Zum Hauptinhalt springen

«Besser werden wir nicht»

Für «Die Schwarze» ist die diesjährige Berner Fasnacht die letzte, die sie als Schnitzelbänkler bestreiten. Die nächsten drei Tage werden allerdings noch einmal intensiv.

Die Schwarze: «Wir hoffen, dass Junge in unsere Fussstapfen treten», sagen Jürg Brechbühl und Lis Adamek.
Die Schwarze: «Wir hoffen, dass Junge in unsere Fussstapfen treten», sagen Jürg Brechbühl und Lis Adamek.
Nicole Philipp

Babys fangen an zu weinen, Kinder fürchten sich vor ihnen, und Erwachsene lachen sich kaputt: Die Schnitzelbänkler Die Schwarze mit ihren Masken, Federhüten und Umhängen sind seit 25 Jahren ein Teil der Berner Fasnacht. Dahinter steckt das Paar Jürg Brechbühl (63) und Lis Adamek (70).

Noch bevor die Fasnacht in Bern existierte, textete Brechbühl schon Schnitzelbänke, alles im privaten Rahmen, für den Vater, den Bruder, für Freunde. «Für Lis habe ich noch nie eine geschrieben, ich habe mich noch nicht getraut», sagt er.

Grosseltern auf der Bühne

Seit 1992 treten sie gemeinsam an der Berner Fasnacht auf, genau gleich lange wohnen sie zusammen. «Wir sind eine Patchworkfamilie», sagt Brechbühl. Während der Fasnacht touren sie für die Schnitzelbanksoiree durch fünf Restaurants, mit ihnen acht andere Gruppen. Beispielsweise durchs Restaurant Zum Goldenen Schlüssel. Bereits seit Juli ist jeder Platz der Soiree ausgebucht.

So klang das 1994:

Auch unter dem Jahr und ohne Masken werden Die Schwarze hier persönlich begrüsst, wenn sie mit ihrem Grosskind Loïc einkehren. «Ich habe meine Grosseltern auch schon auf der Bühne gesehen, bin aber eingeschlafen, so langweilig war es», sagt der 4-Jährige. Gross­papa Brechbühl schaut ihn gespielt entsetzt an und meint: «Du bist aber ein schlechter Kanton.»

Verschiedene Gürtellinien

Über tausend Schnitzelbänke hat Brechbühl getextet. «Lis ist meine wichtigste Kritikerin. Findet sie den Vers lustig, ist er gut. Lacht sie nicht, muss ich ihn vergessen», sagt der 63-Jährige. Ein Vierzeiler brauche Zeit, manchmal einen ganzen Tag. Auf dem Velo funktioniere es bei ihm besonders gut. Oder früher im Zug, als er nach Zürich pendelte. Manchmal erscheinen ihm die Reime in der Nacht, je älter er werde, desto öfter. «Ich muss sie sofort aufschreiben, sonst ist die erste Zeile wieder weg», sagt er.

Dabei versucht er stets über der Gürtellinie zu bleiben, aber es gebe ja verschiedene Gürtellinien. Tabu seien Rassismus und Themen, bei denen jemand zu Schaden kam oder wenn jemand gestorben ist. «Eine schlechte Schnitzelbank hat keine Pointe oder ist zu moralisierend», sagt er. «Und eine gute Schnitzelbank ist eine, bei der sich Wort und Bild unterstützen», sagt Lis Adamek, die bei Die Schwarze für die Bilder zuständig ist.

Aktualität ist wichtig, brandaktuell ist derzeit das Postauto. Erst am Montag textete Brechbühl die letzte für ihren zehnminütigen Auftritt von heute Abend. Das sei kein Rekord: «Als YB gegen Winterthur aus dem Cup flog, machte ich eine am Tag davor», erinnert er sich. Gern auf die Schippe nimmt er Lokalpolitiker, Bundesräte und ausländische Grössen.

Bürokratischere Fasnacht

Heute Abend findet die Schnitzelbanksoiree im Schwingbesen, im Arlequin, im Goldenen Schlüssel, im Restaurant Rathaus und in der Zunft zu Webern statt. «Nach drei intensiven Tagen ist dann auch wieder gut», sagt Lis Adamek. Und erst recht nach 25 Jahren: Für das Paar ist heuer die letzte Fasnacht als Schnitzelbänkler. «Ich werde mir alle Schnitzelbänke anhören und bei allen sagen, das hätte ich besser gekonnt», sagt Brechbühl und grinst.

Im Alter werde alles beschwerlicher. So begründen sie ihren Rücktritt. Und auch bürokratischer: «Früher traten wir spontan in den Lokalen auf. Heute muss man sich vorher immer anmelden, das ist schade», sagt Brechbühl. Er schliesse mit ei­nem lachenden und einem weinenden Auge ab. «Aber ich schliesse ab. Besser werden wir nicht», witzelt er. Sie verraten die allerletzte Schnitzelbank, die für einmal nicht auf schwarzem Humor basiere, sondern positiv sei:

Video: Claudia Salzmann

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch