Vom Bierstand zum Parallel-Festival

Wer den Gurten zu Fuss erklimmt, kommt um die Bar bei der Mittelstation kaum herum. Was klein begann, ist heute ein regelrechtes Parallel­festival.

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Die Frage stellte sich Daniel Glauser jedes Jahr aufs Neue, wenn er sich zu Fuss zum Festivalgelände aufmachte: Warum in aller Welt kann man unterwegs nirgendwo ein kühles Bier trinken? Immer wieder fand sich der Berner aber damit ab und schwitzte sich wie Tausende andere Gurtenbesucher den Hausberg hinauf.

Bis zum Sommer 2001. Das Ticket fürs damalige Festival hatte er zwar schon gekauft. «Zwei Wochen vorher entschied ich mich aber um.» Sein Plan: Endlich einen kleinen Getränkestand bei der Mittelstation aufziehen.

Er fragte den ansässigen Bauern, ob er einen Teil seiner Fläche mieten kann, holte sich bei der Gemeinde eine Bewilligung und besorgte sich ein Billigzelt. Mit Dosenbier aus dem Denner und einer Kühlbox stellte er sich schliesslich an den Weg – und die Sache nahm ihren Lauf.

Über 2000 Liter Bier

Heute, fast 20 Jahre später, ist die provisorische Bar von der Mittelstation nicht mehr wegzudenken. Hier gönnen sich unzählige Gurtengänger beim Aufstieg eine Pause, hier stimmen sie sich bei einem ersten Bier aufs Festival ein, und hier nehmen sie Stunden später beim Abstieg noch einen Absacker.

«Wir sind im Prinzip der Anfang und das Ende des Festivals», sagt der 50-Jährige. Dass der gelernte Koch in der Wirform spricht, kommt nicht von ungefähr. Rund 25 Mitarbeiter zählt sein Team inzwischen.

Denn aus dem damaligen Bierzelt ist längst ein kleines Parallelfestival mit Bar, Bühne und Lounge geworden. «Beim allerersten Mal spielte ich noch aus einer Stereoanlage Goa ab», so Glauser. Dieses Jahr treten zwölf Bands auf. Dazu dürften auch diesmal wieder über 2000 Liter Bier fliessen.

Zoff mit den Behörden

Ein goldenes Näschen verdiene er sich trotzdem nicht – auch wenn er mittlerweile sogar auf namhafte Sponsoren zählen kann. «Das Ganze bleibt ein Nullsummenspiel.»

Mit den Kosten für Fläche, Equipment, Bands und Personal bleibe am Ende nicht viel übrig. Dazu geht viel unbezahlte Arbeitszeit drauf – für Auf- und Abbau rund einen Monat. «Für mich ist es eine Herzensangelegenheit.»

Um diese musste Glauser in der Vergangenheit auch schon kämpfen. 2008 hatten die Behörden ihm und anderen Standbetreibern rund um das Gelände wegen der Lärmbelastung die Bewilligung entzogen.

In jenem Jahr blieb der Barbetrieb bei der Mittelstation aus. Glauser liess das Verbot jedoch nicht auf sich sitzen. Er wehrte sich bis vor Verwaltungsgericht und bekam recht. Seither darf er seine Bar wieder führen – allerdings nur noch bis 2 Uhr morgens, was für ihn «nicht optimal» sei.

Endstation Mittelstation

Die allsommerlichen Überstunden, die schlaflosen Festivalnächte, die Reibereien mit den Behörden – sie haben bei Daniel Glauser Spuren hinterlassen. «Das Ganze ist anstrengend», sagt er.

Noch 3 Jahre – bis zum 20-Jahr-Jubiläum – werde er weitermachen. Danach will er sein «Baby», wie er es nennt, Sohn Marco übergeben. Die Tradition solle schliesslich weitergehen.

Und mit ihr auch die Geschichten, die jedes Jahr wieder aufs Neue geschrieben werden – wie jene von einem Gast, der eigentlich ein Viertagespass fürs Festival hatte, am Schluss aber auf halber Strecke hängen blieb. «Doch», sagt Daniel Glauser, «ich bin schon stolz darauf, was ich da aufgebaut habe.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.07.2018, 17:12 Uhr

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