betont Schori. «Die Beschwerde ist ein Schritt. Die Lösungssuche der nächste.» Man müsse sich gemeinsam Alternativen überlegen. Sei dies nun eine veränderte Linienführung oder aber die Erdverkabelung – wobei Letzteres gemäss Schori rein aus finanzieller Sicht wohl keine Chance hat.

Schori wie auch Degenmann malen sich im Rechtsstreit durchaus Chancen aus. «Sonst würden wir es nicht machen», sagt Degenmann. Es handle sich um eine Juristerei, führt Hans Schori weiter aus. Es komme nämlich drauf an, ob die Gerichte die Ansicht von Swissgrid und dem Bundesamt für Energie stützen und das Vorhaben als «alte Anlage» einstufen oder ob die Leitung als neue Anlage taxiert wird. Damit wäre sie der neuen Gesetzgebung unterstellt und dürfte nicht mehr direkt über bebautes Gebiet führen.

Zwei Jahre später

Nicht nur in Seedorf formiert sich Widerstand gegen das Projekt von Swissgrid. Bereits während der öffentlichen Auflage im Herbst 2017 gingen mehrere Dutzend Einsprachen aus verschiedenen Seeländer Gemeinden ein. Hauptgrund ist der Elektrosmog. Swissgrid ihrerseits beteuert stets, dass der gesetzliche Immissionsgrenzwert des magnetischen Feldes von 100 Mikrotesla eingehalten werde.

Am Montag teilte Swissgrid mit, dass sich das Ausbauprojekt Bassecourt–Mühleberg aufgrund der Beschwerden vor Bundesverwaltungsgericht um «voraussichtlich zwei Jahre verzögert». Somit wird die Leitung, wenn überhaupt, sicherlich nicht vor 2024 modernisiert.

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